Greta: Glücklichsein kennt kein Alter

"Wann macht man endlich das, was man will?"

Greta Silver (70) fühlt sich viel zu jung zum Altsein. Sie ist Model, Youtuberin und für jeden Spaß zu begeistern. Ihr Motto: Mit den Jahren wird das Leben immer schöner. Und sie hat Beweise ... 

Die Augen hinter der roten Brille funkeln vor fast kindlicher Freude. Herzlich nimmt mich Greta Silver zur Begrüßung in den Arm, als wären wir alte Freunde. Für unser Treffen hat sie ein schickes Café mit Blick auf die Alster gewählt. „Nur das Beste ist gut genug für uns“, erklärt sie vergnügt. Es scheint fast so, als hätte sich selbst das raue Hamburger Wetter von ihrer großartigen Laune anstecken lassen. Wir nehmen unter einem strahlend blauen Himmel Platz.

Greta mag 70 Jahre alt sein, aber das ist für sie kein Grund, das Leben nicht wie einen bunten Kindergeburtstag zu betrachten. Die Rentnerin modelt, betreibt einen Youtube-Kanal, und sprüht vor Energie. „Ich habe beschlossen, mindestens 120 Jahre alt zu werden, also bin ich in der Blütezeit meines Lebens“, sagt sie. 

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Greta will mit den typischen Gedanken über das Älterwerden aufräumen. „Wann macht man endlich das, was man eigentlich will? Die Antwort lautet: jetzt!“ Hat sie sich immer so leichtfüßig durchs Leben bewegt? Natürlich nicht. Auch sie hatte in ihrem Leben mit Krisen zu kämpfen. Als sie 19 ist, stirbt ihr Vater. Mit Ende 20 klappt es erst mal lange nicht mit der Schwangerschaft. Sie kennt das Gefühl, im Job gemobbt zu werden und hat eine Scheidung hinter sich. Auch heute ziehen ab und an dunkle Wolken auf. „Aber das trifft mich nicht mehr  so hart“, erklärt sie. „Und ich kann hinterher sagen: Die Zeit hat mich auch positiv verändert.“ 

Ich habe begriffen: Ich bin alleine für mein Glück verantwortlich

So sehr wirkt die dreifache Großmama im Einklang mit sich selbst, dass man sie einfach fragen muss: „Was ist Ihr Geheimnis?“ Greta schmunzelt. „Wenn es da eines gibt, dann, dass ich begriffen habe: Ich bin alleine für mein Glück verantwortlich.“  Lange hat sie ihre Stimmung von den Menschen in ihrer Umgebung abhängig gemacht. Hatte so genannte „Geheimverträge“ mit ihnen abgeschlossen, wie Greta es nennt:

Du bestimmst, wie ich mich fühle.

Mit ihrem Ex, Freunden, Kollegen. Die Erkenntnis, dass man sich für sein persönliches Glück von anderen Menschen frei machen, aus der Komfortzone treten muss, ist erst mal eine bittere Medizin. Die Umsetzung eine Lebensaufgabe. Der Gewinn jedoch unbezahlbar: grenzenlose Freiheit. Auch ein einschneidendes Erlebnis verändert Gretas Einstellung: Als junge Frau schreckt sie eines Nachts durch ein Poltern aus dem Tiefschlaf hoch. Ihr erster Gedanke: Einbrecher! Sie liegt die ganze Nacht schweißgebadet wach. Morgens stellt sie fest, dass nur ein Brett auf dem Balkon umgefallen war. Die ganze Situation ist die perfekte Metapher. 

Ich sagte mir selbst: Stell dir mal vor – du machst dich dein Leben lang verrückt, und es kommt keiner!

Ein guter Grund für Greta, sich nie wieder von Ängsten das Leben vermiesen zu lassen. Stattdessen geht sie mit positiven Gedanken durchs Leben und ist offen für neue Herausforderungen. So lässt sie sich von ihrer Tochter zu einem Modeljob überreden, der ihr schließlich immer wieder Aufträge einbringt. Und eine Freundin überzeugt sie davon, einen Youtube-Kanal zu gründen, um die Generation ab 40+ von den Freuden des Älterwerdens zu überzeugen. 

Wir haben schon so viel erlebt, uns kann doch keiner was!

9 Tipps von Greta für mehr Lebensfreude

„Oft müssen wir nur unsere Blickrichtung etwas ändern, um das Gute für uns zu erkennen.“  In ihrem Buch „Wie Brausepulver auf der Zunge“ erzählt Greta Silver, warum das Alter die schönste Zeit des Lebens ist. Damit möchte sie auch andere Menschen motivieren. Das Buch ist im Scorpio-Verlag erschienen und kostet 18 Euro.

Eigenständig leben 

Wir dürfen unsere Stimmung nicht von anderen Menschen abhängig machen. Denn so übertragen wir ihnen die Verantwortung für unser persönliches Glück. Aber darüber wie wir uns fühlen, sollten nur wir entscheiden und sonst niemand. 

Nein sagen 

Wir müssen anderen nicht immer und überall zur Verfügung stehen. Es ist völlig legitim, Nein zu sagen. Das schützt unsere Grenzen und schenkt Freiraum. 

Nicht warten

Oft denken wir, dass wir erst glücklich sein können, wenn wir dieses oder jenes erreicht haben. Dadurch kommen wir in eine Wartehaltung, die auf Dauer unzufrieden machen kann. Besser: im Jetzt leben. 

Dankbar sein

Schreibe jeden Abend auf, was du an dem Tag Schönes erlebt hast und wofür du dankbar bist. Das befüllt den inneren Glücksmotor und schenkt ein gutes Gefühl. 

Verzeihen

Jeder ist in seinem Leben von anderen Menschen verletzt und enttäuscht worden. Doch wir sollten ihnen ihre Fehler nicht nachtragen, sondern uns im Verzeihen üben. Das mag schwer fallen. Aber nur so entziehen wir diesen Menschen die Macht, über unsere Gefühle zu entscheiden. 

Jammer-Pause

Sich über alles und jeden zu beschweren, kann zu einer kraftraubenden Gewohnheit werden. Setz dich selber auf eine Jammer-Diät, das entspannt. 

Gutes denken

Sport und Bewegung an der frischen Luft sind die besten Killer gegen depressive Ver- stimmungen. Wenn das gerade nicht drin ist: Halt dir innerlich ein Stoppschild vor Augen, wenn die Gedanken ins Negative kreisen, und konzentriere dich mit allen Sinnen auf etwas Schönes. 

Nicht kleinmachen 

Falsche Bescheidenheit
ist ein Glückskiller. Stehen wir zu unseren Fähigkeiten und Talenten, denn davon haben wir schließlich reichlich vorzuweisen. 

Liebesbrief an dich selbst 

Betrachte dich einmal von außen und schreibe alle die schönen Eigenschaften und Stärken auf, die du an dir magst. Bewahre den Liebesbrief an einem besonderen Ort auf und lies ihn dir immer wieder einmal selber laut vor. 

Greta Silver © Lotta-Fotografie