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Das Sex ABC eines Sexualforschers

Das sind die Profi-Begriffe

Sex ABCs kennen wir alle bis zum Umfallen. Normalerweise werden gängige Begriffe, die etwas mit sexuellen Handlungen zu tun haben, von A bis Z sortiert und beschrieben. Und meistens ähneln sich diese Begriffe sehr. So fällt uns beim Buchstaben A sofort Analsex ein, bei B Blow Job, bei C Cumshot und so fort. Was aber, wenn ein renommierter Sexualforscher ein Sex ABC herausgibt? Dann können wir wohl davon ausgehen, dass hier etwas anderes entstanden ist. Und so ist es auch.

Der Papst der Sexualwissenschaft, Volkmar Sigusch, hat in seinem Buch die Antworten auf all die vielen Fragen festgehalten, die ihm im Laufe seiner Laufbahn gestellt wurden. Und das scheinen interessante Fragen gewesen zu sein. Bei manchen ist vor allem interessant, wer sie wohl gestellt hat. Herausgekommen ist nämlich ein Sex ABC der ganz anderen Art. Wer nur nach Erklärungen für sexuelle Praktiken sucht, wird vielleicht enttäuscht sein. Denn es geht um das Sexuelle im großen Zusammenhang. Zwar findet sich auch hier die Analerotik. Aber schon der Blow Job wird von Begriffen wie Bastinade, Begehrungsalter oder Beliebteste Deutsche abgelöst. Fünf bemerkenswerte Begriffe habe ich für Sie herausgesucht und mit meinen eigenen Gedanken ergänzt. Gleich beim Buchstaben B wurde ich fündig.

Begehrungsalter

Worauf wir in sexueller Hinsicht stehen, ist nicht so zufällig, wie es erscheinen mag. Die Sexualwissenschaft unterteilt unsere Sexualpräferenz, also die Richtung, in die wir lieben, in drei Achsen:

  1.  Die sexuelle Orientierung bestimmt, ob wir auf Männer, Frauen oder beides stehen.
  2.  Die sexuelle Ausrichtung legt fest, auf welches körperliche Entwicklungsalter wir bei unserem begehrten Objekt stehen, ob kindlich, jugendlich oder erwachsen.
  3.  Und die sexuelle Neigung beschreibt den Typ, auf den wir stehen, und die sexuellen Vorlieben.

Sigusch nun widmet sich unter dem Buchstaben B der sexuellen Ausrichtung, also dem Alter. Und er schreibt, dass die Menschen sich psychosozial in dem Alter befinden wie die Menschen, die sie begehren. Steht also ein Mann um die 70 auf Frauen, die 20 bis 30 Jahre alt sind, fühle auch er sich innerlich noch diesem jungen Alter entsprechend und benehme sich auch noch so, „sofern das trotz Verkalkung, Erschlaffung und Demenz möglich ist“.

Genitiv

„Die soziale Herkunft kann bei uns recht verlässlich am Gebrauch des Genitivs oder auch des Dativs erkannt werden, nicht am Gebrauch der Geschlechtswerkzeuge.“ So schreibt Sigusch und schließt damit auch gleich diesen Punkt ab. Hier dürfen wir also gern selber ein wenig nachdenken. Das tue ich. Und ich finde ihn großartig!

Es gibt tatsächlich einen Zusammenhang zwischen sozialer Herkunft und Sprache. Denn Sprache hat etwas mit dem Bildungsstand zu tun. Und wie wir alle wissen, stehen die Chancen auf eine wirklich gute Bildung für Kinder aus bildungsferneren Familien schlecht. Und bildungsfern sind in der Regel Familien mit einem geringeren Einkommen. Daran hat auch der Pisa-Schock nicht viel geändert. Also, je höher das Einkommen und der soziale Status desto mehr Bildung und damit ein eher ausgefeilter Sprachgebrauch. Wenn wir einmal von Dialekten absehen, die haben ja ihre ganz eigenen Grammatikregeln.

Aber das alles hat tatsächlich nichts mit dem Sexuellen zu tun. Menschen mit geringer oder mittlerer Bildung sind laut Studien sexuell sogar am aktivsten! Höher Gebildete hingegen scheinen ihre Gelüste eher umzuleiten in andere Aktivitäten. Vielleicht ist ja doch mehr dran an dem Spruch: „Golfst du schon oder hast du noch Sex?“. ;-)

Love-Scammer

Wer ist nicht alles in sozialen Netzwerken unterwegs! Und wir alle wissen, dass nicht jeder oder jede sich auch so darstellt, wie er oder sie tatsächlich ist. Nun gibt es aber offenbar Männer, die überhaupt gar nicht existieren und es dennoch schaffen, sich in die Herzen und vor allem Geldbeutel der Damen und auch Herren zu schleichen.

Laut der polizeilichen Kriminalprävention sind 95 Prozent der englischsprachigen Kontakte auf deutschen Dating-Seiten Romance- oder Love-Scammer, wie sie auch genannt werden. Die Bilder sind gestohlen und deshalb zumeist unscharf. Oder es wird mit viel nackter Haut geworben. Wer allzu leichtgläubig ist und auf das Liebesgeschwafel mit den Hochzeitsplänen hereinfällt, wird um Geld, eine Reise nach Deutschland oder zumindest ein Visum gebeten. Wer gescammt wird, sollte sofort jeglichen Kontakt abbrechen und sich auf NICHTS einlassen! Da wartet wirklich keine potentielle Liebe! Ich schwör’!

Osphresiologie

Dieser Begriff leitet sich ab vom griechischen osphresis und bedeutet Geruchssinn. Wie wichtig Gerüche für uns sind, weiß jeder, der oder die schon einmal so richtig in jemanden hineinschnuppern wollte. Babys riechen nach Baby und lösen damit bei den meisten Menschen den Küss- und Knuddelreflex aus. Die Redewendung, jemanden riechen zu können, findet in dieser ganz pragmatischen Erfahrung ihre Begründung.

Über Gerüche lassen wir uns allerdings auch manipulieren. Und genau das hat die Wirtschaft natürlich für sich entdeckt. Als selbst erlebtes Beispiel möchte ich hier den Duft frisch gerösteten Popcorns anführen. Dieser steigt uns schon vor dem Betreten des Kinos in die Nase und versetzt uns damit sicherlich vollkommen beabsichtigt in Kaufabsicht. Die Preise sind wirklich irrwitzig. Aber ich kann es mir nicht anders erklären, dass so viele Menschen so viel Geld ausgeben für ein paar Maiskörner. Und just in diesem Moment überlege ich, ob ich nicht heute noch ins Kino gehen sollte. POPCORN! Ich bin auch überzeugt davon, dass in Schuh- und Taschengeschäften Babygerüche verbreitet werden. Denn es ist immer wieder schwer, dort dem Küss- und Knuddeleffekt zu widerstehen. ;-)

Sakrofrikose

Das hört sich nach irgendetwas mit Aprikosen an. Ich kann die Herkunft dieses Wortes aber nicht erklären. Und Herr Sigusch, der sonst so gerne die griechische Bedeutung anführt, enthält sich hier leider. Gemeint ist die Vorliebe mancher Herren, durch ein Loch in der Hosentasche zu onanieren. Das macht Mann natürlich nicht zuhause im stillen Kämmerlein, sondern gern heimlich in der Öffentlichkeit.

Wer demnächst in einer Warteschlange steht, darf sich gern die Zeit damit vertreiben, Sakrofrikosiker zu enttarnen. Wenn ich mir jetzt allerdings überlege, wie viele Männer mit den Händen in den Hosentaschen herumlaufen, fange ich an zu grübeln. Ob die vielleicht alle ein Loch darin haben?

Anja Drews – Diplom-Sexualpädagogin für ORION

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Sex