Bei Geld hört die Freundschaft auf: Drei Geschichten aus dem Leben

Wenn Vertrauen schamlos ausgenutzt wird

Regina ist enttäuscht von ihrer Freundin, die mit dem geliehenen Geld einfach abtauchte.

  Prost, auf unseren Urlaub! Die geplante Reise der drei Freundinnen fiel ins Wasser. Ute und Klaus haben keinen Kontakt mehr zu dem befreundeten Paar, dem sie Geld liehen.

Bei Geld hört die Freundschaft auf, heißt es. Doch stimmt das wirklich? Für unsere Freunde sind wir jederzeit da, wenn sie Hilfe brauchen. Dass das auch mal schief gehen kann, zeigen diese drei Geschichten aus dem Leben. 

Natürlich lassen wir alle unsere Freunde in der Not nicht allein. Vorsicht kann jedoch geboten sein, wenn wir ihnen mit Geld unter die Arme greifen. Denn was passiert, wenn es nicht zurückgezahlt wird? Oder die Freunde es für etwas ganz anderes nutzen als gedacht? Dann gehen oft auch langjährige Beziehungen in die Brüche – und der finanzielle ist nicht immer der größte Schaden.

Regina (52) aus Duisburg: „Ich wollte helfen. Jetzt ist mein ganzes Erspartes weg“

„Manche werden über die Summe lächeln, die mir nun fehlt, aber für mich ist es richtig viel. 2.500 Euro. Aber noch mehr enttäuscht es mich, dass ich seitdem von Maria nichts mehr gehört habe. Dass sie verschwindet, damit hätte ich niemals gerechnet. Ich hatte immer schon wenig Geld zur Verfügung, aber ich komme ganz gut über die Runden. Mein Ex und ich sind schon lange getrennt, wir haben keine Kinder, und ich arbeite als Verkäuferin. Vor etwa vier Jahren bekam ich nach ewigen Zeiten mal wieder eine Lohnerhöhung. Unterm Strich habe ich 120 Euro mehr im  Monat. 70 davon packe ich jeden Monat auf ein Sparkonto. Ich habe nämlich einen großen Traum: Ich will irgendwann einen Schrebergarten kaufen. Maria fand die Idee toll. Sie ist eine alte Schulfreundin von mir. Vor einigen Jahren liefen wir uns zufällig über den Weg, in der Fußgängerzone. Und sofort haben wir uns wieder richtig gut verstanden. Es war wie früher. Wir haben uns gleich verabredet und trafen uns regelmäßig. Bis ich Marias Mann kennen lernte. Ich mochte ihn vom ersten Moment an nicht. Und erlebte, wie schlecht er Maria behandelt. Widerlich. Das habe ich ihr auch gesagt. Und sie erzählte, dass er sie sogar schlug. Dann rief sie an, vor einem Jahr. Sie packe ihre Sachen und verlasse ihn. Ob ich ihr Geld leihen könne für den Neustart. Natürlich habe ich sofort Ja gesagt. Seitdem? Ist sie spurlos abgetaucht, geht nicht ans Handy. Eine Adresse habe ich auch nicht, keiner weiß, wo sie abgeblieben ist. Das Geld kann ich wohl abschreiben, und die Freundschaft eh.“

Marlene (51), Leni (47) und Veronika (48) aus Ulm: „Die Urlaubspläne wurden uns zum Verhängnis“

„Es sollte ein Traumurlaub werden. Leni, Veronika und ich wollten ihn uns erfüllen. Endlich mal raus, weißer Sand, türkisfarbenes Meer, keine Kinder und keine Männer. Und einfach zusammen Spaß haben. Wir drei. Das hatten wir uns an vielen Abenden in den tollsten Farben ausgemalt. Und jetzt sollte es tatsächlich klappen. Veronika war eh kinderloser Single, Lenis und mein Mann waren einverstanden. Wir buchten zehn Tage Mauritius und jede von uns zahlte dafür 1.900 Euro. Es war großartig, sich darauf zu freuen. Doch einen Monat vorher kam plötzlich der große Knall: Leni erzählte, dass ihr Auto den Geist aufgegeben hatte. Sie brauchte ein neues und für die Anzahlung fehlten ihr 1.000 Euro. Sie könne nicht mitfahren. Wir waren wie vor den Kopf geschlagen. Das konnte nicht wahr ein. Wir hatten uns doch alle so gefreut! Veronika und ich versuchten, sie zu überreden. Leni zögerte, doch zwei Wochen vorher entschied sie: kein Urlaub. Und auch Veronika machte nun plötzlich einen Rückzieher. Wir stornierten also die Reise und bekamen nur einen Teilbetrag zurück. Ich war stinksauer, aber die beiden fanden das übertrieben. Eine klärende Aussprache gab es bis heute nicht. Das Thema steht wie eine Wand zwischen uns.“

Ute (48), Klaus (53) aus Kiel: „Von unserem Geld furhen sie an die See“

„Bei einem Kurzurlaub an der Ostsee lernten wir Lisa und Frank kennen. Für sie war es quasi der Jahresurlaub, für uns ein verlängertes Wochenende. Ja, wir haben mehr Geld, wir verdienen beide gut. Bei Lisa und Frank sieht das anders aus. Sie arbeitet nur Teilzeit, er als Sachbearbeiter. Aber der Unterschied störte uns alle nicht. Wir verstanden uns toll. Und wenn wir mal teurer essen gingen, hat mein Klaus bezahlt. Das war okay für uns. Doch dann wurde Frank arbeitslos. Zeitgleich ging sein Auto kaputt. Es war eine schwere Zeit für die beiden und das Geld wurde knapp. Wir sind eingesprungen, haben erst die Autoreparatur bezahlt und ihnen dann 5.000 Euro geliehen. Kurz darauf fuhren Henning und ich spontan in unser Lieblingshotel an der See. Und da standen plötzlich Lisa und Frank vor uns. Sie hätten wegen des ganzen Stresses mal einen Tapetenwechsel gebraucht. Wir empfanden es ganz klar als ,Urlaub auf unsere Kosten‘. Seitdem kein Kontakt mehr. Unser Geld können wir wohl abschreiben.“

Tipps und Infos zum Thema

Wenn man Freunden Geld leiht, sollte man genau in sich hineinhören, was man erwartet. Dankbarkeit? Gar nichts? Und wie kann man einen Freundschaftsbruch kitten? Unsere Expertin Dr. Doris Wolf, Dipl.-Psychologin, Psychotherapeutin und Autorin vieler Ratgeber, hat wertvolle Tipps parat. 

Probleme tauchen auf, wenn der Geber möchte, dass das Verleihen nicht als selbstverständlich angesehen wird, und er dafür Anerkennung dafür erwartet. Und wenn der Nehmer sich in der Rolle des Almosen-Empfängers sieht, der das Thema lieber verschweigen möchte. Dann kann eine vorher gleichberechtigte Freundschaft empfindlich ins Ungleichgewicht geraten. Verträge sind wichtig und verhindern einen Bruch der Freunde. Ein Schriftstück hilft dabei, Erwartungen zu klären und geben Sicherheit. Wer bereit ist, das geliehene Geld zurückzuzahlen, muss einen Vertrag nicht fürchten.

Einen Bruch zu kitten, ist immer möglich, egal ob es sich um Differenzen um geliehenes Geld oder zerstörtes Vertrauen handelt. Es muss besprochen werden, welche Erwartungen da waren, wie sich jeder gefühlt hat, und warum jeder sich in bestimmter Weise verhalten hat. Dann ist es ein aktiver Akt des Verzeihens.

Hier noch mehr zum Thema:

Dr. Doris Wolf erklärt Strategien, wie man mit Zurückweisung und Kritik leichter umgeht.
Buch: „Ab heute kränkt mich niemand mehr“, PAL-Verlag

Hier gibt es gute rechtliche Tipps rund ums Verleihen an Familie, Freunde oder Kinder.
www.anwalt.de/rechtstipps

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