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Kommt jetzt das Aus für die Pheromone?

Sexual-Pädagogin Anja Drews über unseren sexuellen Lockstoff

Liebe geht durch den Magen. So heißt es zumindest. Aber eigentlich geht sie doch vielmehr durch die Nase. Wen wir nicht riechen können, den oder die können wir auch nicht lieben. Da kann die Marke Axe so viel Werbung machen, wie sie will. Und auch so viele männliche, aufregende, heiße Kerle zeigen, wie sie will. Das beste Deo oder Parfum vermischt sich mit unserem ganz speziellen Eigengeruch. Wer es mit dem künstlichen Duft übertreibt und damit gleich die gesamte nähere Umgebung vernebelt, überdeckt nicht nur den Eigengeruch, sondern erntet nicht selten gekräuselte Nasenrücken und verständnislose Blicke.

Duft als Statussymbol? Eher nicht. Duft als sexueller Lockstoff? Schon viel eher. Und so wird an breiter Front an der Erforschung und Vermarktung von Pheromonen, den geruchlosen Sex-Lockstoffen, geforscht und gearbeitet. Aber es scheint hier astrologisch zuzugehen. Während die einen die Existenz beschwören, legen die anderen Beweise für das Gegenteil vor. Sind Pheromone also nur eine Glaubenssache?

Gerüche fördern das Wohlbefinden und können Lust hervorrufen

Wie schön ist es, sich an den Liebsten oder die Liebste zu kuscheln und den ganz persönlichen Geruch tief einzuatmen?! Dabei entstehen Gefühle von Sicherheit, Vertrauen und Geborgenheit. Immerhin sind wir dem oder der anderen gerade ganz nah, fühlen auch seine oder ihre Körperwärme. Diese Situation erinnert an die ersten Lebensmonate, in denen Babys ihre Mutter vor allem am Geruch erkennen. Die kleinen Menschen erleben höchste Wonnen, wenn sie an den mütterlichen Körper gedrückt und liebkost werden. Sie brauchen diesen Hautkontakt wie die Blumen das Sonnenlicht. Beim Stillen empfinden sie eine Lust, die sich sogar an den Genitalien beobachten lässt. Das ist übrigens kein Grund zur Besorgnis, sondern eine völlig natürliche Reaktion. Und diese darf auf keinen Fall mit den Gefühlen Erwachsener verglichen werden. 

Aber so ist es nicht verwunderlich, wenn auch später beim Riechen, Schnuppern und der damit verbundenen Nähe Lust ins Spiel kommt. Lust, die dann allerdings viel zielgerichteter ist als beim Säugling. In uns löst sie den Wunsch nach Intimität und sexuellem Kontakt aus. Und somit können Gerüche die besten und zuverlässigsten Erregungsquellen sein. Und genau diese olfaktorischen Erregungsquellen sollen mit Pheromonen verstärkt werden

Pheromone in der Tierwelt

Pheromone sind Duftmoleküle mit verschiedenen Aufgaben, die zumindest in bestimmten Teilen der Tierwelt eindeutig nachweisbar sind:

•    Goldfische warnen mit ihrer Hilfe ihre Artgenossen vor Feinden.
•    Sie helfen Seidenspinnern bei der Partnersuche.
•    Pheromone beruhigen aufgeregte Hunde. 

Beim Menschen gelten sie als Sexuallockstoffe, die die Attraktivität, Anziehungskraft und Vertrauenswürdigkeit eines Menschen steigern. 

Wenn der Eigengeruch also nicht ausreicht, sollen wir einfach ein paar Spritzer eines pheromonhaltigen Parfums auflegen. Und fertig ist die Laube. Das versprechen zumindest die Hersteller dieser Stoffe. Aber ganz so einfach ist es dann doch nicht.

Sein oder Nichtsein, das ist hier die Frage

Denn die Existenz der verwendeten Pheromone Androstenon, Androstenol, Androstadienon und Estratetramol ist nicht eindeutig nachgewiesen. Hanns Hatt, Zellphysiologe an der Ruhr-Universität Bochum, beschäftigt sich von Berufswegen mit diesem Nachweis. Und dennoch sagte in einem Interview mit Der Welt, er glaube, dass es auch menschliche Pheromone gäbe und dass diese eine Rolle spielten. Nur endgültig nachweisen könne er sie nicht. Dazu sei die Angelegenheit zu kompliziert. 

Der Zoologe Tristram Wyatt von der University of Oxford äußerte sich im Journal „Proceedings of the Royal Society B“ folgendermaßen zu den Pheromonen: „Weil Menschen Säugetiere sind, ist es möglich, vielleicht sogar wahrscheinlich, dass wir Pheromone haben.“ Hm, möglich? Wahrscheinlich? Das ist ja nur eine Annahme, eine Herleitung. Von Nachweis also keine Spur. 

Und nun kamen Forscher von der University of Western Australia zu dem Ergebnis, dass die Wirksamkeit der beiden Pheromone Estratetramol und Androstadienon auf Frauen und Männer nicht nachweisbar sei, auch wenn ältere Studien das Gegenteil behaupten würden. 

Nicht alles ist wissenschaftlich erklärbar

In der heutigen Zeit sollten wir mit Vorsicht genießen, was mit Verkaufsabsichten verbunden ist. Allerdings lässt sich auch nicht alles zwischen Himmel und Erde wissenschaftlich erklären. Und so versetzt der Glaube bekanntlich Berge. Vielleicht bewirkt allein dieser Glaube an die Wirkung der Pheromone eine besondere Attraktivität. Denn wenn wir davon überzeugt sind, unwiderstehlich zu sein, 

•    treten wir selbstbewusster auf,
•    verändern unsere Körperhaltung
•    und sind offener im Umgang mit anderen Menschen. 

Diese Verhaltensänderung führt letztendlich dazu, dass wir in der Kontaktaufnahme erfolgreicher sind. 

Wenn ein Mann wie Steve McQueen seine betörende Wirkung auf Frauen mit seinem Parfum erklärte, ist das meiner Meinung nach eher Koketterie und ein klares Understatement. Ich behaupte vielmehr, er überzeugte die Frauen mit seiner Ausstrahlung, seiner Präsenz und nicht zuletzt mit seiner Berühmtheit. Aber wenn sie uns zu mehr Selbstbewusstsein verhelfen, dann her mit den Pheromonen! Zumindest richten sie keinen Schaden an. Und im Zweifelsfalle riechen wir eben doch einfach nur nach uns. Und auch das kann, wie wir gesehen haben, der Lust durchaus förderlich sein.

Anja Drews – Diplom-Sexualpädagogin für ORION

Quellen: welt.de, spektrum.de & spiegel.de
 

Themen
Sex