Gut geplant: Die wichtigsten Finanztipps für Frauen

Von den Experten der Stiftung Warentest

Single oder Doppelverdiener? Finanztipps sind hilfreich, hängen aber immer auch von der persönlichen Situation ab. Wie es gelingt, am Monatsende und auch langfristig mehr auf dem Konto zu haben, verrät jetzt ein neuer Ratgeber der Stiftung Warentest, der auf unsere speziellen Bedürfnisse ausgerichtet ist.

Leider verdienen Frauen im Schnitt immer noch weniger als Männer, sie nehmen längere berufliche Auszeiten wegen der Kindererziehung, und sie arbeiten häufiger in Teilzeit. Soweit die Fakten. Dennoch ist es auch uns möglich, finanziell besser auf eigenen Beinen zu stehen – wenn wir einige Finanztipps beachten, rechtzeitig vorsorgen und wissen, wo wir im Zweifelsfall Unterstützung und Hilfe bekommen können. 

Damit Frauen sorgenfrei und sicher durch alle Lebensphasen gelangen, hat die Stiftung Warentest jetzt den Ratgeber „Finanzplaner Frauen“ (160 Seiten, 19,90 Euro) herausgegeben. Hier finden wir diverse hilfreiche und praktische Geldtipps, wie wir in den verschiedensten Situationen bekommen, was uns zusteht. Denn auch, wenn wir uns gerade in einer Beziehung oder Ehe befinden und es uns finanziell gut geht, kann sich dies durch eine unerwartete Trennung, einen Jobverlust, einen pflegebedürftigen Angehörigen oder die Geburt eines Kindes ganz schnell ändern.

Der „Finanzplaner Frauen“ schildert viele Sachverhalte anhand von verständlichen Fallbeispielen und ist daher eine große Hilfe für uns alle. Wir haben hier einige der wichtigsten Finanztipps und Ratschläge der Experten von Stiftung Warentest für Sie zusammengestellt. Schauen Sie am besten selbst, wo Sie sich wiederfinden.

Trennung: Abgesichert sein, wenn die Liebe scheitert

In einer langjährigen Partnerschaft sind meist auch die Finanzen gemeinsame Sache. Wie Sie beim Auseinanderdividieren nicht den Kürzeren ziehen.

  • Gemeinsame Anschaffungen & Sparverträge: Sie sind unsicher, was Ihnen davon zusteht? Scheuen Sie sich nicht, sich durch einen Anwalt beraten zu lassen.
  • Versorgungsausgleich: Damit er gerecht ausfällt, sollten Sie sich unbedingt Rat bei der gesetzlichen Rentenkasse einholen. Im Zweifel auch hier einen Anwalt einschalten.
  • Überblick verschaffen: Vergleichen Sie Ihre alte und neue Einnahmen- und Ausgabensituation. 
  • Umzug: Wenn Sie ausziehen: Denken Sie an sämtliche persönliche Unterlagen – etwa Heiratsurkunde, Versicherungsunterlagen, Sparbücher und Kontoauszüge.
  • Unterhalt: Geschiedene Frauen haben zwar ggf. Anspruch auf nachehelichen Unterhalt, doch dieser ist regelmäßig befristet.
  • Versicherungsschutz: Unbedingt überprüfen und wenn nötig umgestalten, z. B. mit einer eigenen Kranken- und Haftpflichtversicherung.

Alleinerziehend: Richtig vorsorgen

Sie haben mindestens ein Kind, das Sie allein großziehen und sind berufstätig. Doch wegen der Erziehung und Versorgung kommt eine Vollzeitstelle für Sie im Moment und in der nahen Zukunft nicht infrage.

  • Unterhalt: Zahlt der Kindsvater nicht, beantragen Sie einen Unterhaltsvorschuss. Dafür ist meist das Jugendamt zuständig. Beziehen Sie Hartz-IV-Leistungen, ist das Job-Center Ihr Ansprechpartner.
  • Förderungsmöglichkeiten: Informieren Sie sich beim Jugendamt oder in anderen Familienberatungsstellen über Wohngeld und Kinderzuschlag.
  • Steuerklasse: Beantragen Sie beim Finanzamt die Steuerklasse II für Alleinerziehende. Dadurch sichern Sie sich mehr Nettogehalt.
  • Steuerfreibetrag: Lassen Sie diesen für die Kinderbetreuung, die Fahrtkosten zur Arbeit in Ihre Lohnsteuerdaten eintragen. Das erhöht Ihr Nettogehalt noch einmal.
  • Kinderfreibetrag: Lassen Sie sich bei der Steuererklärung beraten, gehen Sie nicht einfach davon aus, dass es am günstigsten ist, sich den halben Kinderfreibetrag und den halben Betreuungsfreibetrag von Ihrem Ex übertragen zu lassen. Das ist nicht immer die beste Option.
  • Mehr arbeiten? Klären Sie, bevor Sie Ihre Arbeitszeit aufstocken, was das netto für Sie bringt. Bedeutet der höhere Verdienst Kürzungen von derzeitigen Sozialleistungen wie Kinderzuschlag oder Wohngeld?
  • Freistellung vom Job: Sind Ihre Kinder krank, haben Sie als Alleinerziehende pro Jahr und Kind Anspruch auf bis zu 20 Tage unbezahlte Freistellung von der Arbeit und auf maximal 50 Tage Kinderkrankengeld als Ausgleich.

Gehaltsverhandlungen: Bekommen, was Ihnen zusteht

Trauen Sie sich endlich: Wenn Sie mehr Geld wollen, ist vieles Verhandlungssache. Eine gute Vorbereitung ist die wichtigste Voraussetzung, Ihren Chef oder Vorgesetzten im Gespräch zu überzeugen.

  • Aktiv werden: Sie wollen eine Gehaltserhöhung? Dann suchen Sie selbst das Gespräch mit Ihrem Chef. Denn einen Anspruch darauf, dass sich das Gehalt automatisch erhöht, haben Sie nicht, wenn für Ihren Arbeitgeber kein Tarifvertrag gilt.
  • Vorbereitung: Überlegen Sie sich Argumente für die Gehaltserhöhung. Das können etwa ein erfolgreich abgeschlossenes Projekt oder zusätzlich übernommene Aufgaben sein. Eine Argumentationshilfe kann es auch sein, wenn Sie wissen, was die Kollegen verdienen.
  • Geschenk: statt Geld Klappt es mit der Gehaltserhöhung nicht, können Sie mit Ihrem Arbeitgeber eventuell zumindest bestimmte Sachleistungen aushandeln, zum Beispiel das Monatsticket für Bus und Bahn, einen Zuschuss zur Kinderbetreuung oder ein neues Handy, das Sie sich sonst selbst gekauft hätten.
  • Minijob: Reicht Ihr Geld hinten und vorne nicht, und Sie wollen dennoch nicht auf staatliche Unterstützung setzen, könnte sich ein zusätzlicher Minijob auf 450-Euro-Basis eignen. Wichtig ist jedoch, dass Sie Ihren Hauptarbeitgeber darüber informieren.
  • Saisonale Tätigkeit: Neben dem Hauptberuf kann eine saisonale Tätigkeit interessant sein. Denn wenn diese von Beginn an auf drei Monate am Stück oder maximal 70 Arbeitstage im Jahr befristet ist, dürfen Sie in dieser Zeit so viel verdienen, wie Sie wollen, ohne für diesen Verdienst Sozialabgaben zahlen zu müssen.

Geld anlegen: Das ist wichtig

Mehrere Untersuchungen zeigen: Frauen sind in Sachen Finanzpolster schaffen sicherheitsbewusster als Männer. Sie setzen eher auf Fonds statt auf riskantere Produkte wie Aktien oder Optionsscheine.

  • Überblick: Vor einem Beratungsgespräch bei der Bank sollten Sie sich genau überlegen, wo Sie hinwollen: Was wollen Sie mit Ihrer Geldanlage erreichen und wann? Welches Risiko sind Sie bereit, einzugehen? Banksparpläne und Festgeldkonten sind sicher – bringen aber kaum mehr als mäßige Zinsen. Deutlich mehr Rendite könnten Sie langfristig bei einem Aktienfond erzielen – doch damit erhöht sich auch das Risiko.
  • Finanzcheck: Wie viel Geld könnten Sie überhaupt monatlich zur Seite legen? Brauchen Sie das Geld in absehbarer Zeit, oder können Sie es auch auf längere Sicht entbehren?
  • Gesundes Misstrauen: Verlassen Sie sich auf keinen Fall nur darauf, dass Ihnen der Bankberater schon das Passende anbieten wird. Lassen Sie sich für jeden Anlagetipp die Kosten genau aufschlüsseln, und fragen Sie immer auch nach den Vertriebsprovisionen, die Berater oder Bank dafür kassieren.
  • Nichts überstürzen: Sie müssen sich nicht von jetzt auf gleich für eine Anlage entscheiden. Nehmen Sie sich die Zeit, die Sie brauchen, und fragen Sie nach, wenn Sie etwas nicht verstehen. Lassen Sie im Zweifel die Finger von Angeboten, die Sie nicht nachvollziehen können.

Patchwork-Familie: Die Herausforderung meistern

Sie ziehen mit Ihrem neuen Partner zusammen. Sowohl er als auch Sie haben Kinder, die Sie mit in das neue gemeinsame Zuhause bringen. Alles ist neue - auch die finanzielle Situation.

  • Überblick: Neuer Haushalt, neue Einkommensverhältnisse: Nehmen Sie sich die Zeit, sich einen Überblick zu Einnahmen und Ausgaben zu machen. Klären Sie, wer von Ihnen was zahlen kann und soll.
  • Weniger Nettogehalt: Planen Sie ein, dass Ihr Nettogehalt jetzt etwas niedriger ausfällt, da Sie nicht mehr alleinerziehend sind und so die günstige Steuerklasse II verlieren.
  • Hochzeit: Informieren Sie sich über die Vorteile einer Hochzeit: Sie sparen Steuern und sind auch rechtlich besser abgesichert.
  • Neue Sparmöglichkeiten: Da Sie jetzt nicht mehr allein alle Alltagsausgaben stemmen müssen, können Sie eventuell mehr beiseitelegen – etwa für sich (Altersvorsorge) oder Ihre Kinder (Ausbildung).
  • Unterhalt: Auch wenn Sie jetzt mit Ihrem neuen Partner zusammenleben, ist der leibliche Vater nach wie vor verpflichtet, Unterhalt für die gemeinsamen Kinder zu zahlen.
  • Sorgerecht: Haben Sie und Ihr Ex das gemeinsame Sorgerecht, ändert sich daran auch jetzt nichts. In Alltagsfragen darf Ihr neuer Partner mitentscheiden, wenn Sie und Ihr Ex ihm dies per Vollmacht erlauben.
  • Versicherungen aktualisieren: Wer soll im Ernstfall für Sie entscheiden? Wer soll nun bezugsberechtigt bei der Lebensversicherung sein?
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