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Sex-Mythos aufgeklärt: Fickt dumm tatsächlich gut?

Expertin Anja Drews dem Vorurteil auf der Spur

Manche Mythen halten sich ja wirklich hartnäckig. Da wäre zum Beispiel der vom vaginalen Orgasmus. Freud hatte diesen nach damals bestem Wissen und Gewissen in die Welt gesetzt, nicht ahnend, dass er damit Millionen von Frauen noch ein Jahrhundert später in ihrer Lust hemmen würde. Ein Mythos ist er deshalb, weil die Annahme, nur der vaginale Orgasmus sei ein richtiger Orgasmus, mittlerweile wissenschaftlich wiederlegt wurde. Nichtdestotrotz gibt es auch heute noch Menschen, die genau das behaupten und damit die Liebenden weiterhin fröhlich verunsichern. 

Ebenso hartnäckig hält sich das Vorurteil, dumme Menschen seien besser im Bett. Ich weiß nicht, wie es Ihnen geht, aber ich habe bei dem Spruch „Dumm fickt gut“ eher einen männlichen Sprecher vor meinem geistigen Auge. Aber vielleicht ist das auch nur ein weiteres Vorurteil meinerseits. Ich weiß nicht, woher dieser Spruch kommt oder wer ihn sich ausgedacht hat. 

•    Die Dummen, um sich selber aufzuwerten? 
•    Oder die Schlauen, um die Dummen abzuwerten? Ok, die vielleicht nicht, denn damit würden die Schlauen ja ihre eigenen Qualitäten in Frage stellen. 

Erstaunlich finde ich aber, dass es tatsächlich Forscher gibt, die sich dieser Frage widmen. Dumm fickt gut? Ernsthaft? Wie will man das denn messen? Und was will man mit dieser Aussage überhaupt belegen? 

Was genau bedeutet „gut ficken“?

Um eine Korrelation zwischen Intelligenz und gutem Ficken herzustellen, muss man erst einmal die Parameter definieren. Was genau bedeutet „gut ficken“? Befragen wir zehn Menschen dazu, erhalten wir vermutlich zehn verschiedene Antworten: 

•    Lange können
•    Gut blasen oder lecken
•    Einen Orgasmus bekommen
•    Mit den Möpsen wackeln
•    Genussvoll stöhnen
•    Einen tollen Penis haben
•    Ins Schwesternkostüm passen
•    Möglichst viele unterschiedliche Stellungen probieren
•    Möglichst lange das Gleiche machen

Die Geschmäcker sind da sehr unterschiedlich. Was für den einen höchsten Genuss bedeutet, findet der andere vielleicht langweilig. Und vor allem kann der Sex mit unterschiedlichen Partnern so anders sein wie auch der Sex mit demselben Partner an unterschiedlichen Tagen. Gut im Bett wird es meist erst, wenn wir zu dem anderen eine Verbindung haben, wenn wir uns gemeint und begehrt fühlen, wenn wir uns hingeben können und deutlich machen, was wir wollen. Und das soll nun tatsächlich von der Intelligenz eines Menschen abhängen? Je dümmer, desto mehr Einfühlungsvermögen? 

Wer ist „dumm“?

Ein Intelligenztest könnte hier Klärung schaffen. Allerdings sind auch diese Tests umstritten. Man wirft ihnen vor, nicht objektiv zu sein oder stark von der Motivation des zu Testenden abzuhängen. Wenn eine Belohnung lockt, steigen die Ergebnisse. 

Das gilt laut Psychologieprofessorin Angela Duckworth von der Universität von Pennsylvania besonders für die Menschen im unteren IQ-Bereich. Umgangssprachlich als dumm bezeichnete Menschen legen ja oft eine erstaunliche Schlauheit an den Tag und können damit Menschen, die auf ihrem Fachgebiet Koryphäen sind, auch schnell einmal austricksen oder in Alltagsangelegenheiten den Weg weisen. 

Gelesen habe ich, dass Menschen mit niedrigem IQ leichter Ängste oder Gedanken ausblenden könnten. Ja, wirklich? Haben weniger schlaue Menschen tatsächlich weniger Alltagsängste? Weniger Beziehungsstress? Weniger Geldsorgen? Sind weniger intelligente Frauen weniger gehemmt wegen ihres vermeintlich unzureichenden Körpers? Das wage ich doch stark zu bezweifeln. Wie anmaßend, eine solche Behauptung auch nur auszusprechen! 

Der Sexualwissenschaftlers Norbert Kluge hat in seiner Studie „Sexualleben der Deutschen“ untersucht, wie Schulabschluss und Sex miteinander zusammenhängen: 62,2 Prozent mit Realschulabschluss hätten demnach mindestens einmal pro Woche Sex. Danach folgten die Akademiker mit 59,9 Prozent, Schlusslicht seien die ehemaligen Hauptschüler mit 37,6 Prozent. Und was sagt uns das jetzt? Ist Quantität gleich Qualität?

Man kann nicht alle über einen Kamm scheren

Ja, manche Menschen ficken gut, weil sie dumm sind. Andere ficken nicht gut, weil sie dumm sind. Dasselbe gilt für die als intelligent angesehenen Menschen. Auch da gibt es tatsächlich Unterschiede! Wahnsinn! Es scheint jedoch in der Natur des Menschen zu liegen, für jede Frage des Universums eine verbindliche Antwort und eine dazugehörige Regel zu finden. Nun haben wir mittlerweile mehr als sieben Milliarden Mitmenschen. Kann man da wirklich eine Aussage treffen, die so global ist wie „Dumm fickt gut“??? 

Ich habe da oben übrigens extra ein paar Fremdwörter verwendet, um mir den Anschein von Intelligenz zu verleihen. Laut dem Vorurteil wäre ich dann allerdings nicht gut im Bett. Oder bin ich nun besonders gut, weil ich mich mit dem Thema beruflich beschäftige? Die Klärung dieser Frage überlasse ich Ihrer Fantasie. Würde ich jedoch alle meine verflossenen und aktuellen Liebhaber dazu befragen, gäbe es sicherlich höchst unterschiedliche Antworten. Für den einen war es mit mir großartig, für den anderen geht so bis zu „kann mich gar nicht an sie erinnern“. ;-)

Anja Drews – Diplom-Sexualpädagogin für ORION

Quellen: brigitte.de & alltagsforschung.de

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