Schöne Beine: Was hilft gegen Krampfadern und Venenleiden?

So bekommen Sie Sommerbeine

Ob in Shorts oder im Sommerkleidchen: Jetzt haben unsere Beine ihren großen Auftritt. Schön sollen sie aussehen, möglichst makellos und gesund. Doch jede fünfte Frau und jeder sechste Mann leidet an einer chronischen Venenerkrankung, ärgert sich über Besenreiser, Schmerzen, Schwellungen oder Krampfadern. Ist das nur ein optisches Problem – oder kann so ein Venenleiden auch gefährlich werden? Und was hilft gegen Krampfadern und Besenreiser? Antworten darauf hat unsere Expertin, Apothekerin Dr. Marita Münstermann (Münster, NRW).

 Was sind denn überhaupt Venenerkrankungen ganz genau?

„Von Venenleiden spricht man dann, wenn die Venen ihrer Aufgabe, das Blut zum Herzen zurückzutransportieren, nicht mehr in vollem Umfang nachkommen können. Die Venenwände erschlaffen, weiten sich und die Venenklappen schließen nicht mehr richtig. Deshalb fließt das Blut in die Beine zurück und staut sich dort. Die Venenwände werden durchlässig. Flüssigkeit aus dem Blut tritt in das umliegende Gewebe aus, es besteht eine chronische venöse Insuffizienz. Unbehandelt kann das zu Venenerkrankungen wie Krampfadern, Venenentzündungen und Thrombosen führen.“

Sind Besenreiser auch schon ein Grund zur Sorge?

„Nein, auch wenn sie nicht schön aussehen, sind sie im Prinzip harmlos. Aber sie können auf beginnende Venenleiden hindeuten. Man sollte die Besenreiser genau beobachten – und wenn es schlimmer wird, zum Arzt gehen. Der kann dann entscheiden, ob die Besenreiser verödet werden müssen.“

Was sind die Auslöser und wer leidet darunter? 

„Verantwortlich für ein Venenleiden ist vor allem unser bewegungsarmer Alltag. Dazu kommen oft genug stundenlanges Stehen und Sitzen, ungesunde Ernährung und auch Übergewicht. Wer ein schwaches Bindegewebe oder auch Vorerkrankungen in der Familie hat, trägt ebenfalls ein hohes Risiko, an einer Venenschwäche zu erkranken. Viele Patienten haben vor allem in den jetzt kommenden warmen Sommermonaten Beschwerden mit ihren Venen.“

Wie werden denn die Beschwerden behandelt? 

„Je nach Stadium der Erkrankung sind eine Ernährungsumstellung, regelmäßige Bewegung im Alltag, Medikamente, Kompressionstherapie oder manchmal sogar auch Operationen notwendig. Bei einer beginnenden oder leichten Venenschwäche können Präparate mit Rosskastanien-Extrakt aus der Apotheke eingenommen werden, um die Venen langfristig zu stärken.“

Was hilft gegen Kampfadern und was kann ich für meine Venengesundheit tun?

„Ganz wichtig ist es, die Unterschenkelmuskulatur zu kräftigen und die Venen nachhaltig zu entlasten. Also Sport treiben. Besonders Wandern, Radfahren oder Schwimmen sind geeignet. Venengymnastik trainiert gezielt die Waden- und Fußmuskulatur und aktiviert die Venenmuskelpumpe. Bequeme Kleidung und Schuhe mit flachen Absätzen tragen ebenfalls zur Entspannung bei, weil sie den Blutfluss nicht behindern. In der warmen Jahreszeit sind kalte Wadenduschen erfrischend.“

Wann müssen Krampfadern denn operiert werden?

„Krampfadern werden nicht von selbst wieder besser und deshalb sollte man sie ganz genau im Blick behalten. Unbehandelt können sie zu Entzündungen führen, daraus kann dann ein gefährliches Blutgerinnsel entstehen. Es kommt eventuell zu einer lebensgefährlichen Thrombose in den tiefen Beinvenen. Daraus kann sich dann eine Lungenembolie entwickeln.“

Sind sichtbar geschlängelte Adern auch gefährlich?

„Nein, das sind noch keine Krampfadern – aber es könnten einmal welche werden. Deshalb gilt auch hier: Das sollte man unbedingt im Auge behalten. Wenn man die Adern bereits ertasten kann, ist es auf jeden Fall besser, das bei Gelegenheit von einem Gefäß-Spezialisten, einem sogenannten Phlebologen, abklären zu lassen.“

Venenschwäche erkennen

Wie fühlt sich die Veränderung an?

Die hauptsächlichen Symptome sind schwere und müde Beine – vor allem abends. Auch ein Kribbeln und Brennen kann darauf hindeuten, ebenso wie ein Spannungsgefühl. Mitunter tun die Beine auch noch weh. Und: Die Füße sind manchmal heiß und jucken. Typisch für eine Venenschwäche: Die Schmerzen sind nicht auf bestimmte Stellen beschränkt, sondern ziehen sich durch die gesamte Wade.

Weiteres Indiz: Die Wade ist härter und reagiert mit Schmerz auf Druck. Oft verändert sie ihre Form und fühlt sich anders an. Die ersten Anzeichen bemerken die meisten Betroffenen frühestens ab dem 30. Lebensjahr oder später. Mit einer Ultraschalluntersuchung lässt sich der Zustand von Venen gut beurteilen. Sind die Venenklappen defekt, kann der Arzt das erkennen.

Was hilft gegen Krampfadern und Venenerkrankungen: Die 3 besten Übungen

Im Stehen: Stützen Sie sich an einer Wand ab. Die Füße abwechselnd von der Ferse bis zu den Zehen auf einem Ballkissen abrollen. Das macht die Übung noch effektiver: Das Knie nach dem Abrollen bis zur Hüfte anheben. Je Bein 10 x

Im Sitzen: Mit geradem Rücken und geschlossenen Beinen auf einen Stuhl setzen. Das linke Bein strecken und den Fuß abwechselnd beugen und strecken. Dann die Fußspitze nach innen und nach außen schwenken. Je Bein 10 x

Im Liegen: Legen Sie sich auf den Boden, die Waden auf ein festes Kissen. Ein Gymnastikband um einen Fuß schlingen und mit der Hand halten, anschließend die Fußspitzen anziehen und strecken. Den Fuß beim Strecken kräftig gegen das Band drücken. 2 x 30 Sekunden.