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Erotische Geschichte: „Ein Ehemann für Britta“

von Staf Bischoff aus „Atemlose Begierden“

« … und somit erkläre ich die Ehe für geschieden!» hatte der weißhaarige Richter in seiner schwarzen Robe verkündet, um mit einem resignierenden Blick über den Rand der funkelnden Brille zu ergänzen: «Was ich angesichts des sympathischen Eindrucks, den beide Kontrahenten auf mich machen, besonders bedaure. Die Sitzung ist geschlossen!» Ist das letzte Wort wirklich gesprochen?

Gott, wie lange war das schon her! Die Scheidung von Gerd lag bereits fast ein ganzes Jahr zurück. Britta seufzte leise und schenkte sich eine neue Tasse Kaffee ein. Dann blätterte sie wieder gelangweilt in der Illustrierten. Vielleicht fand sie doch noch einen Beitrag, den sie nicht kannte. Die einsamen Sonntage waren aber auch wirklich zermarternd monoton. Was mochten nur die anderen alleinstehenden Frauen an diesen endlosen Nachmittagen tun? 
Britta zündete sich fahrig eine Zigarette an und legte die schlanken Beine hoch. Ob Gerd eine neue Freundin hatte? Ganz sicher. Oder war er gar schon wieder verheiratet? An Chancen zumindest fehlte es ihm bestimmt nicht. Es war das verflixte siebente Jahr, dachte Britta. Wir haben vermutlich viel zu früh geheiratet. Mit 19 sind die wenigsten Mädchen reif für eine Ehe.
Sie erinnerte sich ohne Groll an Gerd. Längst waren die hässlichen Szenen in ihren Gedanken verblasst, weil die angenehmen Reminiszenzen überwogen.
Heute wusste Britta, dass sie Gerds Fehltritt nicht so ernst hätte nehmen dürfen. Immerhin war es sein erster Ausrutscher gewesen, und Gerd hatte den reuigen Sünder bestimmt nicht nur gespielt. Als Frau musste man auch einmal verzeihen können.
Einerlei. Fort mit den wehmütigen Gedanken! Nur nicht zurückblicken! Noch gehörte die Zukunft ihr. Um halb sieben wartete Heino, der Abteilungsleiter von Storno und Statistik, im Café Wagenknecht auf sie. Himmel, sie hatte nur vage und unverbindlich zugesagt. Aber warum sollte sie eigentlich nicht hingehen? Es war immer noch unterhaltsamer, als zu Hause auf den Bildschirm zu starren.

Britta stand auf und ging ins Badezimmer. Kritisch musterte sie ihr ebenmäßiges Gesicht im Spiegel.
Nein, sie fand nichts an sich auszusetzen. Vergeblich suchte sie nach ersten Falten oder einem enttäuschten Ausdruck, der sich einzugraben begann. Nein, sie wirkte noch immer überdurchschnittlich hübsch. Und eigentlich war es ja auch kein Wunder.
Leise seufzend begann sie sich zu schminken. Es dauerte nicht lange. Lidschatten, die Augenbrauen, ein Hauch von Rouge auf die Wangen, mehr brauchte sie nicht, dennoch wäre auch diese Prozedur überflüssig gewesen. Aber eine Frau will wenigstens das Gefühl haben, gepflegt zu sein. Ein bisschen Make-up hatte übrigens noch niemals einem Mädchen geschadet. Bestimmt nicht. Pünktlich um halb sieben betrat Britta das elegante Café Wagenknecht. Sie trug hochhackige Pumps, die ihre schlanken Beine doppelt gut zur Geltung brachten, und ein fast unanständig tief ausgeschnittenes Kleid.
Heino wartete bereits. Er erhob sich hinter seinem winzigen Marmortisch, winkte ihr höflich zu und kam ihr in stolzer Besitzerfreude entgegen. Männer schmücken sich gerne mit hübschen Frauen.
«Blendend siehst du wieder mal aus», hauchte er, während er ihr den Stuhl zurechtrückte. «Dein Anblick macht mich richtig schwindelig im Schritt.»
«So?» Sie lächelte amüsiert. Heinos Kühnheit gefiel ihr. Denn er stach wohltuend von den anderen Mitarbeitern der «Securitas Versicherung» ab. Für farblose Büromenschen hatte sie nicht viel übrig. «Dann hast du dir sicher schon ein Programm für den heutigen Abend zurechtgelegt?»
«Gewiss.» Heino bestellte für Britta ein Kännchen Kaffee und ein Stück Schwarzwälder Kirschtorte, ehe er geheimnisvoll erklärte: «Wir gehen nämlich zu dir!»
«Zu mir? Wer bestimmt das?»
«Natürlich du!» Er machte ein schuldbewusstes Gesicht. «Aber falsch wäre es nicht. Wir beide könnten uns menschlich erheblich näherkommen. Immerhin kennen wir einander doch schon länger als ein Jahr!»
Sie sah ihm prüfend in die Augen. Ihre Mundwinkel verzogen sich spöttisch. «Im Klartext soll das also heißen, dass du mit mir schlafen willst?»
«Ja.» Er nickte verblüfft. Eine leichte Röte stieg ihm ins Gesicht. «Man könnte es so nennen.»
«Wie denn sonst!» Sie zündete sich eine Zigarette an. «Du hast übrigens Glück, dass ich seit über einem Jahr ohne Mann bin! Sonst würdest du dir vermutlich die Zähne an mir ausbeißen!»
Heino strahlte. So leicht hatte er es sich nicht vorgestellt. Immerhin galt Britta als unnahbar und schwer zu erobern.
«Dann lasse uns keine unnötige Zeit verlieren!» drängte Britta. Sie genoss seine Verblüffung. Er schien alle Kühnheit verloren zu haben.
Obwohl Britta den Ereignissen der nächsten Stunden mit neugieriger Unruhe entgegensah, aß sie erst ihre Torte auf. Heino trank erregt zwei doppelte Cognacs.
Als sie sich auf den Weg machten, begann es zu regnen. Britta wohnte nicht weit. Trotzdem durchnässte der Guss sie beide bis auf die blanke Haut.
Britta schmiegte sich ganz eng an Heino. Es war unbeschreiblich herrlich, wieder einmal nach einer halben Ewigkeit die Muskeln eines Mannes neben sich zu spüren.
Die ersten Straßenlampen flammten auf. Der Regen wurde stärker. Monoton prasselte er auf das Pflaster.
Als sie vor ihrer Haustür angelangt waren, verhielt Britta einen Moment lang unschlüssig. Noch konnte sie alles rückgängig machen. Bisher hatte sich nichts ereignet. Doch dann gab sie sich einen Ruck. Die Weichen waren längst gestellt.
«Komm!» Sie führte Heino in die Wohnung. Mit ruhiger Hand knipste sie die Stehlampe im Wohnzimmer an. Sie stellte eine Flasche Weinbrand und einen Aschenbecher auf den Tisch.
«Schön hast du es hier», sagte Heino. Was sollte er sonst auch sagen? Brittas Bereitwilligkeit kam aber auch zu überraschend, obwohl er sich inzwischen daran hätte gewöhnt haben müssen.
«Ja, es geht!» Sie verschwand im Bad. Bevor sie die Tür hinter sich schloss, rief sie beiläufig: «Du solltest dich schnellstens ausziehen! Sonst holst du dir in deinen nassen Sachen noch eine handfeste Erkältung!»
Er streifte ohne Umschweife Anzug und Wäsche ab. Dann zündete er sich merkwürdig nervös eine Zigarette an.
Als Britta aus dem Badezimmer zurückkam, waren sie beide nackt. Mit einer linkischen Bewegung zog er sie an sich und bedeckte ihr Gesicht mit begehrenden Küssen. Der Druck seines Leibes verstärkte sich von Sekunde zu Sekunde. Britta war so überwältigt, dass sie sich nicht zu wehren vermochte. Und sie wollte es auch gar nicht. Unvermittelt hob er sie hoch und trug sie zur gutgepolsterten Liege an der Längswand. Übervorsichtig ließ er sie in die weichen Kissen sinken.
Britta atmete heftig. Zu lange schon hatte sie männliche Zärtlichkeiten entbehren müssen. Ihre vollen Brüste bebten in Erwartung der bevorstehenden Ereignisse. Ihre schmalen Nasenflügel zitterten unmerklich.
«Komm!» drängte sie unruhig, als Heino nicht sogleich zum Angriff überging. Ihre Knie pressten sich ungeduldig gegeneinander. Ein süßer Kitzel durchströmte ihre Adern.
Heino ließ sich jedoch Zeit. Er genoss jede Sekunde des aufregenden Vorspiels und küsste ihren aufregenden Körper überall. Keine Region war für ihn tabu. Brittas glatte Haut fühlte sich an wie straff gespannter Samt. Unter himmlischen Schauern stöhnte sie immer wieder überreizt auf. Jetzt endlich spreizte sie die schlanken Beine. Sie sah aus wie eine fleischgewordene Göttin der Versuchung. Kein Mann hätte ihren Reizen widerstehen können.

Heino kniete unvermittelt zwischen ihren weißen Schenkeln, die sich sofort wie eine Zange um seine Hüften klammerten. Mit den zierlichen Fersen trommelte Britta fordernd gegen seinen Rücken.
Die kleine Rosenknospe im Zenit ihres Schrittes hatte sich längst wie unter einem geheimnisvollen Zauber geöffnet.
Ganz langsam drang Heino in den köstlichen Liebestempel ein. Im Zeitlupentempo eroberte er die warme Märchengrotte, die ihn gierig verschlang.
Britta Schloss vor Glück die Augen. Sie hatte das Köpfchen weit zurückgeneigt. Deutlich sichtbar pulsierte das Blut unter der dünnen Haut ihres Halses. In ihren Schläfen dröhnte es rauschend.
Besitzergreifend lag Heino jetzt auf der heißblütigen Gespielin, die jede seiner wilden Bewegungen mit federnden Gegenstößen abfing. Fordernd drängte sich ihr offener Schritt seinem Schoß entgegen. Die beiden Leiber schienen untrennbar miteinander zu verschmelzen. Das junge Paar kam rasch in Fahrt. Der Liebesritt steigerte sich zu einem orgastischen Galopp. Brittas Beine schlangen sich noch kraftvoller um Heinos Lenden. Immer dichter drängten sich die zuckenden Leiber gegeneinander. Immer schneller wurden die unkontrollierten Bewegungen.
Längst war Brittas Schoß nass geworden. Silberne Feuchtigkeit glänzte an den Innenseiten ihrer Oberschenkel, die sich in ohnmächtiger Seligkeit spreizten.
Die großen Brustwarzen des feurigen Mädchens hatten sich steil aufgerichtet. Empfindlich wie ein Seismograph reagierten sie auf die leiseste Berührung.
Britta öffnete die Lider ein wenig. Aber ihr Blick war abwesend. Er loderte dem nahen Orgasmus entgegen, der sich überdeutlich anzukündigen begann.
In einem berauschenden Rhythmus fanden sich die beiden Körper. Ekstatisch schwangen sie vor und zurück. Ein Taumel erfasste die hemmungslos Liebenden und Riss sie fort in einen Strudel des euphorischen Vergessens. Mit einem spitzen Schrei erreichte Britta unvermittelt den Gipfel aller Empfindungen. Vergeblich versuchte sie, sich unter der Explosion ihrer Gefühle hochzubäumen. Da verlor auch Heino die Beherrschung. Alle Schleusen öffneten sich. Ihm war, als müsse er in Brittas Armen verglühen. Unter übermächtiger Wollust entlud sich seine aufgestaute Spannung in einer glühenden Fontäne. Die Zuckungen verebbten. Noch eine letzte befreiende Woge, dann klangen die wilden Bewegungen aus.
Die schweißglänzenden Leiber verharrten in regungsloser Erschöpfung, ehe sie sich beinahe widerwillig voneinander lösten. Die Lungen keuchten noch immer atemlos. «Du kannst eine Frau wirklich verrückt machen!» Britta hatte die Augen wieder vollends geöffnet. Ihr Blick streichelte Heinos noch immer wehrhaften Penis, der nur allmählich erschlaffte.
«Du hast mich aber auch ganz schön angespitzt.» Heino zündete sich wieder eine Zigarette an und stieß den Rauch tief durch die Nase aus. Mit dem Zeigefinger zog er die Grenzen von Brittas Brustwarzen nach. «Es war zauberhaft mit dir!»
«Unsinn!» Sie errötete und winkte hastig ab. «Hoffentlich habe ich mich nicht zu ungeschickt angestellt. Wie du weißt, bin ich seit einem Jahr ziemlich aus der Übung.»
«So etwas verlernt man nicht», sagte er mit Nachdruck.
Sie überlegte noch, ob das Verhältnis mit Heino von Dauer sein könnte, als er aufstand und sich wieder anzukleiden begann.
«Was ist?» Verständnislos sah sie ihm zu.
«Nichts weiter.» Er stopfte sich bereits das Hemd in die Hose. «Morgen ist wieder ein harter Arbeitstag!»
«Ich dachte, du bleibst heute bei mir!» In ihrer Stimme schwang unüberhörbare Enttäuschung.
«Besser nicht!» Er schüttelte nachdrücklich den Kopf. «Du würdest nur falsche Schlüsse daraus ziehen.» «Falsche Schlüsse?» Sie verstand nicht.
«Ein Verhältnis mit einer Mitarbeiterin aus unserer Firma könnte ich als Abteilungsleiter mir niemals leisten», erklärte er mit schonungsloser Sachlichkeit. «Ein kurzes Vergnügen zu zweit im Bett, dagegen ist nichts einzuwenden. Aber ein ausgewachsenes Techtelmechtel, nein, Darling, das schadet nur meiner Karriere und deinem Ruf! Du verstehst mich hoffentlich?»
«Ja. Ich verstehe.» Britta kämpfte tapfer gegen die aufsteigenden Tränen. Nein, sie war weder traurig noch enttäuscht. Sie fühlte sich nur ausgenutzt und beleidigt. Dabei trug doch sie allein die Schuld an allem, was sich ereignet hatte.
Was für eine Närrin war ich doch! Sie begann ihre Gedanken zu ordnen. Heino hatte nur ein Abenteuer gesucht, das ihn von seinen aufgestauten Spannungen befreite. Und sie? Nein, mit einem Abenteuer allein war ihr nicht gedient. Schlagartig wurde ihr klar, dass sie einen Mann fürs Leben brauchte, auch wenn sie es nicht wahrhaben wollte.
Zum Glück verabschiedete sich Heino schnell und schmerzlos. Er tat es so geschäftsmäßig, wie er sich vermutlich auch im Freudenhaus nach vollzogenem Liebeswerk empfahl.
Britta sah ihm mit gemischten Gefühlen nach. Aber sie bedauerte den Gang der Dinge nicht. Mit Heino wäre sie niemals ihres Lebens froh geworden. Das gefühllose Finale seines Besuches ließ sie ahnen, welch ein Egoist er sein musste.
In der Firma tat er während der nächsten Tage, als habe sich zwischen ihnen niemals etwas ereignet. Er gab sich sachlich und kollegial, wie man es von einem Abteilungsleiter nicht anders erwartet. Und Britta war ihm sogar noch dankbar dafür. Trotzdem änderte sich nichts an der Tatsache, dass sie so allein war wie vorher und nur um eine Erfahrung reicher.
Merkwürdigerweise hatte Heino ihre Lust geweckt. Die Sehnsucht nach körperlicher Erfüllung, die Britta seit Monaten überwunden zu haben glaubte, war neu entfacht. Die süße Unruhe, die vor allem zwischen den Beinen kitzelte, machte sich täglich sehr gezielt bemerkbar. Mehrmals hatte Britta sich zu Hause mit allerlei wohlbekannten Kunstgriffen Befriedigung verschafft. Doch die wirkliche Erlösung blieb aus. Wer die Wonnen der Liebe kennt, der gibt sich nicht mehr mit halbem Stückwerk zufrieden.
Am Sonntagnachmittag ging Britta entgegen jeder Vernunft ins Café Wagenknecht, obwohl sie wusste, dass es ein glattes Parkett für alleinstehende Frauen war. Doch sie wollte es nicht wahrhaben, wenngleich sie sich tief im Unterbewusstsein nach einer erotischen Kollision sehnte.
Mit lasziver Bewegung setzte sie sich an einen winzigen Tisch, bestellte eine Tasse Schokolade und blätterte lässig in einem Modeheft.
Schon nach wenigen Minuten trat ein gepflegter Herr mit grauen Schläfen vor sie: «Verzeihen Sie meine Vermessenheit … !»
Sie klappte ärgerlich die langbewimperten Lider hoch und maß ihn abweisend vom Scheitel bis zur Sohle. Aber er fuhr unbeirrt lächelnd fort: «Ich bin Maler, meine Schöne. Und ich würde mich überglücklich schätzen, wenn Sie mir Modell stehen könnten!»
«Akt?» Sie legte die Zeitschrift zur Seite.
«Das wäre mein größter Wunsch.» Der Künstler setzte sich artig neben Britta. Dabei strich er sich dekorativ durch den weiß schimmernden Goethekranz, der seinem Kopf majestätische Würde verlieh. Sodann reichte er Britta seine Visitenkarte. «Mein Atelier liegt übrigens gleich im Haus nebenan.»
Britta warf einen flüchtigen Blick auf die Visitenkarte und las: «Professor Wolf Gordon, Kunstmaler, Mommsenstraße 9.»
Die niedliche Serviererin brachte die Schokolade. Britta rührte nachdenklich in der Tasse. Interessiert fragte sie: «Wann wollen Sie mich dann malen?»
«Am liebsten würde ich noch heute anfangen!»
«Gut.» Britta schob die Karte in die Handtasche. «Ist es Ihnen recht, wenn ich in zwei Stunden bei Ihnen bin?» «Wunderbar!» Der Künstler erhob sich und winkte die Kellnerin heran: «Schreiben Sie die Zeche dieser entzückenden Dame auf meine Rechnung!»
«Jawohl, Herr Professor!» Das Fräulein in der weißen Schürze, deren übergroße Schleife hinten wie die einer Pralinenschachtel gebunden war, knickste artig. Britta lächelte versonnen, als sie dem Maler nachsah, der es plötzlich sehr eilig zu haben schien. Und sie war neugierig auf ihre Rolle als Aktmodell.
Zwei Stunden später klingelte sie bei Wolf Gordon. Das Atelier lag im sechsten Stock. Es war geräumig und elegant, obwohl es nur ein riesiges französisches Bett und eine nicht minder riesige Staffelei beherbergte. Auf dem Fensterbrett standen zahlreiche afrikanische Holzschnitzereien.
«Ich freue mich, dass Sie tatsächlich gekommen sind!» Gordon trug lediglich Sandalen, ein Paar verwaschene Jeans und einen offenen, ehemals weißen Kittel. «Sie haben sich tatsächlich extra noch einmal umgezogen? Das war denkbar überflüssig. Denn ich male Sie ja nackt. Aber treten Sie doch erst einmal ein!»
An den Wänden lehnten zahlreiche vollendete und auch halbfertige Bilder. Sie bewiesen, dass Gordon ein überdurchschnittlich guter Künstler war.
Britta sah sich neugierig um. Sie fühlte sich gehemmt. Immerhin hatte sie sich noch nie vor einem fremden Mann ausgezogen. Zumindest nicht, um nur gemalt zu werden.
«Wie heißen Sie?» Gordon stellte eine aufgezogene Leinwand auf die Staffelei. Dann strich er fast beiläufig die Bettdecke gerade.
«Britta.»
«Britta? Gut. Ich werde Sie Katja nennen. Ich nenne alle meine Modelle Katja. Außerdem duze ich sie. Das entspannt die Atmosphäre. Einverstanden?»
Britta nickte.
«Du kannst mich Wolf nennen. Während du dich ausziehst, brühe ich uns eine Kanne Kaffee.» Er machte sich in der winzigen Kochnische zu schaffen. Es dauerte nicht lange.
Als er mit zwei Tassen und der Kanne zurückkehrte, lag Britta bereits nackt auf dem Bett. Denn um nichts auf der Welt hätte sie hüllenlos herumgestanden wie eine linkische Jungfrau.
«Du bist sehr hübsch! Und du hast einen bezaubernden Körper!» Wolf stellte das Geschirr auf die Erde. Ohne sich um den Kaffee zu kümmern, begann er bereits die Farben auf seiner Palette anzurühren. «Ich male dich übrigens als Symbol der Versuchung, wenn du verstehst, was ich meine.»
Britta verstand es nicht. Trotzdem nickte sie. Dabei streckte sie sich in einer Pose lasziver Wollust aus. «Nein, Katja! Wenn ich Dirnen malen wollte, würde ich mir eine Nutte holen!» Er legte die Palette aus der Hand, um Britta in eine ästhetische Pose zu dirigieren. «Ich möchte eine hübsche Frau auf die Leinwand bringen, der kein Mann widerstehen vermag. Die hinreißende Versuchung eben. Vielleicht sogar eine Göttin, wie es sie schöner noch nie gegeben hat. Du sollst also eine Göttin sein und keine glitschige Nymphe. Kapiert?»
Britta begann zu begreifen. Ein kaum fühlbarer Schauer rieselte durch ihre Adern, als sie fragte: «Du findest also, dass ich schön bin?»
«Wunderschön!» Gordon schien mit ihrer Haltung zufrieden zu sein. Er nahm die Palette wieder auf und griff nach einem dünnen Pinsel. «Wäre ich nur 20 Jahre jünger, ich würde mich unsterblich in dich verlieben.» «So?» Britta spürte seinen emsig prüfenden Blick beinahe körperlich auf der Haut. Sie fühlte sich auf eine unbeschreibliche Weise angezogen von diesem sensiblen Künstler mit der drahtigen, schlanken Figur.
«Gewiss.» Mit sicherem Strich versuchten sich seine Hände auf der Leinwand an den Konturen eines engelhaften Gesichtes mit großen, fragenden Märchenaugen. Alle Seligkeit dieser Welt, alle Sehnsüchte und alle Wünsche sollten sich in diesen Augen spiegeln. Er wollte Tugend und Leidenschaft miteinander paaren.
Mit flüchtigem Schwung deutete Wolf sogar noch die Umrisse des makellosen Leibes an, der lockend war wie die Sünde.
Britta unterbrach ihn nicht. Sie wusste, dass sie ihn jetzt nicht ablenken durfte.
Wolf arbeitete konzentriert und verbissen. Die Zeit verging für ihn wie im Fluge, ehe er den Pinsel aus der Hand legte und einige Schritte zurücktrat.
«Nun?» Britta rekelte sich vorsichtig auf dem breiten Bett. Sie traf Anstalten aufzustehen und das angefangene Kunstwerk zu bewundern.
Da nahm Gordon die Leinwand von der Staffelei und schlug sie unzufrieden gegen die Wand.
«Was tust du, um Himmels willen?» Britta versuchte das Bild zu retten.
«Es wäre nur eine Do-it-yourself-Vorlage für Junggesellen geworden», knurrte der Maler ärgerlich. «Ein ganz seichter Sex-Schinken ohne Seele, ohne Tiefe, ohne Schwung. Nichts weiter als lüsterne Erotik!»
«Tatsächlich?» Britta betrachtete jetzt die Arbeit.
«Ich weiß auch, warum mir der edle Ausdruck humaner Ästhetik nicht gelingt», sprach Gordon wie zu sich selbst. «Es ist, weil ich dich auf eine verdammt sinnliche Weise begehre. Wenn man nur immer ans Bumsen denken muss, dann kann man beim besten Willen keine zeitlos schöne Göttin malen. Das ist es!»
Britta hatte sich auf die Bettkante gesetzt. Zaghaft fragte sie: «Würde es dir helfen, wenn du vorher mit mir schläfst? Ich meine, das triebhafte Begehren lässt sich vielleicht dämpfen … »
«Keine schlechte Idee!» Wolf lächelte erfreut. «Die Bilder der Modelle, mit denen ich ins Bett gestiegen bin, sind mir stets besonders gut gelungen.»
«Männer malst du hoffentlich aber nicht?»
«Nein, Männer male ich nicht. Oder nur ganz selten.» Er zog den Kittel aus und streifte die Jeans ab.
Britta sah, dass er einen erstaunlich jugendlichen Leib hatte, der die grauen Schläfen Lügen strafte. Sie war neugierig, ob Wolf das halten würde, was sein Aussehen versprach.
«Hoffentlich stößt dich mein Anblick nicht allzu sehr ab!» Wolf ließ den Bizeps spielen.
«Du fragst zu viel.» Sie fasste ihn an seinem Phallus und zog ihn zu sich heran. «Genügt es dir denn nicht, dass du von mir mit offenen Armen und offenen Schenkeln empfangen wirst?»
Ihre Rechte schmiegte sich fester um die Wurzel seines Zauberstabes, den die Finger gefühlvoll zu massieren begannen.
Zusammen sanken sie in das weiche Bett.

Kaum lagen sie nebeneinander auf dem zerknüllten Laken, als sich Wolf über Britta warf und ihre Beine mit den Knien auseinanderspreizte.
Die Frau wand sich gereizt. Ihr schwellender Leib entspannte sich so gelöst, dass Wolfs Penis beinahe von allein in den schwülen Brunnen der Lust eindrang.
«Herrlich!» Britta streckte sich selig ihrem Partner entgegen. Dabei hob und senkte sich ihr Unterleib in rhythmischen Zuckungen. Ganz tief fuhr der Liebespfeil in den dürstenden Kelch.
Britta keuchte. Ihre Wangen glühten. Plötzlich bat sie ihn: «Leg dich auf den Rücken!»
Gordon folgte stumm ihrem Befehl.
Und schon saß sie breitbeinig auf seinem Schoß. Sein vorwitziger Schlingel steckte bis zum Anschlag in ihrem Schritt.
Britta begann ohne Umschweife einen schwerelosen Trab, der sich sehr bald schon zu einem wilden Galopp steigerte. Ihr ganzer Leib federte luststeigernd auf Wolfs Schoß hoch und nieder. Die Brüste wippten keck und lustig.
Brittas Reitbewegungen wurden wilder. Dabei bohrte sich der Phallus immer tiefer in Brittas Schatzkästlein, dass sie wollüstig aufstöhnte.
Längst bedeckte silberner Schweiß die beiden Leiber. Da stieß Wolf ein letztes Mal gewaltig zu.
Britta jauchzte auf. Sie ritt wie eine Amazone. Mit fliegender Mähne und hüpfendem Busen jagte sie der Erfüllung entgegen. In ihren Schenkeln spielten die Muskeln angespannt. Ihr Bauch presste sich bei jedem neuen Aufbäumen zusammen.
Wolf ließ seinen Gefühlen freie Bahn.
Auch Britta vermochte sich nicht länger zu zügeln. Und kaum hatte Wolf sein kostbares Pulver verschossen, da erreichte die feurige Reiterin einen Höhepunkt, unter dem sie sich wie in einem elektrisierenden Krampf schüttelte.
Ein wunderbarer Schauer überflutete Brittas angespannten Leib. Das erlösende Gefühl katapultierte sie schwerelos ins Paradies.
«Himmlisch», flüsterte sie begeistert. Ihre Schenkel pressten sich noch immer ganz fest um Wolfs vibrierende Lenden, als wollten sie auch noch das allerletzte Mark aus ihnen heraussaugen.
Wolf hob Britta ohne Umschweife von seinem Schoß. Leicht verlegen stand er auf und suchte nach einem halbwegs sauberen Tuch.
«Du kannst wunderbar pinseln», kicherte Britta allerliebst.
«Vielen Dank.» Er lächelte geschmeichelt und stieg bereits wieder in seine verwaschenen Jeans. «Allerdings kann ich jetzt nicht mehr malen.»
«Warum nicht?» Sie richtete sich auf und verharrte einen Moment in dieser Pose, ehe sie die Füße aus dem Bett schwang.
«Weil ein bisschen knisternde Erotik dazu gehört, wenn ich eine hübsche Frau auf der Leinwand verewige», erklärte er. «Und nach einem Orgasmus knistert es bei mir nie.»
«Aha», sagte Britta nur. Sie zog sich verständnisvoll wieder an. «Dann ist für heute also Schluss. Soll ich morgen wiederkommen?»
Er machte ein Gesicht, als habe er auf einen hohlen Zahn gebissen. Dann erklärte er:
«Auf keinen Fall! In den nächsten Tagen habe ich alle Hände voll zu tun. Am besten ist es,wenn ich dich anrufe. Du musst dich schon ein wenig gedulden. Schreib mir doch einfach deine Nummer auf.»
Britta griff nach einem Stück Papier. «Ich bin aber nur abends zu erreichen. Tagsüber arbeite ich.»
«Klar.» Er nickte. Und er schien sehr froh zu sein, dass sie sich sehr bald verabschiedete.
Ein wenig irritiert trank Britta im Café Wagenknecht noch einen Mokka mit Cognac.
«Na, hat der Professor Sie gemalt?» wollte die hübsche Serviererin mit einem ironischen Lächeln wissen. «Warum fragen Sie?»
«Mich hat er auch zu malen angefangen», flüsterte die Kleine lustig. «Aber als ich mit ihm ins Bett gestiegen war, verlor er schlagartig jedes weitere Interesse an mir. Mein Aktbild steht seit zwei Jahren unvollendet irgendwo bei ihm auf dem Dachboden. Und ich wette, dass es niemals fertig wird.»
«So ist das also!» Britta verstand. «Ihm geht es demnach nicht um die Kunst, sondern lediglich um den Sex!» «Erraten!» Die Kellnerin beugte sich zu Brittas Ohr hinunter. «Aber machen Sie sich nichts daraus. Immerhin leistet der gute Professor etwas im Bett. Und außerdem sind schon ganz andere Frauen auf ihn hereingefallen!» «Ja.» Britta nickte. «Das mag wohl sein.»

An diesem Abend stand sie lange vor dem Spiegel im Badezimmer. Sie blickte sich prüfend in die Augen und sprach zu sich selbst: «Britta, du gehst noch vor die Hunde, wenn du so weitermachst! Du brauchst einen Mann fürs Leben, sonst wirst du bald zu einem Mädchen, das es mit jedem treibt!» Und sie beschloss, sich ernsthaft nach einem Partner umzusehen, für den da zu sein sich lohnte.
An Junggesellen, die sich um Brittas Zuneigung bewarben, bestand kein Mangel. Britta sah schließlich überdurchschnittlich hübsch aus. Sie wusste es, und die Männer wussten es auch. Aber unter den wenigen ernsthaften Anwärtern, die sich Hoffnungen machten, war nicht ein einziger, an dessen Seite sie es auch nur einige Tage, geschweige denn ein ganzes Leben lang ausgehalten hätte. Eine biedere Kleinstadt bietet einer alleinstehenden Frau in der Tat nur geringe Chancen. Nicht nur die Gelegenheiten, sondern auch die passenden Partner schienen zu dünn gesät. Britta hatte es längst begriffen.
In der «Securitas Versicherung», die Britta Müller als gewissenhafte Schreibkraft beschäftigte, fehlte es erst recht an Möglichkeiten. Die wirklich begehrenswerten Männer waren längst in festen Händen.
Britta gab sich einen Ruck. Sie hatte es satt, ihre Zukunft dem Zufall zu überlassen. Morgen würde sie den Sprung über den eigenen Schatten wagen und gleich nach Feierabend die Heiratsvermittlerin Hilde von Buchwitz-Langendorf aufsuchen, die schon viele haltbare Ehen gestiftet hatte, wenn auch gegen klingende Münze. Aber das Glück zu zweit muss man sich bisweilen teuer erkaufen.
Frau von Buchwitz-Langendorf war eine reife, gepflegte Dame von Welt. Mit gewinnender Höflichkeit empfing sie Britta Müller wie eine gute Freundin. Sie verwies beiläufig auf eine stattliche Reihe von Aktenordnern, in denen alle von ihr zusammengeführten Paare gewissenhaft und werbewirksam katalogisiert waren, und erklärte mit mildem Pathos: «Ihre Zukunft ist bei mir in den besten Händen. Denn die Vorauswahl trifft ein unfehlbarer Computer. Und es sollte mich nicht wundern, wenn wir für Sie nicht nur einen passenden, sondern darüber hinaus auch noch reichen Mann finden.»
«Reich braucht er nicht zu sein», wandte Britta ein und musterte verstohlen die gediegene Einrichtung des Zimmers, die so vornehm war wie die Ehevermittlerin selbst. «Ich lege viel mehr Wert auf Natürlichkeit und … », sie errötete leicht, « … und auf ein wenig Zärtlichkeit!» Die Ehe-Anbahnerin nickte verstehend.
Dann ließ sie Britta einen ellenlangen Fragebogen ausfüllen, in dem sie alle gewünschten Eigenschaften des Traumpartners ausführlich beschreiben musste.
Dazu erklärte Frau von Buchwitz-Langendorf: «Je detaillierter wir den Computer füttern, desto treffsicherer wählt er einen Mann für Sie aus. Computer irren sich übrigens nie.»
Hoffentlich, dachte Britta.
Hinterher tranken sie zusammen noch eine Tasse Tee, und Frau von Buchwitz-Langendorf kassierte beiläufig die erste Rate für ihre Bemühungen. Ehen werden zwar im Himmel geschlossen, doch Britta sah ein, dass weder Computer noch Heiratsvermittlerin kostenlos in Aktion treten. Alles im Leben hat seinen Preis.
Die Kolleginnen in der «Securitas» lachten, als Britta ihnen unüberlegt erzählte, auf welchem nicht mehr ganz ungewöhnlichen Wege sie einen Mann suchte. Und die Betriebsnudel Babsie erklärte mitleidig: «Das war dumm von dir! Wenn du nur willst, kannst du doch an jedem Finger zehn haben!»
Aber Britta wollte nicht an jedem Finger zehn, sie suchte einen einzigen Mann, den allerdings fürs ganze Leben. Sie zuckte nur mit den Schultern und bereute schon, dass sie sich den Mitarbeiterinnen anvertraut hatte. Auf Kerle wie Heino von der Abteilung Storno und Statistik oder den lüsternen Professor Wolf Gordon konnte sie ohne übergroße Trauer verzichten.

Die Tage vergingen. Nichts geschah. Der Computer ließ sich offensichtlich sehr viel Zeit. Aber vermutlich kann auch ein Computer nicht zaubern.
Natürlich meldete sich auch der Maler Wolf Gordon nicht mehr. Er hatte ja bekommen, was er wollte.
Nur Heino setzte stets ein spöttisch wissendes Lächeln auf, wenn er Britta auf dem Korridor oder in der Betriebskantine begegnete. Sie hätte ihm am liebsten eine runter gehauen. Doch dadurch wäre auch nichts besser geworden.
Nach vierzehn Tagen kam ein Brief von Frau Hilde Buchwitz-Langendorf. Sie habe, schrieb sie, einen hoffentlich passenden Mann für Britta gefunden. Er verfüge in geradezu idealer Weise über die von ihr gewünschten Eigenschaften, und sein Aussehen übertreffe die kühnsten Erwartungen. Ob Britta sich am Freitagabend zwanglos zu einem unverbindlichen Treffen in den Räumen des Heiratsinstituts einfinden könnte? Die Geselligkeiten in kleinem, überschaubaren Kreise bei Kaffee und Kuchen hätten sich bisher außerordentlich bewährt, und die Gegenwart der vermittelnden Gastgeberin sei Gewähr dafür, dass jede Peinlichkeit spielend überbrückt würde.
Es wird sicher zugehen wie auf dem Pferdemarkt, dachte Britta mit gemischten Gefühlen. Schließlich weiß doch jeder der anwesenden Gäste, was die anderen hergeführt hat. Man spürt die Absicht und ist auf der Hut.
Britta zögerte. Aber dann entschloss sie sich, die Einladung anzunehmen. Für ihr Geld sollte Frau von Buchwitz-Langendorf auch etwas leisten.
Britta vermochte ein neugieriges Prickeln nicht zu unterdrücken, als sie sich am Freitagabend auf den Besuch vorbereitete. Es würden also, wie sie dem Brief entnommen hatte, auch noch andere Damen und Herren zugegen sein, was die Atmosphäre zweifellos gehörig entspannte. Vermutlich wie in der Tanzstunde oder in einem geselligen Club.
Britta zog ihr hübschestes Kleid an, das fesche mit dem schmalen, spitzen Ausschnitt und der schlanken Taille, das Gerd immer so sehr an ihr geliebt hatte. Fast eine ganze Stunde verwendete sie darauf, ihr Make-up zu vollenden, obwohl sie auch ohne kosmetische Hilfsmittel durch natürliche Anmut und anziehendes Aussehen bestach. Das wußte sie aus hinreichender Erfahrung. Zum Schluss tupfte sie sich noch einige Tropfen Chanel hinter die Ohrläppchen, in den Nacken und auf die Handgelenke.
Fertig. Ein letzter, prüfender Blick in den wandhohen Spiegel neben der Schlafzimmertür bestätigte ihr, dass sie zufrieden mit sich sein durfte. Mit leiser Nervosität schlüpfte sie in ihre hochhackigen Pumps.
Im Salon der Frau von Buchwitz-Langendorf ging es zwanglos zu. Als Britta eintraf, schlug ihr gedämpftes Stimmengewirr entgegen, wie auf einer ungezwungenen Party. Aus der Konserve erklang unaufdringliche Tanzmusik.
«Sie sehen bezaubernd aus, meine Liebe», begrüßte die Ehevermittlerin sie mit einem aufmunternden Kopfnicken. «Sie werden bestimmt Furore machen!»
Vermutlich sagt sie das zu jeder Kundin, dachte Britta belustigt. Klappern gehört zum Handwerk. Neugierig, aber dennoch diskret, sah sie sich um.
In silbernen Leuchtern brannten Kerzen. Eine festliche Kaffeetafel verströmte Gediegenheit. Drei Damen und drei Herren vorgeschrittenen Alters unterhielten sich mit der gebotenen Distanz, wie sie unter Menschen üblich ist, die einander kaum kennen.
Leider war kein Mann anwesend, den Britta übermäßig sympathisch fand, sosehr sie sich auch zu Konzessionen zu zwingen versuchte. Es lag nicht allein am Jahrgang. Zweifelnd blickte sie zur Gastgeberin hinüber.
Aber Frau von Buchwitz-Langendorf drückte nur beruhigend ihren Arm und flüsterte: «Keine Bange, mein schönes Kind! Ihr Traumpartner ist noch nicht da. Aber er müsste jeden Augenblick kommen!»
Todsicher auch so ein Ladenhüter, fuhr es Britta durch den hübschen Kopf. Und sie verfluchte die Idee, sich und ihre gesamte Zukunft einem Ehe-Institut anvertraut zu haben.
«Darf ich Ihnen Frau Britta Müller vorstellen?» Frau von Buchwitz-Langendorf wies auf Britta, die noch immer ein wenig hilflos mitten im Zimmer stand.
Die Damen nickten höflich, die Herren verbeugten sich ein wenig zu steif. Teufel noch eins, das konnte ja gut werden!
Die Gastgeberin reichte zur Auflockerung der Atmosphäre ein Tablett mit Cognacs herum. Dann zog sie Britta zur Seite: «Sie brauchen wirklich keine Angst zu haben, Frau Müller! Und falls es heute nicht klappt, dann eben beim nächsten oder übernächsten Male. Liebe lässt sich eben nicht mit der Brechstange erzwingen.» «Nein, bestimmt nicht!» Britta kippte ihren Cognac mit einem einzigen Schluck hinunter.
Die Hausherrin wollte ihr nachschenken, als es wieder an der Tür läutete.
«Das wird Ihr Märchenprinz sein!» Die Hand mit der Flasche zog sich zurück. «Vom Computer sorgsam ausgesucht und von mir für vorzüglich befunden. Er trägt übrigens, genau wie Sie, den nicht gerade seltenen Namen Müller. Wenn das kein gutes Omen ist!»
Frau von Buchwitz-Langendorf öffnete. Ein bemerkenswert gutaussehender junger Mann trat ein und küsste ihr galant die Hand.
Britta sah ihm entgeistert durch die offene Salontür entgegen. Das konnte doch nicht wahr sein! Der Boden unter ihren zierlichen Füßen begann zu schwanken.
Die Ehevermittlerin führte den neuen Gast herein. «Gerd … !» hauchte Britta ungläubig.
«Britta … !»
«Sie kennen einander?» Frau von Buchwitz-Langendorf hatte nervös die Hände gefaltet. Weiß traten die Fingerknöchel hervor.
Gerd war nicht weniger überrascht als Britta. Er starrte sie an wie einen Geist. Endlich wandte er sich zur verlegenen Hausherrin: «Wir kennen uns sogar sehr gut. Wir waren nämlich sieben Jahre lang miteinander verheiratet!»
«Himmel, so etwas habe ich noch nie erlebt! Gott, wie ist mir das unangenehm!»
«Es braucht Ihnen nicht peinlich zu sein», begütigte Britta. Sie hatte sich als erste wieder gefangen. «Ich freue mich, meinen geschiedenen Mann wiederzusehen, auch wenn die Begegnung für uns beide ziemlich unerwartet kommt!»
«Ich habe mir bei dem Namen Müller wirklich nichts gedacht», flüsterte Frau von Buchwitz-Langendorf verstört. «Wo er doch so außerordentlich häufig ist.».
«Wir hätten uns schon viel früher einmal treffen sollen!»
Gerd tupfte sich mit seinem Taschentuch den Schweiß von der Stirn. «Wir haben uns sicherlich allerhand zu erzählen!»
«Mich trifft aber keine Schuld!» Die Ehevermittlerin fasste sich nur allmählich wieder. «Ich habe Ihnen beiden den Partner zugeführt, der Ihren Vorstellungen am meisten entspricht! Der Computer wertete lediglich Ihre genau spezifizierten Wünsche aus.»
«Mit bemerkenswertem Erfolg.» Ohne auf die anderen Gäste Rücksicht zu nehmen, zog Britta ihren ehemaligen Mann in eine ruhige Ecke.
«Du bist noch hübscher geworden», stotterte Gerd und rückte Britta einen winzigen Cocktailsessel zurecht. «Ich habe übrigens niemals aufgehört, dich zu lieben.» «So?» Britta fühlte die Nerven überall unter der Haut kribbeln. «Bist du sicher?»
«Ja. Und der Computer ist es auch!» Gerd saß ihr jetzt gegenüber. Kaum eine Armlänge entfernt.
Sie hörten nicht das gedämpfte Gemurmel der anderen Gäste und auch nicht die Musik aus dem Lautsprecher. Sie sahen einander nur wortlos an. Und sie dachten beide dasselbe.
Frau von Buchwitz-Langendorf stellte zwei Schwenker und die halbvolle Flasche Cognac neben ihnen auf den niedrigen Teetisch. Schuldbewusst sagte sie so leise, dass die anderen Besucher es nicht hören konnten: «Ich bin in der Tat untröstlich! Aber dieser unvorhergesehene Zwischenfall soll mir eine Lehre sein! Künftig gibt es so eine Panne nie wieder!»
«Möglich, dass es überhaupt keine Panne war!» Britta legte nachdenklich den Kopf schief. «Die Liebe geht oft seltsame Wege.»
Frau von Buchwitz-Langendorf entfernte sich diskret. Aber wohl war ihr nicht.
«Meinst du das im Ernst?» Gerd sah Britta prüfend an … «Hast du jetzt eine andere Frau?» antwortete sie mit einer Gegenfrage.
«Wer mit dir verheiratet war, der findet nicht so schnell eine ebenbürtige Partnerin.» Er kratzte sich verlegen am Kinn. «Und du?»
Sie lachte amüsiert: «Wenn wir beide gebunden wären, hätten wir uns wohl kaum in den Räumen einer Ehevermittlerin getroffen!»
«Klar!» Er schlug sich mit der flachen Hand vor den Kopf. «Ich glaube, ich bin noch immer nicht klüger geworden! Hast du eigentlich noch immer unsere kleine Wohnung?»
Britta nickte nur.
«Warum sitzen wir dann eigentlich noch hier?» Er erhob sich und fasste sie am Arm.
Auch Britta stand auf. Sie hatte noch immer ganz weiche Knie.
Hand in Hand verließen sie die fremde Wohnung. Wie ein glücklich verliebtes junges Paar. Die anderen Gäste sahen verständnislos hinterher.
«Wenn Sie beide wieder heiraten, dann berechne ich nur die halbe Gebühr», rief ihnen Frau von Buchwitz-Langendorf nach. Sie hatte erst jetzt richtig begriffen.
Auf der Treppe riss Gerd seine Britta stürmisch an sich. Ihre Lippen fanden sich. Der heiße Kuss wollte kein Ende nehmen. Sie hatten ja so viel nachzuholen.
Endlich gelang es Britta, sich freizumachen. Atemlos keuchte sie: «Nun warte doch wenigstens, bis wir bei mir zu Hause sind!»
Dann saßen sie in Gerds Wagen. Der Weg wollte kein Ende nehmen, obwohl die Fahrt nur wenige Minuten dauerte.
In Brittas Wohnung hielten sie sich nicht mit .überflüssigen Fragen auf. Gerd hob Britta hoch und trug sie schnurstracks zum breiten Ehebett.
«Nun lass mir doch wenigstens Zeit, mich auszuziehen!» bat sie ihn lachend. Aber da hatte er bereits begonnen, ihr mit fliegenden Händen die Schuhe und die Kleidung abzustreifen.
«Und dafür habe ich mich mühsam so hübsch gemacht!» Britta rekelte sich erwartungsvoll auf der weichen Matratze.
«Hat es sich etwa nicht gelohnt?» Gerd stand jetzt ebenfalls nackt wie eine antike Statue vor ihr.
«Und ob!» Sie sah ihm verheißungsvoll entgegen.
Ein wenig ungeschickt setzte er sich neben sie. Scheu streckte er die Hände nach ihr aus.
«Du hast es doch in der Zwischenzeit hoffentlich nicht verlernt?» Sie spreizte einladend die Beine. Ihre festen Brüste bebten leise.
Da kniete er sich zwischen ihre weißen Schenkel. Genussvoll spürte er die Wärme ihrer glatten Haut.
Ganz langsam fuhr er in sie, die ihn sofort bereitwillig aufnahm.
«Mit dir ist es doch am schönsten», hauchte Britta. Aber Gerd hörte nicht hin. Er lag jetzt auf ihr und sah ihr tief in die Augen. Und während sein Schoß sich noch fester gegen ihren Schritt presste, raunte er ihr ins Ohr: «Eigentlich könnten wir wieder heiraten, was meinst du?» Ihr Unterleib wand sich zustimmend. Sie schlang die Arme erobernd um seinen Hals. Langsam bewegten sich ihre Lippen: «Gerne! Aber jetzt halte den Mund und liebe mich! Wir beide haben nämlich allerhand nachzuholen!» Er nickte nur und drang noch tiefer in ihren schlanken Körper ein.
Britta genoss seine zärtlichen Stöße mit allen Nerven. Sie verschwendete keinen einzigen Gedanken mehr an Hein oder Wolf. Die Gegenwart war stärker.

Ein Ehemann für Britta“ von Kristel Kane aus „Atemlose Begierden“ verlegt durch: ORION / Carl Stephenson Verlag

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