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Die zwischenmenschliche Sauna-Etikette

Die Dos und Don'ts beim Saunieren

Eine Sauna ist etwas ganz Wunderbares: Ein Ort der Ruhe, der Entspannung und des Wohlgefühls. Nackt beim Schwitzen und eingehüllt in einen flauschigen Bademantel im Ruheraum lässt sich in den großen Sauna-Landschaften gut die Zeit vertreiben.

Die einen lesen, die anderen schlafen. Telefonieren ist glücklicherweise zumeist nicht erlaubt. Apropos nackt. So mancher denkt, bei all der Nacktheit müssten Männer eigentlich permanent mit ihrer Erektion zu kämpfen haben. Frauen ebenso, verfügten sie denn über ein ähnlich sichtbares Zeichen ihrer Erregung. Zumindest habe ich dieses Vorurteil schon häufiger gehört. Aber so ist das gar nicht. Trotz der allgegenwärtigen entblößten Körper ist die Situation ziemlich entschärft. Mir ist tatsächlich noch nie ein erigierter Penis in diesem Umfeld begegnet. Als passionierte Saunagängerin verfüge ich in der Hinsicht über jede Menge Erfahrung. 

Die Sauna ist übrigens noch viel mehr als nur ein körperlicher Genuss. In der Sauna wird auch das Bild des perfekten Körpers, das wir durch die andauernde Präsentation in den Medien verinnerlicht haben, gerade gerückt. Denn hier tummeln sich nicht nur die durchtrainierten Athleten. Hier sieht man die Menschen, wie sie wirklich aussehen, ungeschönt in ihrer ganzen Schönheit. Schon deshalb kann ich allen nur empfehlen, es einmal auszuprobieren. Und damit sich auch alle wohlfühlen, gibt es ein paar einfache Regeln hinsichtlich der zwischenmenschlichen Etikette zu beachten:

1.    Gucken ist erlaubt. Anstarren nicht. Wer seinen Blick schweifen lässt, wird ganz von selbst Brüste, Pos und Schambereiche streifen. Das geht auch gar nicht anders. Aber man sollte nicht daran hängen bleiben und dem anderen dadurch ein Gefühl des Begafftwerdens vermitteln. Wer mehr möchte, kann in spezielle Saunaclubs gehen. Dort ist dann auch Anfassen erlaubt. Das bringt mich direkt zum nächsten Punkt.
2.    Kein Fummeln in der Sauna. Die Sonntage sind Pärchentage in den Saunen. Das ist ja auch herrlich, keine Frage. Aber was für ein verliebtes Paar so wunderbar ist – Fußmassagen, Nackenmassagen, Rückenmassagen, Händchenhalten, Küsse austauschen - ist für alle anderen einfach nur nervig. Das kann man machen, wenn sich wirklich kein anderer im Raum aufhält. Auch an den Liebesschwüren ist kein anderer interessiert. Also Klappe halten!
3.    Keine Badebekleidung in der Sauna. Ob Kleidung beim Schwitzen hinderlich oder sogar unhygienisch ist, weiß man nicht wirklich. In der Sauna gilt jedenfalls gleiches Recht für alle und das heißt Nacktheit. Genau deshalb ist die ja auch so selbstverständlich. Wer seine Scham trotzdem bedecken möchte, kann sich in ein Handtuch wickeln. Aber auch nur, wenn es wirklich nicht anders geht.
4.    Kein Intimposing. Es gibt Männer, die lassen ihre Kronjuwelen gern zwischen den Beinen baumeln. Und es gibt Frauen, die frische Luft an ihrer Vulva mögen. Kann man im Saunaclub machen, nicht aber in der ganz normalen Sauna. Hier wird der Intimbereich nicht extra präsentiert. Wer das trotzdem macht, darf sich nicht über die Blicke der anderen wundern. Um die Hüften gewickelte kurze Handtücher geben im Sitzen bei geöffneten Beinen übrigens auch alles preis, wenn jemand genau gegenüber sitzt ☺
5.    Jeder passt auf seinen eigenen Schweiß auf. Beim Sex kann es anregend sein, wenn wir unsere schwitzenden Körper aneinander reiben. In der Sauna sollte der Schweiß immer beim Eigentümer bleiben. Also, großflächig Handtücher unter sich ausbreiten! Niemand möchte auf dem Schweiß anderer sitzen, von Schweißtropfen getroffen werden und auch nicht hören, wie der Schweiß auf dem Körper geräuschvoll verrieben wird.
6.    Keine Autoerotik, niemals. Das hört sich wie selbstverständlich an. Ist es aber nicht. Das wurde mir spätestens klar, als ich bemerkte, wie ein Mann im Whirlpool neben mir seinen Penis bearbeitete. Für ihn mag das sehr anregend gewesen sein. Für mich allerdings war es sehr unangenehm. Ab zum Saunameister, kann ich da nur sagen!

Natürlich gibt es noch viele andere Regeln wie das Duschen vor dem Saunagang, das Abkühlen und ausreichende Ausruhen, keinen Alkohol usw. Aber darum geht es mir hier nicht. Ich möchte nur aufzeigen, was zwischenmenschlich in einer Wellnesssauna beachtet werden sollte. Wer nun doch sexuell angeregt aus der Sauna kommt, darf sich hinterher zuhause oder wo auch immer gern austoben!

Anja Drews – Diplom-Sexualpädagogin für ORION

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