Allergiebehandlung: Expertentipps gegen die Beschwerden

Wenn die Abwehr plötzlich verrücktspielt

Es ist das Volksleiden unseres Jahrhunderts. Immer mehr Menschen reagieren mit Niesen, Schnupfen und roten Augen auf Pollen, Tierhaare oder Hausstaubmilben. Glücklicherweise gibt es Möglichkeiten zur Allergiebehandlung. Unser Experte Prof. Jens Schreiber, Facharzt für Innere Medizin, Pneumologie, Allergologie, Schlafmedizin und Umweltmedizin an der Uniklinik für Pneumologie in Magdeburg, beantwortet die wichtigsten Fragen dazu.

Wie entstehen Allergien?

„Dabei handelt es sich um eine Überreaktion des Immunsystems. Es hält eigentlich harmlose Substanzen für eine Gefahr und bekämpft sie mit allen Mitteln.“

Kann man Allergien vorbeugen?

„Es gibt zurzeit vielfältige wissenschaftliche Bemühungen, die Entstehung einer Allergie zu verhindern. Wenn sie allerdings schon vorliegt, setzt man sich im besten Fall seinen Allergenen gar nicht erst aus. Aber das ist im Alltag ziemlich schwierig: Bei einer Pollenallergie fliegen kleinste Mikropartikel in der Luft herum. Da gibt es kaum ein Entkommen. Bei anderen Allergenen wie Tierhaaren oder Hausstaubmilben sollte der Kontakt strikt vermieden werden.“

Ist eine Allergie erblich?

„Grundsätzlich kann man jederzeit eine Allergie entwickeln. Haben beide Elternteile eine Allergie, ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass auch die Kinder erkranken. Erhöhter Stress, übermäßige Hygiene, einseitige Ernährung oder Luftverschmutzung können ebenfalls verantwortlich sein.“

Helfen nur Medikamente zur Allergiebehandlung?

„Eine medikamentöse Therapie als Allergiebehandlung ist die Basis, um überhaupt mit einer Allergie leben zu können. Sie heilen die Krankheit zwar nicht, aber sie lindern Beschwerden und verhindern, dass ein Etagenwechsel passiert – dass aus dem Heuschnupfen etwa allergisches Asthma wird.“

Gibt es dauerhafte Heilung?

„Eine Immuntherapie ist die einzige Möglichkeit, eine Allergie dauerhaft zu mildern oder sogar loszuwerden. Das funktioniert nach einer Art Impf-Schema – dabei wird den Betroffenen das entsprechende Allergen in allmählich steigender Dosis als Tablette, Spritze oder Tropfen verabreicht. So gewöhnt sich das Immunsystem an den allergieauslösenden Stoff und reagiert mit der Zeit immer weniger empfindlich, sodass am Ziel der Behandlung allergietypische Reaktionen sogar komplett ausbleiben können. Die Desensibilisierung dauert allerdings bis zu drei Jahren – aber sie wirkt.“

Die häufigsten Allergietypen

Inzwischen gibt es mehr als 20.000 Substanzen, die als Allergene infrage kommen. Der Allergologe hat oft Detektivarbeit vor sich, um den Allergietypen zu bestimmen.

Pollen

Mehr als 16 Millionen Deutsche reagieren allergisch auf eine oder mehrere der rund 20 Pollenarten bei uns. Von März bis in den November hinein werden sie von tränenden Augen, Schnupfen und Niesanfällen gequält. Fast jeder dritte Heuschnupfen-Patient hat zusätzlich allergisches Asthma.

Hausstaubmilben

Das Spinnentier lebt in Betten, Teppichen, Vorhängen, Kuscheltieren … Betroffene reagieren auf den Kot der Milben. Viel lüften, wischen und Staubfänger entsorgen.

Nickel & Latex 

Typisch für Kontaktallergien sind juckende Ekzeme. Betroffene klagen über rote Stellen auf der Haut, wenn sie mit Latex oder Nickel in Kontakt kommen. Sie müssen bei Modeschmuck, Armbanduhren und Verschlüssen aufpassen, manchmal sogar bei Türklinken.

Insektenstiche

Das Gift von Bienen- und Wespenstichen kann zu lebensgefährlichen allergischen Reaktionen wie einem Kreislaufzusammenbruch führen, das ist der so genannte anaphylaktische Schock. Betroffene sollten stets ein Notfallset bei sich haben.

Tierhaare

Rote und juckende Augen, Niesreiz, Schnupfen – das sind die Symptome. Meistens sind Katzenhaare der Auslöser, seltener Hundehaare. Was hilft? Auf das Haustier verzichten, denn auch gründlichstes Putzen reicht nicht, um die Tierhaar-Allergene zu entfernen.

Kreuzallergie 

Pollenallergiker reagieren immer öfter auch auf Eiweiße im Essen, die den Eiweißen in den Pollen ähneln. Wer zum Beispiel auf Frühblüher wie Birke, Erle oder Hasel reagiert, weist meist auch Unverträglichkeiten bei Äpfeln, Pflaumen, Pfirsichen, Kirschen, Nüssen und Mandeln auf – das betrifft mehr als jeden zweiten Heuschnupfen-Geplagten. 

Beifußpollen-Allergiker reagieren auf Kräuter, Gewürze, besonders Sellerie. Die Symptome sind Rötungen, Juckreiz, Schwellungen im Gesicht, Koliken und sogar Atemnot, manchmal kommt es auch zu bedrohlichen Herz-Kreislauf-Reaktionen.

Wer also nach dem Genuss von Obst oder Nüssen diese Symptome bei sich erkennt, der sollte sofort zum Allergologen gehen. Die gute Nachricht ist, dass schon Schälen oder Kochen der Früchte die auslösenden Allergene verschwinden lassen. Die wachsende Zahl der Kreuzallergiker hängt auch mit globalisierten Ernährungstrends zusammen. Viele neue Allergene, die es bislang bei uns nicht gab, gehören plötzlich zur Ernährung. Drachenfrüchte sind starke Auslöser, ebenso der Viktoriabarsch. Hier hilft die Immun-Therapie.


 

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