Die Ei-Lüge: Was Sie über Eierkennzeichnung wissen sollten

Drin' ist, was drauf steht? Eher nicht.

23. August 2017

Gerade bei Eiern setzen wir darauf, dass die Eierkennzeichnung zur Herkunft und Haltung stimmen. Eine Dokumentation in der ARD zeigte vor Kurzem, dass das Gegenteil der Fall ist: Sogar Bio-Eier werden teilweise falsch deklariert, ob Vorschriften eingehalten werden, wird nur lasch kontrolliert. Expertin Ina Müller-Arnke erklärt, was jetzt wichtig ist.

Wie verlässlich ist der Code auf Eier-Verpackungen?

„Er liefert eine gute Einordnung ins Haltungssystem, also ob ein Ei aus ökologischer Erzeugung, Freilandoder Bodenhaltung stammt. Er sagt aber nichts darüber aus, ob es dem Tier gut geht. Oft wird bei Kontrollen nur geprüft, ob beispielsweise die Sitzstangen die geforderte Abmessung haben. Für das Wohl der Tiere und den Verbraucherschutz ist aber wichtig, dass die Tiere direkt angeschaut werden.“

Warum können Bio-Eier von Großbetrieben stammen?

„Weil es keine Vorgaben zur Bestandsgröße gibt, auch nicht für Bio-Herden. Dadurch haben sich in den letzten Jahren Großbetriebe mit teils 30.000 Tieren durchgesetzt, zu Lasten von Kleinbetrieben. Eine Obergrenze wäre wichtig.“

Freilandhaltung – warum ist der Begriff oft irreführend?

„Hühner betreten nur einen bestimmten Bereich im Freien. Sie wissen, dass sie leicht Beute werden können und haben Angst, auf einer offenen Wiese zu laufen. Sie brauchen Schutz durch Büsche oder Stauden. Dieser fehlt aber oft, es gibt also keine geeigneten Flächen für die Tiere. Deshalb verlassen viele Hühner den Stall gar nicht erst. Und: Auch hier fehlt eine Obergrenze für die Tiere pro Stall.“

Was läuft noch schief bei der Haltung von Hühnern?

„Vieles! Beispielsweise sind die einzelnen Tier-Gruppen zu groß. Hühner erkennen nur 30 bis 100 andere Tiere. Sind sie mit mehreren zusammengepfercht, stehen sie stark unter Stress und beginnen, am Federkleid zu picken. Das schlechte Gefieder findet man auch bei Bio-Herden. Durch die hohe Legeleistung werden die Hühner außerdem krank, bekommen Organ-Entzündungen. Sie wurden darauf gezüchtet, 300 statt 30 Eier pro Jahr zu legen, wie es normal wäre. Auch das Futter ist meist nicht artgerecht.“

Was sollten Verbraucher beim Einkauf beachten?

„Am besten ist es, wenn sie den Betrieb selber kennen, von dem sie Eier kaufen, und die Hühner gesehen haben. Im Supermarkt sollten sie zu Eiern greifen, die Tierschutz-Label oder ein Siegel von Bio-Verbänden wie Bioland oder Demeter tragen. Immer wieder nachfragen, woher die Eier stammen. Auch wichtig: den Eier-Konsum reduzieren. Bei vielen Speisen kann man sie weglassen oder ersetzen. Ideen dazu: www.vier-pfoten.de/themen/ernaehrung/vegane-rezepte

Aktiv für den Tierschutz

Vier Pfoten
Die Stiftung engagiert sich weltweit für das Wohl von Tieren und informiert auf ihrer Website über aktuelle Einsatzgebiete und Hilfsmöglichkeiten. Sie hat ein eigenes Tierschutzlabel entwickelt. Außerdem gibt es im Netz eine Übersicht mit laufenden Online-Protesten, darunter eine Petition gegen das weitverbreitete Töten männlicher Küken: www.vier-pfoten.de/helfen/petitionen

Deutscher Tierschutzbund e.V.
Der Verein hat ebenfalls ein eigenes Label entwickelt, das auch auf Eierverpackungen zu finden ist. Infos zu den Kriterien unter: www.tierschutzlabel.info