Erbstreit: So vermeiden Sie Zwist und Ärger

Sorgen Sie für Klarheit

19. Oktober 2017

Ein Testament ist zu kompliziert? Kristin Winkler, Fachanwältin für Erbrecht, macht es einfach – und beantwortet die wichtigsten Fragen. Wie verhindere ich, dass es zu einem Erbstreit kommt?

Allein 2016 haben die Deutschen 108,8 Milliarden Euro vererbt. Das ist ein neuer Höchststand. Problematisch: Das Erbe ist auch einer der häufigsten Streitgründe in Familien. Da uns das Thema als Erbengeneration in den nächsten Jahren ganz konkret betreffen wird, sollten wir vorsorgen. Wie vermeiden wir, dass es mit engen Familienangehörigen zu einem Erbstreit kommt? Unsere Expertin Kristin Winkler (www.gwglhamburg.de) sagt, wie’s geht.

Ich habe geerbt. Was ist das erste, das ich nun tun muss?
Die wichtigste Entscheidung ist, ob man auch Erbe bleiben möchte. Nach deutschem Recht geht der Nachlass mit Eintritt des Erbfalls automatisch auf die Erben über. Man hat allerdings sechs Wochen Zeit, das Erbe auszuschlagen, etwa bei Schulden. Es ist daher wichtig, sich möglichst schnell einen Überblick über die Vermögenssituation zu verschaffen. Das kann sich schwierig gestalten, wenn man mit dem Erblasser und seinen Lebensumständen nicht vertraut war.

Was ist ein Pflichtteil, und was bedeutet das genau?
Ein Pflichtteil gewährt einem bestimmten Personenkreis einen gesetzlich festgelegten Anspruch am Nachlass. Es ist ein Anspruch in Geld und beträgt die Hälfte des gesetzlichen Erbteils. Zu diesem Personenkreis gehören nur die nächsten Familienangehörigen des Erblassers, nämlich seine Abkömmlinge (Kinder, Enkel usw.), seine Eltern und der überlebende Ehegatte und eingetragene Lebenspartner. Entferntere Verwandte sind nicht pflichtteilsberechtigt.

Kann ich den Anteil der Verwandten reduzieren?
Den Pflichtteil zu reduzieren, ist nur in eingeschränktem Maße möglich. Zumeist wird dies durch Schenkungen zu Lebzeiten versucht. Des Weiteren lässt sich auch über die Änderung der Pflichtteilsquote eine Pflichtteilsreduzierung bewirken. Die Quote hängt von den familiären Verhältnissen ab. Wenn weitere Pflichtteilsberechtigte hinzukommen, etwa durch Heirat oder Adoption, verringert sich auf diesem Wege der Pflichtteil zu Ungunsten des ungeliebten Pflichtteilsberechtigten.

Kann ich im Testament auch Bedingungen stellen?
Ja, das ist möglich und kann zum Beispiel zur Sicherung bestimmter Vermächtnisse oder Auflagen dienen. Aber auch die oft in gemeinschaftlichen Testamenten zu findenden Pflichtteilsstrafklauseln (etwa: Schlusserbeneinsetzung – Kinder erben nur, wenn sie nach dem Tod des ersten Elternteils auf den Pflichtteil verzichten) ist letztlich eine unter Bedingung gestellte Erbeinsetzung.

Brauche ich immer einen Notar? Oder geht es ohne?
Ein Testament ist auch ohne Notar gültig, solange man sich an die Vorschriften hält (siehe rechts). Wählt man diese Form, erspart man den Erben den Erbschein. Und der ist häufig teurer als das Anfertigen eines Testaments.