In der Ruhe liegt die Kraft: Warum es so wichtig ist, sich Zeit zu nehmen

Gehen Sie alles mal wieder etwas gelassener an

Sich der Hektik entziehen, ganz in der Gegenwart sein und mal keinem Ziel hinterherrennen – eine wunderbare Wohltat für Körper, Geist und Seele.

Ein bekanntes Zitat des Theologen und Philosophen Reinhold Niebuhr lautet: „Gott, gib mir die Gelassenheit, das hinzunehmen, was ich nicht beeinflussen kann, den Mut, die Dinge zu ändern, die ich ändern kann – und die Weisheit, das eine von dem anderen zu unterscheiden.“ Warum uns diese Worte so berühren? Weil Gelassenheit, Ruhe und Muße Dinge sind, die viele von uns ersehnen: für ein erfülltes, glückliches Leben.

Wieso es uns schwerfällt, abzuschalten

Reizüberflutung ist für uns längst Alltag. Ständig prasseln neue Informationen auf uns ein, wir hetzen von einem Termin zum nächsten, setzen Häkchen auf unserer To-do-Liste und fühlen uns sogar oft in unserer Freizeit unter Druck. „Für eine Pause habe ich keine Zeit“, denken wir dann. Dabei vergessen wir, dass wir das Wesentliche aus den Augen verloren haben: uns selbst und unsere Bedürfnisse.

Wie Schnelligkeit unser Leben bestimmt

Früher, in der Antike, galt Muße als das höchste Gut. Im Mittelalter wurde dann harte Arbeit zur Tugend erklärt, was sich im Lauf der Zeit noch verschärfte. Heute erwarten wir meist schon die nächste Aufgabe, wenn wir noch an der ersten rumtüfteln. Unser Geist eilt dabei unserem Tun voraus: Setzen wir uns hin, stehen wir gedanklich bereits auf. Stehen wir, gehen wir in Gedanken schon los. Und wenn wir ein Ziel erreicht haben, sehen wir schon das nächste, das auf uns wartet. Unser Wohlbefinden bleibt dabei leider oft auf der Strecke.

Wodurch Pausen unser Leben bereichern

Nur wenn wir uns regelmäßig bewusst zurückziehen, können wir uns treiben lassen, Stille genießen und unsere Kraftreserven auftanken. Wir gelangen zu einer inneren Balance, die unser Geist braucht, um aufzuräumen, sich von negativen Gedanken zu lösen, kreativ und ausgeglichen zu sein. Außerdem haben wir die Möglichkeit, eigene Wünsche und Gewohnheiten in Ruhe zu hinterfragen und diese eventuell durch neue zu ersetzen.

Wie vielfältig Erholung sein kann

Abschalten heißt nicht unbedingt, sich in die Ecke zu setzen und gar nichts zu tun. Erholung kann für jeden von uns etwas anderes bedeuten. Zum Beispiel ein Rückzug in den Wald, ans Meer oder in die Berge, um die Verbundenheit mit der Natur zu fühlen, um eins mit allem zu werden. Oder ganz in einer Tätigkeit zu versinken, eine, in der wir wirklich aufgehen und bei der wir keinen zeitlichen Druck verspüren. Probieren wir einfach aus, in welchem Umfeld und mit welchen Mitteln wir am ehesten Erholung finden – und binden dies dann fest in unseren Alltag ein.

Weshalb Gelassenheit in unserem Kopf beginnt

Stress empfinden wir in der Regel nicht aufgrund eines bestimmten Ereignisses, sondern schon vorab, weil wir uns Gedanken darüber machen, wie sich die Situation auf uns auswirken könnte. Studien zeigen, dass 90 Prozent (!) unseres Stresserlebens auf diese „Denkfallen“ zurückzuführen sind. Wenn wir uns das bewusst machen, können wir gegensteuern und das Gedankenkarussell beenden – doch das klappt nur, wenn wir nicht gerade von A nach B hetzen, sondern uns Zeit für uns selbst nehmen. Und zwar nicht erst irgendwann, sondern jetzt. Wenn wir uns tagsüber abhetzen, kommen wir auch abends nicht zur Ruhe. Wir fühlen uns rastlos, der Geist rattert weiter.

Welche Übungen zwischendurch helfen

Die Schlange vor dem Supermarkt, das Warten an der roten Ampel: gute Möglichkeiten für einen kleinen Achtsamkeits-Dreiklang namens „ALI“: Die Abkürzung steht für Atmen, Lächeln, Innehalten. Drei Mal tief durchatmen hilft dabei, unseren Körper wieder zu spüren. Wenn wir lächeln, streicheln wir unsere Seele, und wenn wir innehalten, richten wir unseren Geist auf das Hier und Jetzt aus. Wir grübeln nicht mehr über das Gestern, wir schauen nicht sorgenvoll auf das Morgen. Sondern wir genießen das Leben. In diesem Moment.

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