„Der Nikolaus“

von Dave Vandenberg aus „Wild Winter“

Trübsinnig starrte Ruth aus dem Fenster. Ihr war elend zumute. Dabei war draußen das schönste Winterwetter, das sie sich sonst vorstellen konnte. Dichte weiße Flocken fielen herab. Frau Holle schüttelte ihre Betten aus, erinnerte sie sich ein wenig wehmütig an das schöne Märchen aus ihren Kindertagen. Sie liebte den Winter, diese kalte Jahreszeit. Sie schmolz beim Anblick der weißen Pracht dahin. Besonders der Monat Dezember hatte es ihr angetan. Der Advent versetzte sie normalerweise in fast ausgelassene Stimmung. Sie konnte es schon im Oktober kaum abwarten, endlich die Wohnung zu schmücken, Geschenke einzukaufen, Karten zu schreiben, auf Weihnachtsmärkten herumzuflanieren und eben all das zu tun, was zur Adventszeit dazugehört. Dieses Jahr war alles anders. Ihr Freund hatte sie nach achteinhalb gemeinsamen Jahren verlassen...

Das war im Frühjahr gewesen und sie war noch längst nicht darüber hinweg. Er war es auch, der umgehend ausgezogen war, ihr die Wohnung und sogar den meisten Teil dessen überlassen hatte, was sie zusammen angeschafft hatten. Nicht schnell genug hatte ihm die Trennung gehen können, nachdem er diese andere Frau kennengelernt hatte. Tränen stiegen ihr immer noch so oft in die Augen, die sie auch diesmal trotzig wegwischte. Es war wirklich an der Zeit, ihn zu vergessen. Ihre Freundinnen versuchten sie immer wieder zu überreden, mit ihnen auszugehen. „Die Welt ist voll von Männern, die nur darauf warten, abgeschleppt zu werden.“ Ihre Freundinnen steckten private Enttäuschungen eben besser weg als sie. Heute Abend wollten sie sich alle zum Glühweintrinken treffen. Heute war Nikolaustag.

Am sechsten Dezember vor neun Jahren hatte sie ihren Exfreund kennengelernt. Sie hatte plötzlich große Lust, sich zu betrinken …

Ruth schaute auf die Uhr. Schon halb sechs. Es schneite und schneite. Um sieben war sie mit den anderen verabredet. Es wurde Zeit, sich ein wenig zurechtzumachen. Sie hatte es mit einem Mal satt, immer noch hinter ihrem Ex herzutrauern. Vor dem großen Schlafzimmerspiegel blieb sie stehen. Sie hatte abgenommen, was ihr gut stand. Sie hatte immer eine hübsche Figur gehabt. Große Brüste, einen flachen Bauch, durchtrainierte Schenkel. Die richtigen Proportionen. Sie gefiel sich eigentlich. Spontan legte sie ihre Hand in ihren Schritt. Sie hatte seit dem Frühjahr keinen Sex mehr gehabt. Plötzlich vermisste sie ihn. Sie bekam Lust, während sie so dastand und sich ansah. Sie würde sich endlich mal wieder etwas Gutes tun müssen …
Enger kurzer wollener Rock, ein figurbetonter Pullover, Strümpfe mit Strapshaltern daran und schicke hohe Stiefel. Sie sah gut aus. Etwas mehr Make-up als sonst. Sie lächelte ihrem Spiegelbild zu.

Das Klingeln an der Tür irritierte sie. Es konnte keine ihrer Freundinnen sein. Sie waren in der Stadt verabredet. Ruth öffnete neugierig und staunte nicht schlecht. Vor ihr stand ein richtiger Nikolaus. Mit dickem roten Mantel, einer roten Mütze, Handschuhen, einem weißen Vollbart, derben Stiefeln und einem Jutesack über der Schulter. Und das Beste an ihm war: Man sah sofort, dass er wirklich von draußen kam. Er war mit einer feinen weißen Pulverschicht bedeckt und klopfte sich kräftig den Schnee von den Schultern.

Sprachlos starrte sie ihn an. Er schien erst gar nicht zu bemerken, dass sie die Tür schon geöffnet hatte. Doch dann blickte er hoch und strahlte fröhlich. Seine Augen funkelten und blitzten vergnügt. Der Job schien ihm Spaß zu machen. „Hoho, wen haben wir denn da Hübsches?“
Ruth musste unwillkürlich lachen, angesteckt von so viel Frohsinn.
„Bist du die Ruth?“ Sie würde sich später fragen, woher er kam und warum er gerade vor ihrer Tür stand.
Er rüttelte vielversprechend an dem großen Sack, der schwer über seiner Schulter hing. „Magst du mich für ein Weilchen bei dir aufwärmen lassen?“
Natürlich bat sie ihn herein.
„Ich glaube, ich habe etwas ganz besonders Gutes für dich dabei.“ Er klopfte sich, so gut es ging, den Schnee von den Schuhen und folgte ihr in ihre gemütliche Küche. Bevor er irgendetwas sagen konnte, hatte sie schon einen Topf mit Glühwein auf den Herd gestellt.
Sie war mit einem Mal rundum guter Laune.
Schnell war das weihnachtliche Getränk erhitzt.
„Das tut gut!“ Sie hatte beiden einen ordentlichen Becher voll gegossen. „Mit der Zeit wird es doch kalt beim draußen Herumlaufen.“
Sie hatte ihn schon eingehend begutachtet. Sie konnte kaum sein Gesicht erkennen. Es war fast zugewachsen von dem buschigen Vollbart und den dichten Augenbrauen.
Und doch war sie sich sicher, dass er attraktiv war. Etwas stämmig gebaut vielleicht, aber sie mochte Männer, die eher korpulent als mager waren.
Schöne kräftige Hände hatte er auf jeden Fall. Und strahlend blaue Augen und eine vertrauenerweckend tiefe Stimme. Ruth fühlte sich zu ihm hingezogen. Auf eine aufregende, fast etwas beunruhigende Art, die so gar nichts mit dem Nikolaus selbst zu tun hatte.
Er wollte ihr das kleine Geschenk nicht länger vorenthalten. „Allerdings musst du mir zuerst noch dein Gehör schenken.“ Ruth wartete gespannt. Und dann holte dieser Nikolaus doch tatsächlich zwei Bücher heraus. Ein goldenes und ein schwarzes.
Es war alles genauso wie früher, als sie noch an den Nikolaus geglaubt hatte. Fast alles …
Er las zuerst aus dem goldenen Buch vor. Sie traute ihren Ohren kaum, was es da alles an guten Dingen über sie zu lesen gab. Und sie hatte so ihre Idee, woher dieser Nikolaus das alles wissen konnte. Und wer ihn geschickt haben könnte.
Dann schlug er das schwarze Buch auf und seine Augen verdunkelten sich. Dass sie zu sehr den alten Zeiten nachhinge, zu trübsinnig geworden war, nicht genug an sich denken würde und so ging es weiter und weiter …
Ruth hing an seinen Lippen. Alles stimmte und sie konnte kaum abwarten, es zu ändern. Sie fühlte sich wie hypnotisiert von seiner Stimme und unwiderstehlich angezogen von seinem Verhalten. Der Nikolaus sah sie an. „Ich hoffe, du nimmst das alles sehr ernst.“ Doch beide konnten plötzlich ein Lachen nicht mehr unterdrücken. Er holte aus dem Jutesack ein kleines Päckchen und gab es ihr. Sie sahen sich sehr lange in die Augen. Es kribbelte in ihrem Unterleib. Wohltuend und erregend. Dieser Nikolaus hatte etwas so Männliches an sich, auf das sie viel zu lange schon nicht mehr entsprechend reagiert hatte. Sie zog an dem roten Schleifenband des hübsch eingepackten Päckchens.
„Zuerst die Karte, bitte!“ Seine Stimme löste mittlerweile eine aufregende Gänsehaut bei ihr aus. Ruth öffnete den kleinen Briefumschlag. „Fang endlich an, dein Leben wieder richtig zu genießen. Unser Geschenk und der Nikolaus werden dir dabei helfen. Alles Liebe, Deine Freundinnen!“
Aus dem Geschenkpapier fiel eine Packung Kondome heraus. Ihre Hände zitterten, als der Weihnachtsmann nach ihr griff und sie an sich zog. Einfach so …
Er zog ihr Rock und Pullover aus, während er sie küsste, bis sie nur noch in ihrer aufreizenden Unterwäsche vor ihm stand. „Wow!“ Er piff anerkennend durch die Zähne. „Mann, siehst du scharf aus!“ Mit geübtem Griff befreite er sie auch noch schnell aus ihrem hauchdünnen Slip.
Ruth fühlte, wie sich unter seinem Blick die süßeste Feuchtigkeit zwischen ihren Beinen zu sammeln begann. Sie ließ sich von ihm auf ihren Küchentisch heben und spreizte ihre Schenkel etwas, um ihn an ihrer Geilheit teilhaben zu lassen.
„Komm her!“ Sie fühlte sich endlich mal wieder unwiderstehlich und begehrt. Der Nikolaus öffnete seinen Gürtel, ließ sein dickes rotes Gewand fallen und zog ungeduldig seine wollene Unterhose aus. Das prächtige Gemächt, das sich darin versteckt gehalten hatte, nahm ihr den Atem. Es war perfekt gebaut. Sie würde es lieben, wenn es tief und ausdauernd in sie eindrang.
Er kniete nieder und sie wand sich lüstern unter seinem stechenden Blick. Als er ihre Lust mit seinen Finger aufstöberte, presste sie stöhnend die Hand vor ihren Mund. Er benetzte seine Fingerkuppen mit der Zunge und liebkoste ihre Perle so intensiv, dass sie machtlos gegen die Wollust war, die sich in ihr ausbreitete. Alles, was sich an Frust, Trauer, Wut und Enttäuschung in den letzten Monaten in ihr aufgestaut hatte, fand nun endlich ein angemessenes Ventil.
Der Nikolaus verwöhnte ihren lodernden Punkt mit der Zunge, den Lippen. Er biss sogar zärtlich hinein.
Und alles war Erotik pur. Ruth krallte sich in seinen Bart, der erstaunlich fest gewachsen war, und zitterte vor Erregung am ganzen Körper.
Ihr erster Höhepunkt durchfuhr sie wie ein Blitz. Sie beugte sich weit nach hinten und schob ihm vertrauensvoll ihr Becken entgegen. Nackte Gier loderte in seinem Blick. Er nahm ihre Hände und presste sie fest auf seinen hoch aufgerichteten Liebesspeer. Er war sehr groß. Griffig. Wohlgeformt. Ruth liebte die Großen. Aber dieser hier, der ihr auf so ungewöhnliche Weise beschert wurde, der schwebte in anderen Dimensionen. Wäre sie nicht so ausgehungert und gierig danach gewesen, sie hätte gezögert.
Er musste die Zweifel in ihrem Blick gesehen haben, denn er beugte sich zu ihr herunter und flüsterte: „Ich werde behutsam mit dir umgehen und du wirst sehen – er wird dir gefallen!“ Wie hypnotisiert starrte sie zwischen seine Beine. Bestaunte die üppigen Hoden und griff fast ein wenig ehrfürchtig danach, als sich der Nikolaus mit all seiner männlichen Pracht Stück für Stück in sie hineinschob.
Er stimulierte jeden Millimeter ihrer Vagina damit. Sie fühlte sich aus 1.000 winzigen Lustnerven bestehend, die nur darauf gewartet hatten, endlich entzündet zu werden. Ganz vorsichtig versank er tiefer und tiefer in ihr und je weiter er in sie eindrang, umso hemmungsloser nahm sie ihn auf. Sie bebte vor Lust und Gier nach der totalen Befriedigung, die er ihr ohne Zweifel schenken würde.
Seine kräftigen Arme packten ihre Beine und legten sie auf seine Schultern, was ihm ermöglichte, noch intensiver mit ihr zu verschmelzen. Sie dankte es ihm mit einem lustvollen Aufstöhnen. Und dann nahm er sie. Zuerst ganz langsam und vorsichtig. Dann, als er sicher war, er konnte ihr nur Gutes tun, verstärkte er seine Stöße mit jeder einzelnen Bewegung seines Unterleibes. „Alles okay?“, fragte der Nikolaus sie keuchend und fast ein wenig fürsorglich, als sie nach Luft ringen musste, weil ihr die Ekstase den Atem genommen hatte.
Sie presste ihre Vagina zusammen, um dieses goldene Geschenk ja nicht wieder davonziehen zu lassen, bevor es ihr nicht alles bescherte, worauf sie zu lange schon verzichtet hatte. Sie sah das begehrliche Leuchten in den funkelnden Augen des Fremden, spürte die Kraft, die aus seinen Lenden strömte, und riss ihn an sich. Konnte nicht genug bekommen von seiner Potenz. Wollte seine Lust bis an seine Grenzen ausschöpfen.
Sie war hemmungslos in ihrer Gier nach Befriedigung. Geradezu besessen davon, sich total darin zu verlieren. Als ein heißer Schub der Wollust in ihrem Unterleib explodierte, war Ruth äußerlich und innerlich eine einzig sprudelnde Liebesfreude …
Es schneite immer noch in dichten weißen Flocken. Sie konnte gar nicht genug bekommen von der weißen Pracht, die sich auf die Erde legte. Der Nikolaus hatte sich mit einem zärtlichen Kuss von ihr verabschiedet.

Er hatte ihr ein unvergessliches Geschenk beschert …

„Der Nikolaus“ von Dave Vandenberg aus „Wild Winter“ verlegt durch: ORION / Carl Stephenson Verlag