Luzides Träumen: So steuern Sie Ihre Träume

Lernen Sie Klarträume zu lenken

Wenn wir schlafen, erwacht unser Kopfkino, und wir tun und sehen Dinge fernab jeder Realität. Mit ein wenig Übung können wir unsere Erlebnisse dabei sogar ganz bewusst steuern und lenken. Wie Sie luzides Träumen lernen, erfahren Sie hier.

Plötzlich war ich im Traum hellwach. Ich bekam Lust, zu fliegen, sprang in die Luft und schoss davon. Den Wind im Gesicht und pinkfarbene Seen unter mir. Dann wachte ich auf ...“

So beschreibt eine Frau in einem Internetforum einen so genannten Klartraum, auch luzider Traum genannt. Und das ist keine Spinnerei. Es handelt sich um einen Bewusstseinszustand, in dem man genau weiß, dass man träumt. Doch weil alle Sinne aktiv sind, fühlt sich das Erlebte trotzdem real an. Schätzungsweise hat die Hälfte aller Erwachsenen so etwas schon einmal erlebt. Meistens durch Zufall. Aber es gibt auch talentierte Menschen, die einen Klartraum gezielt herbeiführen können. Man nennt sie Oneironauten. 

Manche können sich im Schlaf spielend leicht Neues beibringen

Klarträume können ganz verschieden sein: Manch einer erinnert sich „nur“ wieder an seinen Alltag, andere können sich die Handlung ihres Traumes selber zusammenspinnen und sich sogar übersinnliche Fähigkeiten aneignen. Sie erschaffen also ihren eigenen Film, in dem sie natürlich die Hauptrolle spielen. Die Königin des Schokoladenlandes werden? Mit George Clooney Cocktails an einem Traumstrand trinken? Durch den Weltraum fliegen? Alles kein Problem. Aber nicht nur das ist möglich: Einige Talentierte können im Klartraum sogar verschiedene Dinge lernen und üben. Der deutsche Psychologe, Traumforscher und Sportwissenschaftler Paul Tholey nutzte Klarträume etwa, um Skate- oder Snowboardfahren zu trainieren. Das tat er so lange, bis er die beiden Sportarten schließlich auch in der Realität beherrschte. Das alles klingt zugegebenermaßen erst mal merkwürdig. Aber Klarträumen ist tatsächlich ein wissenschaftlich nachgewiesenes Phänomen. Doch was passiert da eigentlich im Gehirn, wenn man eingeschlummert ist? Grob lässt sich der Schlaf in drei Phasen einteilen: den leichten Schlaf, den Tiefschlaf und den REM-Schlaf. In dieser dritten Phase schießen die Augenbewegungen, Atmung und der Energieverbrauch des Körpers in die Höhe, und wir träumen intensiv. Normalerweise ist das höhere Bewusstsein, das uns erlaubt, uns selbst zu reflektieren, dann nicht aktiv. Im Klartraum schaltet es sich aber ein, der Schlafende merkt, dass er träumt und kann seine Gedanken und Gefühle wie in der Wachphase analysieren. Mancher macht sich aber auch Sorgen. Ist das nicht gefährlich? Was, wenn ich Traum und Realität nicht mehr auseinanderhalten kann? Diese Befürchtungen sind unbegründet. Laut Experten kann es zwar sein, dass man beim Aufwachen verwirrt ist, aber das hält nur kurz an. Und der Schlaf ist übrigens nicht weniger erholsam als beim „normalen“ Träumen.

Jeder kann luzides Träumen lernen

Warum genau das Hirn aber „umschaltet“, ist nicht geklärt. Das Klarträumen zählt in der Forschung eher zu den Nischenbereichen. Denn: Menschen, die verlässlich klarträumen, sind selten. Das macht die Erforschung unter den komplizierten Bedingungen, wie sie in einem Schlaflabor herrschen, schwierig. Experten sind sich aber einig: Klarträumen kann jeder Mensch lernen. Und es birgt großes Potenzial. Schon heute wird das Klarträumen zur Albtraumbehandlung eingesetzt. Die Idee hinter dieser Therapie: Ein Traum, dessen Handlung man selber bestimmen kann, ist nicht furchteinflößend. Andere Wissenschaftler möchten durch Klarträume das Bewusstsein des Menschen erforschen und verstehen, was sich im Gehirn genau verändert, wenn es von einem Moment auf den anderen plötzlich die Bewusstseinsstufe wechselt.
Wen wundert es bei all den Möglichkeiten noch, dass der Klartraum auch außerhalb der Wissenschaft ziemlich populär ist. Im Netz gibt es Unmengen von Anleitungen zum Thema. Und so einige Shops, die Geräte anbieten, die das Klarträumen angeblich ermöglichen sollen. Wissenschaftlich belegt ist ihre Wirksamkeit nicht. Wer neugierig geworden ist, stöbert lieber unter www.klartraumforum.de. Hier tauschen sich Begeisterte über die besten Techniken aus. Ihre Motivation ist dabei eindeutig: Spaß haben. Vor allem die Aussicht auf übermenschliche Fähigkeiten fasziniert die Traumwandler. Und, haben Sie auch Lust aufs Träumen bekommen?

So geht's in die wunderbare Welt der Klarträumerei 

Die gute Nachricht: Die Fähigkeit, seine Träume zu steuern, schlummert in jedem von uns. Die schlechte Nachricht: Von heute auf morgen klappt das nicht. Etwas Training gehört dazu. Forscher empfehlen dafür eine Kombination aus unterschiedlichen Methoden. Es gilt: Geduld haben und fleißig üben.

Der Realitäts-Check: der gängigste Kniff. Fragen Sie sich tagsüber fünf bis zehn Mal: „Träume ich, oder bin ich wach?“ Oder sie halten sich kurz die Nase zu und versuchen, einzuatmen – etwas, das in der Realität nicht funktioniert. Für das Unterbewusstsein werden diese Checks zur Gewohnheit, und man kann sie früher oder später auch im Traum anwenden. Es kann allerdings einige Monate dauern, um letztlich an diesen Punkt zu gelangen.

Gute-Nacht-Ritual: Wiederholen Sie, kurz bevor Sie einschlafen, immer wieder den Satz: „Wenn ich das nächste Mal träume, werde ich mich daran erinnern, dass ich träume.“

Gezielt wecken: Stellen Sie sich den Wecker fünf bis sechs Stunden nach dem Einschlafzeitpunkt. Wenn Sie aufwachen, bleiben Sie einige Zeit wach, denken über das Geträumte nach und legen sich dann wieder in die Federn. Das soll dafür sorgen, dass man in der zweiten Schlafphase mental wachsamer ist.

Traumtagebuch führen: Legen Sie ein Heft oder Notizbuch bereit, in das Sie nach dem Aufwachen genau notieren, was Sie im Schlummerland erlebt haben. Nicht nur die Handlung, auch Gefühle, Gerüche, Eindrücke.

Das könnte Sie auch interessieren:
Traumdeutungen: Was bedeuten meine Träume?
Träume: Was wir durch sie für den Alltag lernen
Erotische Traumdeutung – Was verraten Sex-Träume über Sie
Wie viel Schlaf ist gesund?
Vagusnerv stimulieren: Wie wir lernen, wieder zu entspannen
Schlaf-Yoga: Kann das funktionieren?