Einsamkeit: Wie es ist, auf sich allein gestellt zu sein

Zwei Frauen berichten

Auf sich allein gestellt zu sein, kann Freiheit bedeuten. Problematisch wird es, wenn man sich ausgegrenzt fühlt. Zwei Frauen berichten von ihrer Einsamkeit.

Einsamkeit: Wie es ist, auf sich allein gestellt zu sein

"Was kann ich nicht alles tun, wenn ich endlich frei bin?" Viele von uns träumen von einem unabhängigen Leben, wenn man berufstätig ist oder die Kinder noch im Haus sind. Aber wenn man erst die vermeintliche Freiheit gewonnen hat, kommt auch oft die Einsamkeit. Was tun mit der ganzen Zeit? Lesen Sie unsere beiden Geschichten aus dem Leben.

Dagmar (48) lebt ganz alleine „Seit die Kinder aus dem Haus sind, ist alles leer“

Sie liebt lange Spaziergänge am Meer. Was ihr dabei besonders gefällt, ist die Ruhe und dass man nichts hört, außer dem Wind und dem leisen Klappern der Dünung am Strand. So war es jedenfalls. „Als die Kinder noch bei mir gewohnt haben, habe ich diese Zeit genossen. Ein paar Stunden am Tag nur für mich. Herrlich.“ Nun sind Max und Bea ausgezogen. „Und mir fällt die Decke auf den Kopf. Keiner ist mehr da. Zum Lachen und Streiten, zum Bekochtwerden und zum Umtüddeln.“

 

 

Selbst ihre geliebten Strandausflüge gehen der Hausfrau jetzt mächtig auf die Nerven. Seit knapp fünf Jahren ist sie nun schon geschieden und hat keinen Kontakt mehr zu Bernd, ihrem Ex. „Und das ist auch gut so!“ Ihre beiden besten Freundinnen Verena und Kathi sind verheiratet. Und Freundin Marianne ist frisch verliebt. Da kommt sich Dagmar oft vor wie das fünfte Rad am Wagen. Also verbringt sie ihre Abende meist allein. „Am schlimmsten sind die Wochenenden. Da ist Pärchen-Time. Und im Prinzip stört man da nur als Single“, Dagmar atmet tief durch. „Wenn die Kinder anrufen, sage ich öfter, dass ich etwas vorhabe, obwohl es nicht stimmt. Sie sollen sich keine Sorgen um mich machen. Aber damit ist jetzt Schluss. Ich habe mich bei einem Stoffladen beworben und werde dort bald Nähkurse geben. Dann komme ich mal raus.“ 

Sandra (67) ist in Rente „Ich hätte nie gedacht, dass Arbeiten mir so viel bedeutet“

Mein Job als Lehrerin war mein Leben“, als Sandra das sagt, strahlt sie. Tagsüber die Schule, nachmittags die Arbeiten korrigieren, sich fortbilden, so sah ihr Alltag aus. Zeit für einen Partner hatte sie nicht. Freunde? Warum denn? „Das war auch alles kein Problem, denn ich bin ja in meinem Job aufgegangen.“ Nun ist sie seit einem Jahr in Rente und: „Das ist wie ein Pensions-Schock. Alles fühlt sich anders an. Keiner braucht mich mehr.“ Ihre Augen werden feucht. 

„Zuerst dachte ich noch, wenn ich keine täglichen Verpflichtungen mehr habe, dann mache ich es mir so richtig schön.“ Doch dann hat sie schnell festgestellt. „Wie denn?“ Spazieren gehen, ein kleiner Ausflug am Wochenende. Immer alles solo. Da war keiner, mit dem sie ihre Erlebnisse teilen konnte. „Aber wie soll ich denn plötzlich eine beste Freundin finden? Meine Nachbarn denken: Der geht es doch gut. Stimmt leider gar nicht. Ich habe richtig Sorge, in eine Depression abzurutschen.“

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