Augen auf bei Dating-Apps: Liebe, Sex und Datendiebstahl

Seien Sie offen, aber auch vorsichtig!

Es ist ein Spagat: Man will sich potenziellen Partnern natürlich und offen präsentieren – doch zu viel sollte man nicht preisgeben. Fakt ist: Dating-Apps begehen Datendiebstahl und geben diese dann weiter – meist den Mobilfunkanbieter, oft den Standort, manchmal das Alter und Infos über das Nutzungsverhalten. Das hat Stiftung Warentest herausgefunden. Die Tester nahmen unter anderem die Datenschutzerklärungen unter die Lupe. Nur vier sind akzeptabel. Nicht umsonst gehen viele Beschwerden bei der Verbraucherzentrale ein.

Das sind häufige Methoden, mit denen Datendiebstahl begangen wird:

Infos für Werberiesen

In vielen Datenschutzerklärungen der App-Anbieter steht, dass sie sich vorbehalten, die Daten an Dritte weiterzugeben. Und wer sind diese „Dritten“? Das ist zum Beispiel Facebook, das Netzwerk, das so viele Daten wie möglich über die Nutzer sammelt. Manchmal sind die Dritten auch Werbenetzwerke wie Flurry oder Mopub. Die sorgen dann dafür, dass man gezielt und personalisiert Werbung bekommt.

Chats – unter vier Augen? 

Da hat man nur die nötigsten Daten auf dem Dating-Profil veröffentlicht und war wirklich vorsichtig – und dann geht es in die Chats. Die sind ja unter vier Augen. Sind sie? Nein. Eine französische Journalistin hat vor Gericht erstritten, Einblick in ihre Tinder-Unterlagen zu bekommen. Sie bekam ein 800-Seiten- Dokument, in dem jeder Chat ganz genau dokumentiert war und damit offenbar Datendiebstahl begangen wird.

Daten ab ins Ausland

Bei vielen ist unklar, in welchem Land die Daten landen. Das Problem: In anderen Ländern gilt oft ein viel lascherer Datenschutz. Das öffnet Tür und Tor für Cyberkriminelle. Tinder spricht in seinen Richtlinien etwa von „Servern in USA und Ländern der ganzen Welt“. Na toll! Unklarer beimThema Datendiebstahl geht’s ja wohl kaum.

So viele Fake-Profile

Sie tauchen immer wieder auf und sind oft schwer zu durchschauen. Einige Portale bezahlen Schreiber, die den anderen von kostenpflichtigen Angeboten überzeugen. Und schon ist man in der Abo-Falle gelandet. Außerdem gibt es die so genannten Love-Scammer, die sich als Dating-Willige ausgeben. Sie bauen nach und nach Vertrauen auf, sammeln unsere Daten und wollen eigentlich nur unser Geld.

So schützen Sie sich 

Gerade den Love-Scammern und Heiratsschwindlern kann man mit einfachen Tests auf die Schliche kommen. Wenn Sie auf einem Portal angemeldet sind und jemanden im Chat kennen gelernt haben, verabreden Sie sich mit ihm. Hat er immer wieder Ausreden, ist etwa urplötzlich beruflich ins Ausland geschickt worden, lassen Sie die Finger von ihm.

Die beliebtesten Dating-Apps

Insgesamt 44 gratis Partnerbörsen nahm die Stiftung Warentest in puncto Datenweitergabe unter die Lupe. Hier die vier passablen Portale, dazu die Ergebnisse der populärsten Vermittler.

Die sind akzeptabel

Bildkontakte: Der sicherste Anbieter. Er versendet keine unnötigen Daten an Dritte und klärt in seinen Datenschutzbestimmungen umfassend über alles auf. Vorbildlich!

eDarling: Zuerst steht der Persönlichkeitstest, dann gibt es Vorschläge. Die iOS-Variante sendet den Mobilfunkanbieter an Facebook, Android gar nichts. Das ist akzeptabel.

Neu.de: Gehört zu den fast sicheren. Von Android-Handys werden keine Daten an Dritte weitergegeben, die iOS-App sendet den Mobilfunkanbieter an Facebook.

Lovescout24: Wie Tinder und Neu.de gehört diese App zum Us-Anbieter IAC. Datenschutz und -weitergabe sind fast identisch mit neu.de und ebenfalls noch okay.

Bei diesen Apps müssen Sie ganz genau hinsehen

C-Date: Hier geht es in erster Linie um erotische Kontakte. Die Gerätekennung wird an Dritte versendet. Zudem werden Kundenprofile in andere Medien transportiert.

Lovoo: Bietet einen Live-Radar, um andere in der Nähe zu treffen. Räumt sich selbst das Recht ein, Nutzerdaten mit den Daten Dritter zu kombinieren. Sehr unsicher.

Lesarion: Das Portal für homosexuelle Frauen. Schon bei der Eingabe der E-Mail-Adresse wird diese an Dritte übermittelt – ohne, dass man auf den Sendebutton klickt.

Jaumo: Flirten, Chatten, Daten – ganz einfach. Der Anbieter behält sich das Recht vor, den Standort für personalisierte Werbung weiterzugeben.

Tinder: Kontakte auf die Schnelle. Die Anmeldung erfolgt über die Handynummer oder Facebook. An das Netzwerk gehen auch die Angaben zum Mobilfunkanbieter.

Once: Pro Tag werden nur bis zu vier Partner vorgeschlagen. Sendet die Mobilfunkanbieter und die Benutzungsstatistik an Facebook. Bei Android „nur“ Gerätekennung.

Badoo: Für Partnersuche und neue Freundschaften. Hier werden detaillierte Angaben an Microsoft verschickt und Datenschutzrichtlinien ohne Mitteilung geändert.

Zoosk: Macht Partnervorschläge auf Basis des Nutzerverhaltens. Dabei wird etwa der Standort an die Werbefirma Mopub weitergeleitet. Und bei iOs auch das Alter.

Bumble: Hier machen immer die Frauen den ersten schritt. Die Datenschutzerklärung ist schwammig, wie etwa: „Möglicherweise“ werden weitere Infos gesammelt.

Kiss-No-Frog: Hört sich so süß an. Das Live-Dating-Portal bietet angeblichen maximalen Schutz der Daten. Aber unklar bleibt, was beim Facebook-Login gespeichert wird.

Happn: Damit findet man Leute wieder, die einem real begegnet sind. Geräteinfos gehen dabei an Facebook und an Microsoft. Und jeder kennt den Nutzerstandort.

Parship: Die App ist kostenlos, doch man ist dann nur Basismitglied. Der Anbieter behält sich vor, die IP-Adresse für Werbezwecke an Facebook zu senden.

Twoo: Eine Dating-App mit Sitz in Belgien. In der Datenschutzerklärung steht, die Verarbeitung der Daten wird „ausreichend und proportional“ gestaltet. Wie bitte?

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