Kreislaufprobleme: Woher sie kommen und was gegen sie hilft

Was Sie tun können, wenn sich alles dreht

09. Oktober 2020

Kreislaufprobleme sind in Deutschland zu einer Volkskrankheit geworden und äußerst unangenehm. Dennoch können Sie Ihren Kreislauf meist leicht wieder in Schwung bringen. Wir erklären Ihnen, woher die Kreislaufschwankungen kommen, wann Sie zum Arzt sollten und was Sie selbst dagegen tun können.

Die Ursachen von Kreislaufproblemen

Kreislaufprobleme treten in den meisten Fällen im Zusammenhang mit zu niedrigem Blutdruck, der auch als Hypotonie bezeichnet wird, auf, da hier das Gehirn kurzzeitig nicht ausreichend mit Sauerstoff versorgt wird. Hierbei unterscheiden Mediziner zwischen einer primären und einer sekundären Hypotonie. Bei der primären Hypotonie ist Ihr Blutdruck dauerhaft niedrig, was allerdings nicht zwangsläufig zu dauerhaften Kreislaufproblemen führt, sondern eher bei zu langem Liegen oder stark schwankenden Temperaturen sowie einer Überhitzung. Bei der sekundären Hypotonie sind es häufig Krankheiten, die die Herzleistung vermindern oder die Einnahme bestimmter Medikamente, welche Ihre Kreislaufprobleme auslösen.

Neben diesen Ursachen kann es auch durch ruckartige Bewegungen zu Kreislaufproblemen kommen. Bestimmt kennen Sie dieses Gefühl auch, wenn Sie zu schnell aufgestanden sind und Ihnen plötzlich kurz schwarz vor Augen wird und ein Schwindelgefühl einsetzt. Durch das schnelle Aufstehen sackt Ihr Blut durch die Schwerkraft in der unteren Körperhälfte ab, wodurch auch der Rückstrom des Blutes von den Venen zum Herzen abnimmt und der Blutdruck so zu rasch absinkt. Um dem Blutdruckabfall entgegenzuwirken, steigt die Herzfrequenz an und Ihr Herz beginnt schneller zu pumpen, um die Durchblutung wieder zu regulieren und alle Organe mit dem notwendigen Sauerstoff versorgen zu können. Funktioniert diese Gegenreaktion des Körpers allerdings nicht oder nur bedingt, kann das Gehirn nicht richtig mit Sauerstoff versorgt werden, weshalb es zu Kreislaufproblemen bis hin zur Ohnmacht kommen kann.

Es gibt aber auch noch andere Ursachen, die Kreislaufprobleme verursachen: dazu gehören Überlastungen beim Sport oder Sport zu für den Körper ungewohnten Zeiten, Wetterschwankungen (hier spricht man auch von Wetterfühligkeit), schwüle Temperaturen sowie stickige Luft in Räumen, starke Schmerzen oder Verletzungen (viele können ihr eigenes oder anderes Blut nicht sehen), aber auch Menschenmassen – auf Konzerten oder anderen Massenveranstaltungen, wo Menschen dicht gedrängt aufeinander treffen, haben Sanitäter bei der Behandlung von Kreislaufproblemen viel zu tun. 

Auch wegen Mangelerscheinungen kann es zu Kreislaufproblemen kommen: Aufgrund des Hormons Progesteron sind besonders Schwangere sehr häufig von Kreislaufproblemen betroffen, da sich hierbei das Herz-Kreislauf-System verändert. Verletzungen mit starkem Blutverlust, Entzündungen im Körper, Vergiftungen, eine starke Unterkühlung sowie Drogenmissbrauch, aber auch banale Dinge, wie zum Beispiel wenig Schlaf oder Flüssigkeitsmangel können ebenfalls zu Kreislaufprobleme führen.

Auch während oder bereits vor der Periode kann es bei manchen Frauen zu Kreislaufbeschwerden kommen. Tatsächlich belastet nämlich der Blutverlust den Organismus und das kann zu Kreislaufproblemen führen. Insbesondere junge und sehr schlanke Frauen haben mit solchen Problemen zu kämpfen, sie fühlen sich dann sehr schlapp und müde. Auch treten etwa ein allgemeines Schwächegefühl, Schwindel, Kopfschmerzen und mitunter Übelkeit auf.

Kreislaufprobleme durch vegane Ernährung?

Derzeit gibt es keine Informationen, dass eine vegane Ernährung zu Kreislaufproblemen führen kann. Aber natürlich können sich Ernährungsumstellungen sowie Diäten mit einer vorübergehenden Kreislaufschwäche bemerkbar machen. Da Veganer oft sehr körperbewusst sind und ausreichend Sport machen, können sie ihren Kreislauf in Schwung bringen oder halten. Problematisch ist nach wie vor die Versorgung mit wichtigen Nährstoffen, und zwar im Speziellen mit Vitamin B12. Dieses kommt fast nur in tierischen Lebensmitteln vor und kann auch mit Nahrungsergänzungsmitteln nicht identisch “nachgebaut“ werden. Über einen längeren Zeitraum kann es daher zu gesundheitlichen Beeinträchtigungen kommen, so auch die Bundesregierung.

Kreislaufprobleme im Sommer

Gerade im Sommer kann es aufgrund der Wärme verstärkt zu Kreislaufproblemen, einem Schwächeanfall oder gar einem Kreislaufkollaps kommen – wie bereits erwähnt, sind besonders schwüle Wetterlagen problematisch. Wer daher chronische Kreislaufprobleme hat, sollte Reisen in tropische Gebiete überdenken. Aber auch hierzulande können einem eine hohe Luftfeuchtigkeit gepaart mit warmen Temperaturen zu schaffen machen. Hier hilft es, wenn Sie bei Bedarf oder regelmäßig über den Tag verteilt Waden und Füße sowie die Innenseiten der Handgelenke für ca. ein bis zwei Minuten mit kaltem Wasser kühlen. Auch ein kalter Waschlappen im Nacken hilft schnell wieder auf die Beine. Linderung wird also durch einen Kältereiz verschafft.

Gegen Kreislaufprobleme im Sommer und sogenannte dicke Beine hilft auch regelmäßiges Kneipen, also Wassertreten: Dazu  lassen Sie kühles Wasser in die Badewanne ein (oder in einen entsprechend großen Behälter) und staken wie ein Storch hin und her – dabei heben Sie das Bein komplett aus dem Wasser und neigen beim Absenken die Fußspitzen nach unten. Dies ist wichtig, damit die Beine maximal durchblutet werden. Kneipen wird empfohlen, wenn sich die Füße zu Beginn warm oder heiß anfühlen. Sie können auch einen Schuss Franzbranntwein ins Wasser geben oder das bewährte Hausmittel zwischendurch direkt auf die Waden geben. Tipp: Wenn Sie im Sommer beispielsweise an einem Brunnen oder Badesee vorbeikommen, dann kneipen Sie einfach dort!

Symptome, die bei Kreislaufproblemen auftreten

Das häufigste Symptom, welches wohl die meisten Menschen mit Kreislaufproblemen verbinden, ist das Schwindelgefühl verbunden mit einer eingeschränkten Sicht, da vielen häufig schwarz vor Augen wird. Hierbei tritt häufig das Gefühl auf, dass Sie sich nicht richtig auf den Beinen halten und auch nicht wirklich geradeaus schauen können. Begleitet wird dieses Schwindelgefühl oft zusätzlich durch folgende Symptome:

•    Übelkeit
•    Erbrechen
•    Schweißausbrüche
•    Kopfschmerzen
•    Frösteln

Neben diesen typischen Symptomen gibt es noch weitere, die vor allem bei einer chronischen Hypotonie auftreten. Diese sind vor allem Antriebslosigkeit, schnelle Ermüdung, ein hohes Schlafbedürfnis (man ist dauernd müde), Augenflimmern, erhöhte Reizbarkeit, Appetitlosigkeit, depressive Verstimmung Wetterfühligkeit oder Stiche in der Herzgegend.

Soforthilfe: Was Sie tun können, wenn es zu Kreislaufproblemen kommt

Sollte es zu akuten Kreislaufproblemen kommen, gibt es ein paar Dinge, die Sie sofort tun können. Es geht darum, den Blutdruck möglichst schnell wieder ansteigen zu lassen. Diese Hausmittel helfen zuverlässig:

  • Beine hochlagern, um das Blut nicht in die untere Körperhälfte sacken zu lassen
  • Kaffee trinken – lässt den Blutdruck steigen
  • Brühe trinken – lässt den Blutdruck steigen
  • Salzhaltiges Gebäck essen wie Salzstangen oder Salzbrezeln

Wer einen niedrigen Blutdruck hat sollte generell viel trinken. Beherzigen Sie das besonders bei klimatischen Veränderungen beispielsweise bei schwül-warmem Wetter im Sommer oder im Urlaub. Schützen Sie sich im Sommer auch vor praller Sonne, suchen Sie lieber schattige Orte auf und schützen Sie Ihren Kopf vor direkter Sonneneinstrahlung. Wer zu Kreislaufproblemen neigt, hat meist auch Probleme bei Massenveranstaltungen. wie Konzerten. Haben Sie ebenfalls genug zu trinken dabei und suchen Sie sich ein Plätzchen am Rand – falls Sie merken, dass sich der Kreislauf verabschiedet, dann können Sie den Ort schnell verlassen.

Sollten Sie allerdings zu Ohnmacht oder Krämpfen neigen, sollten Sie einen Arzt aufsuchen, da dieser gezielt die Ursache ermitteln und entsprechende Maßnahmen zur Stabilisierung Ihres Kreislaufs vornehmen kann. Falls nötig, kann auch eine kurzfristige Einnahme blutdrucksteigernder Medikamente bei anhaltenden Kreislaufproblemen Abhilfe schaffen, wobei diese bei Schwangeren nicht eingesetzt werden sollten.

Konnte der Arzt die Ursache Ihrer Kreislaufprobleme ermitteln, kann er diese gezielt behandeln. Bei der Diagnose durch den Arzt wird im Idealfall noch während der Kreislaufprobleme der Blutdruck und die Herzfrequenz kontrolliert, um die Ursache bestmöglich ermitteln zu können. Im Anschluss wird dann auch häufig eine umfassende Krankengeschichte erhoben, da durch das Vorhandensein anderer Erkrankungen oder die Einnahme bestimmter Medikamente die Bestimmung der Ursachen der Kreislaufprobleme eingeschränkt werden können. Um Grunderkrankungen, die bis zu diesem Zeitpunkt noch nicht bekannt waren, ausfindig zu machen, werden häufig noch weitere Diagnostikmaßnahmen wie eine Langzeitblutdruckmessung, ein Belastungs-EKG oder eine Blutuntersuchung durchgeführt.

Soforthilfe bei Kreislaufproblemen

Wenn der Kreislauf absackt, dann gibt es ein paar Hausmittel, mit denen Sie wieder auf die Beine kommen. Zusammenfassend kann man sagen, sind dies Dinge, die den Blutdruck steigen lassen. Dazu gehören:

Was Sie tun können, um Kreislaufproblemen vorzubeugen

Es gibt einige Maßnahmen, die Sie ergreifen können, um Ihr Kreislaufsystem zu stärken und somit der Entstehung von Kreislaufproblemen vorzubeugen. Viel Bewegung und vor allem auch eine ausreichende Flüssigkeitsaufnahme, am besten durch Wasser, sind die Grundlage dieser Vorbeugungsmaßnahmen. Das Verzichten auf Nikotin, Alkohol und besonders üppiges Essen sind ebenfalls wichtige Faktoren, die die Entstehung von Kreislaufproblemen mindern. Ein zu heißes und langes Baden sollten Sie ebenfalls vermeiden, da Ihr Kreislauf hier absinkt. Besser geeignet sind heiß-kalte Wechselduschen und Massagen mithilfe einer Bürste, die Ihren Kreislauf zusätzlich anregen und dadurch die Entstehung von Kreislaufproblemen verhindern können. 

Der Körper kann zudem auf Sport zu bestimmten Tageszeiten trainiert werden: Wenn Sie beispielsweise in den frühen Morgenstunden beim Walken oder Joggen Kreislaufprobleme haben, dann machen Sie langsam – aber bleiben Sie dran, denn Sport tut dem Kreislauf gut. Die Aussage “Morgens kann ich kein Sport machen“ gehört bald der Vergangenheit an und Sie werden die Vorzüge genießen, die morgendliche Bewegung mit sich bringt.

Binden Sie mehr Bewegung in den Alltag ein

Bewegung ist wichtig, um den Körper in Schwung zu halten – und wie Sie schon gelesen haben, ist moderater Sport bei Kreislaufproblem wichtig. Aber nicht immer schafft man es, zum Sport zu gehen. Daher ist es wichtig, mehr Bewegung in den Alltag einzubauen. Das können Sie tun:

  • Wenn es nicht zu weit ist, dann gehen Sie morgens und abends zu Fuß zum Bus oder zur Bahn.
  • Wenn Sie nur wenige Stationen fahren müssen, dann steigen Sie vorher aus und gehen ein Stück zu Fuß.
  • Machen Sie mittags regelmäßig einen Spaziergang.
  • Stehen Sie öfter am Tag auf, holen Sie beispielsweise immer ein frisches Glas Wasser aus der Küche.
  • Laufen Sie Treppen, anstatt den Fahrstuhl zu nehmen.
  • Machen Sie kleine Einkaufswege zu Fuß.
     

Datum: 23.07.2020
Autor: Tanja Seiffert