Tanzen gegen Demenz: Bewegung hält das Hirn im Alter fit

Wenn das kein Grund ist, sich das Vergnügen zu gönnen …

16. Januar 2017

Noch immer gibt es leider keine Medikamente, die den Ausbruch einer Demenzerkrankung verhindern könnten. Lässt sich also gar nichts dagegen tun? Experten gehen davon aus, dass dies teilweise doch möglich ist. Auch wenn die Forschung noch nicht alles weiß: Viel Bewegung und eine gesunde Ernährung sollen das Hirn fit halten. 

Immerhin weiß man inzwischen, dass körperliche Aktivität die Bildung neuer Gehirnzellen anregt. Diese wollen allerdings gefordert werden, damit sie auch überleben. Wenig überraschend zeigte sich darum bei einigen Untersuchungen, dass das Gedächtnis am meisten profitiert, wenn körperliches Training mit geistigem Training kombiniert wird. 

Komplexe Anforderungen 

Wäre also Tanzen eine gute Methode, den Geist fit zu halten? Immerhin müssen die Tänzer die Musik verarbeiten, sie müssen versuchen, ihre Bewegungsabläufe mit dem Rhythmus in Einklang zu bringen. Sie müssen komplizierte Bewegungen vollführen und zugleich auf unterschiedliche Weise mit dem Tanzpartner kommunizieren. Tanzen stellt an das Gehirn also höhere Anforderungen als simples Fitnesstraining mit wiederholten, automatisierten Bewegungen.

Fitness- gegen Tanztraining 

Ob ältere Menschen ihre Hirnleistung tatsächlich mit Tanzen stärker verbessern als mit Fitnesstraining, haben Prof. Notger Müller und sein Team von der neurologischen Universitätsklinik in Magdeburg untersucht. Sie teilten 60 Senioren mit einem Durchschnittsalter von 68 Jahren, die geistig noch gut beieinander waren, in zwei Gruppen auf. Die einen nahmen an einem Training mit Fitness und Krafttraining teil, die übrigen an einem speziellen Tanztraining, bei dem sie immer wieder neue Schritte und Figuren lernten. 

Nach sechs Monaten Training wurden die Gedächtniskräfte der Teilnehmer untersucht. Die Tänzer waren durch das Training wachsamer geworden, sie konnten ihre Aufmerksamkeit besser zwischen zwei Anforderungen teilen und waren auch geistig flexibler geworden. In der Sportgruppe hatte dagegen nur die Wachsamkeit zugenommen. Bei Gleichgewichtstests konnten sich die Tänzer in zwei von drei untersuchten Bereichen verbessern, die Sportler nur in einem. 

Vergrößerte Hirnbereiche 

Per Computertomographie (MRT) wurde den Teilnehmern auch ins Gehirn geschaut. Bei den Tänzern hatten sich – anders als bei den Sportlern – Bereiche vergrößert, die mit Aufmerksamkeit und Gedächtnis in Verbindung gebracht werden. Außerdem kam es im Blut der Tänzer zu einem Anstieg von Nervenstoffen, die unter anderem für das Langzeitgedächtnis zuständig sind. Eineinhalb Jahre nach dem Training hatten die Tänzer ihre Gedächtnisleistung tatsächlich leicht verbessert.

Unterschiedliche Demenz-Formen

  • Bei einer Demenz lassen schleichend die geistigen, emotionalen und sozialen Fähigkeiten der Betroffenen nach.
  • Die häufigste Form der Demenz ist die Alzheimer-Demenz (etwa zwei Drittel der Fälle). Hier zerstören Eiweißablagerungen nach und nach die Hirnmasse.
  • Die zweithäufigsten Form, die vaskuläre Demenz, wird durch Schädigungen der Blutgefäße im Hirn hervorgerufen.