Frauen in der Rentenfalle: Jetzt richtig vorsorgen

Ein Leben lang gearbeitet – und trotzdem arm

Die gute Nachricht lautet: Die gesetzliche Rente ist sicher. Die schlechte: Sie wird später häufig nicht zum Leben reichen. Auch bei Berufstätigen. Das betrifft besonders uns Frauen – weil wir weniger verdienen als Männer, längere Erziehungs-Auszeiten nehmen und oft in Teilzeit arbeiten. Laut dem Deutschen Wirtschaftsinstitut in Berlin führt das dazu, dass die gesetzliche Rente von Frauen der Jahrgänge 1966 bis 1970 im Durchschnitt nur 700 Euro betragen wird. Die so genannte Rentenfalle ist eine Armutsfalle. Umso wichtiger, sich heute schon aktiv mit diesem Thema auseinanderzusetzen und privat vorzusorgen. Denn das tut jede zweite Frau zurzeit noch nicht.

Daniela (45) arbeitet in Teilzeit als Verkäufern:

Ich weiß nicht, wovon ich später mal die Miete bezahlen soll

„Jedes Jahr, wenn ich meinen Rentenbescheid bekomme, wird mir ganz übel. Ich bin geschieden, war, als die Kinder noch klein waren, sechs Jahre gar nicht berufstätig. Wenn ich weiterhin so arbeite wie bisher, jeden Tag fünf Stunden in einem Supermarkt, werde ich später nur 710 Euro zur Verfügung haben. Alleine die Wohnungsmiete kostet 500 Euro. Wie soll ich das bezahlen? Über den Versorgungsausgleich ist auch nicht viel zu erwarten, da mein Ex-Mann schon lange arbeitslos ist. Ich bin also ganz auf mich gestellt. Meinen Töchtern will ich später keinesfalls auf der Tasche liegen, dann arbeite ich lieber bis ich 80 bin. Privat vorsorgen konnte ich nie, das Geld war immer knapp. Wenn ich mal etwas übrig hatte, ging entweder die Waschmaschine oder das Auto kaputt, oder ich habe auch mal etwas Schönes für die Kinder gekauft. Ich weiß, dass ich etwas tun muss, damit ich später nicht aufs Sozialamt angewiesen bin. Aber was?“

Rita (69) ist auf einen Nebenjob angewiesen:

Am Monatsende muss ich regelmäßig zur Tafel gehen

„Hinterher ist man immer schlauer: Der Satz trifft es wohl am besten. Über meine Rente habe ich mir lange keine Gedanken gemacht. Ich habe früh geheiratet, und als meine Tochter unterwegs war, habe ich meinen Beruf als Krankenschwester aufgegeben. Mein Sohn wurde geboren, und ich ging in meiner Rolle als Hausfrau und Mutter total auf. Habe mich um die Kinder gekümmert, mich ehrenamtlich engagiert und später stundenweise wieder gearbeitet. Dann kam die Scheidung. Mit meiner Rente von 904 Euro komme ich nicht aus. Wenn die Miete und alle Fixkosten bezahlt sind, bleiben mir 150 Euro zum Leben. Obwohl ich wirklich sparsam bin und nur Angebote kaufe, ist am Ende des Monats der Kühlschrank leer. Auch wenn ich mich schäme, gehe ich dann zur Tafel. Mit Zeitungsaustragen verdiene ich mir etwas dazu, aber das werde ich körperlich nicht mehr lange können.“

Wie viel Geld brauche ich eigentlich zum Leben? Der Renten-Rechner bringt Klarheit

Wer sich fragt, wie er seinen Lebensstandard im Alter halten kann, sollte jetzt genau nachrechnen (lassen) und auch folgende Faktoren berücksichtigen:

Individueller Bedarf Finanz- Experten der Stiftung Warentest raten dazu, von 80 Prozent des letzten Nettogehalts auszugehen. Denn dass Rentner generell weniger Geld benötigen, stimmt nicht. Oft verlagern sich die Bedürfnisse nur.
Einkommen Die Einnahmen im Alter setzen sich oft aus verschiedenen Quellen zusammen: gesetzliche Rente, private Vorsorge oder Riester-Förderung. Wichtig ist, sich einen Überblick zu verschaffen, wie viel insgesamt zur Verfügung steht.
Einspar-Möglichkeiten Häufig reduzieren sich im Alter auch einige Belastungen. Vielleicht ist der Haus-Kredit getilgt, die Kinder benötigen keine Unterstützung mehr, oder auch die Fahrtkosten zum Job fallen weg.
Zusätzliche Kosten Medikamente, Pflegeaufwand, behindertengerechte Umbauten oder auch Reisen können zu einer Erhöhung der Ausgaben führen. Nicht vergessen!
Beratung Ob kurz vor der Rente oder mitten im Berufsleben: Über den aktuellen Stand der Altersvorsorge informiert ein Renten-Check bei einer Rentenberatung.
Renten-Rechner Das Computer-Programm zeigt, wie viel Geld extra benötigt wird. Für ein aussagekräftiges Ergebnis sind Gehalts- und Rentenabrechnungen sowie andere Einkünfte wichtig.

Hier gibt’s Unterstützung:

Individuelle Renten-Berechnung bei der Stiftung Warentest. Gratis! www.test.de/altersvorsorge-rente/rechner
Die Deutsche Rentenversicherung bietet eine Altersvorsorgeberatung. www.deutsche-rentenversicherung.de

Wie jeder etwas sparen kann: „Es ist nie zu spät, noch etwas zu tun!“

Doris Kappes, Rechtsanwältin und Finanz-Expertin bei der Verbraucherzentrale

Sparpläne, Fonds, Riester-Rente? Das klingt kompliziert, das schiebt man nur zu gerne vor sich her. Doch das ist der größte Fehler, den gerade Frauen machen – sich gar nicht darum kümmern. Die Expertin weiß: „Geldanlage ist keine Geheimwissen- schaft. Aber man muss sich darauf einlassen wollen.“

Gibt es eine Altersgrenze, ab der es sich nicht mehr lohnt, etwas für die Altersvorsorge zu tun? 

„Nein! Es lohnt sich immer. Ausnahme: Man verdient so wenig, dass man später in die Grundsicherung fällt, die Rente ist also niedriger als Warmmiete plus derzeit 416 Euro. Alles, was man jetzt spart, wird dort mit angerechnet. Bei Riester-Produkten gibt es allerdings einen Freibetrag von 200 Euro.“

Welche Anlageformen eignen sich gut?

„Ein Polster von zwei bis drei Netto-Gehältern für Unvorhergesehenes ist sinnvoll. Wer darüber hinaus einen festen Betrag zur Seite legen will, kann ihn sicher oder spekulativ anlegen – oder die Summe splitten. Zum Beispiel 50 Euro in einen breit gestreuten Indexfond mit der Option auf höhere Renditen und 50 Euro in einen sicheren Banksparplan mit eher niedrigen Zinsen. Und das am besten bei einer Direktbank wie der Comdirect oder Onvista. Dort sind die Gebühren geringer als bei Filialbanken.“

Wovon sollte man besser die Finger lassen?

„Schließt man eine Kapitallebensversicherung oder eine Rentenversicherung ab, muss man mittlerweile schon ziemlich alt werden, damit man mehr Geld herausbekommt, als man eingezahlt hat. Dazu kommen hohe Abschluss- und Vertragskosten. Das lohnt sich häufig nicht. Und generell rate ich davon ab, Geld anzulegen, wenn man Schulden hat.“

Und was ist mit der Riester-Rente?

„Da muss man zwischen Riester-Fonds, -Banksparplänen und -Rentenversicherungen unterscheiden. Attraktiv ist vor allem der Riester-Fond und zwar für Menschen, die eher wenig verdienen und kleine Kinder haben. Der Staat zahlt hier hohe Zulagen.“

Wo kann ich mich informieren und beraten lassen?

„Bei der Stiftung Warentest gibt es regelmäßig gute Veröffentlichungen, um sich einzulesen. Volkshochschulen bieten Kurse an. Beraten lassen kann man sich bei den Verbraucherzentralen oder auch bei unabhängigen Honorar-Beratern. Die vertreten Ihre Interessen, nicht die einer Bank oder Versicherung.“