Experten-Tipps: Hallux valgus vorbeugen und lindern

Gesunde, schöne Füße

Am Außengelenk des großen Zehs bildet sich bei vielen Frauen eine schmerzhafte Beule. Wie kann man Hallux valgus vorbeugen und Schmerzen lindern? Wir sprachen mit Dr. Gunnar Laabs, Orthopäde und zertifizierter Fußchirurg im „Ortho-Centrum Hamburg“, darüber.

Wie entsteht denn so ein Ballenzeh überhaupt?

„Beim Hallux valgus schiebt sich der erste Mittelfußknochen nach außen, und ein sichtbar herausragender Ballen entsteht. Der Druck von Schuhen auf das verschobene Gelenk führt zu Reizungen und Schwellungen – es können sich zusätzlich schmerzhafte Schleimbeutelentzündungen bilden.“

Was ist für die Ursache für Hallux valgus und warum sind vor allem Frauen betroffen?

„Wegen ihrer Schuhe, denn die haben oft hohe Absätze und laufen vorn spitz zu. Frauen haben auch ein schwächeres Binde- und Stützgewebe als Männer, dadurch können sich die Knochen verschieben. Durch hormonelle Veränderungen, wie in einer Schwangerschaft, kann das Bindegewebe noch nachgiebiger werden. Die Veranlagung spielt ebenfalls eine große Rolle, manchmal sind von der Oma bis zur Enkelin ganze Familien betroffen.“

Wie wird die Krankheit diagnostiziert?

„Neben der körperlichen Untersuchung zeigt ein Röntgenbild, wie weit die schmerzhafte Fehlstellung schon vorangeschritten ist.“ 

Verschlimmert sich ein Ballenzeh mit der Zeit?

„Es besteht die Gefahr, dass sich die Zehen noch stärker verformen. In Extremfällen kann der große Zeh fast quer über den anderen Zehen liegen. Ein Hallux valgus kann im Verlauf auch zu einer Arthrose führen, da sich das Gelenk durch die Fehlstellung schneller abnutzt.“

Muss ein Ballenzeh denn sofort operiert werden?

„Nein, es muss nicht immer gleich operiert werden. In leichten Fällen kann oft durch eine Druckentlastung der Zehen viel erreicht werden. Ich empfehle, weite, weiche Schuhe zu tragen. Mit Einlagen und spezieller Krankengymnastik lassen sich die Beschwerden oft ebenfalls deutlich bessern.“

Und wann sollte man lieber operieren? 

„Eine Hallux valgus Operation ist dann angezeigt, wenn die konservativen Maßnahmen keinen Erfolg bringen. Und vor allem, wenn Schmerzen dazukommen. Der Patient entscheidet das dann abhängig von seinem Leidensdruck selbst. Um den Hallux zu korrigieren, muss der Knochen durchtrennt und die schief stehende Großzehe in die richtige Position gebracht werden. Damit die Knochen gut zusammenwachsen, müssen sie dabei verschraubt, verplattet oder verdrahtet werden. Es gibt mehrere Verfahren, das hängt mit der Ausprägung und dem Ort der Fehlstellung zusammen.“

Kann minimal-invasiv operiert werden?

„Ja, inzwischen können über winzige Schnitte Schrauben und – wenn nötig – auch Platten in den Fuß geschoben werden. Der große Vorteil ist, dass es nur kleine Schnitte und Narben gibt. Aber auch bei herkömmlichen OP-Methoden sind die Narben klein und kaum zu sehen. Die Dauer der Nachbehandlung und das Ausmaß der Beschwerden sind bei minimalinvasiven Techniken nicht viel anders, im Gegenteil: Nicht selten ist die Schwellung nach der OP sogar stärker ausgeprägt.“

Wie sieht denn die Nachbehandlung aus? 

„In den meisten Fällen können die Hallux-Patienten direkt nach der Operation ihren Fuß wieder voll belasten. Sechs Wochen lang sollten sie aber unbedingt einen speziellen Verbandsschuh tragen. In dieser Zeit ist dann oft eine Lymphdrainage sinnvoll, um die Schwellung zu behandeln. Physiotherapie ist ebenfalls empfehlenswert. In der Regel ist der Patient nach der Hallux-Operation seinen Ballenzeh für immer los.“

Fakten-Check

Diese OPs gibt es:

Chevron-Osteotomie

Sie wird bei leichten Formen des Hallux valgus angewendet (Fehlstellung < 15 Grad). Eine V-förmige Knochendurchtrennung wird in Höhe des ersten Mittelfußköpfchens durchgeführt. Das Mittelfußköpfchen wird nach außen verschoben und mit einer Titanschraube stabil fixiert. 

Basisosteotomie 

Bei ausgeprägten Fehlstellungen bietet sich die Basisosteotomie an. Hierbei wird an der Basis des Mittelfußknochens ein keilförmiges Knochenstück entnommen und die Fehlstellung um diesen Winkel korrigiert. Die neue Stellung wird durch eine kleine Metallplatte mit Schrauben fixiert, sodass der Knochen in der korrigierten Stellung verheilen kann. 

Lapidus-Arthrodese

Diese OP wird vor allem bei einer übernormalen Beweglichkeit im Gelenk und Instabilität des Mittelfußknochens gemacht: Der 1. Mittelfußknochen und der 1. Fußwurzelknochen werden in der korrigierten Stellung mit Schrauben und einer Titanplatte verbunden und so stabil versteift.

OP nach Akin

Die OP nach Akin eignet sich für knöcherne Fehlstellungen in der Großzehe. Dabei wird ein kleiner Keil aus dem Knochen im Großzehengrundglied entnommen. Dann wird die Großzehe in die gewünschte Position geschoben. Diese Stellung wird mit einer kleinen Schraube, Platte oder einer Titanklammer fixiert. 

Den Fuß stärken: So können Sie Hallux valgus vorbeugen

Barfuß laufen

Das ist Doping für die füße: Alle Bänder, Sehnen und Muskeln werden gefordert und gestärkt. Barfuß laufen auf weichem Sand oder Gras tut gut. Auf hartem Parkett oder Kacheln besser nicht – der Untergrund federt nicht, der Fuß wird belastet.

 Flache Schuhe

Ganz flach ist auch nicht gut, weil der Fuß dann oft keinen Halt hat und im Schuh schlingert. Am besten sind Absätze von drei bis fünf Zentimetern

Spiraldynamik

Spezielle Übungen stärken den Fuß. Etwa die Fußaußenkanten aneinanderlegen und die Fußsohlen wie beim Händeklatschen bewegen.