Verbotene Liebe: Verheimlichen, verschweigen, verzweifeln

Wenn die Liebe hinfällt, wo sie nicht hingehört

Es könnte so einfach sein. Ist es aber nicht. Wie oft geraten wir an den Falschen, den Unerreichbaren - oder lassen, verliebt bis zum Gehtnichtmehr, einfach den Dingen ihren Lauf? Dann sind alle Regeln hinfällig, und wir verstricken uns in eine Beziehung, die uns und andere nur unglücklich macht. 

Karin* (52) aus Koblenz: „Ich war auf den ersten Blick verliebt - in meinen Chef!“

„Die erste Begegnung mit Bernhard werde ich nie vergessen. Ich hatte eine Woche vorher als Assistentin in der Marketingabteilung seiner Firma angefangen, er war im Urlaub. Als er zurückkam, begrüßte er jeden per Handschlag. Ich schaute ihm in die Augen, und ein Bienenschwarm sauste durch meinen Bauch. Wirklich wie in einem kitschigen Film. Und ich dachte: ,Verdammt. Er ist doch der Chef. Das geht nicht!‘

Mein Kopf riet mir, ihm aus dem Weg zu gehen, aber ich spürte diese magische Anziehungskraft. Schwer zu beschreiben. Vielleicht, weil er so unerreichbar war. Weil es etwas Verbotenes war. Jedes Mal, wenn er mich zu einer Besprechung hereinrief, wurden unsere Gespräche privater. Ich erzählte, dass ich mich vor einem halben Jahr von meinem Freund getrennt hatte, er davon, dass er für Frauen eigentlich gar keine Zeit habe. Nach einem Monat lud er mich zum Abendessen ein. Mein Bauch sagte Ja, mein Verstand warnte mich.

Es war so unglaublich aufregend, es knisterte, und natürlich landeten wir irgendwann in meinem Bett. Danach sagte er, er wolle aber nicht, dass es im Betrieb irgendwer erfährt. Das wollte ich auch nicht. Aber bei mir schwang das Gefühl mit, dass er mich nur als Abenteuer betrachtete. 

So ging es monatelang. Wir redeten, hatten Sex. Zweimal pro Woche verabschiedeten wir uns im Büro förmlich und fielen eine Stunde später übereinander her. Und dann fing die neue Marketing-Chefin an. Tja, was soll ich sagen: Da durfte ich zuschauen, wie es bei ihnen genauso lief und ich ausgetauscht wurde. Ich fühle mich benutzt. Aber verliebt bin ich noch immer. Leider.“

Marlene* (56) aus Augsburg: „Ich habe ein absolutes Tabu gebrochen“

„Meine Schwester Karla hat vor fünf Jahren ein zweites Mal geheiratet. Kurz darauf trennte sich mein Mann von mir. An Karlas erstem Hochzeitstag half ihr Mann Jan mir beim Umzug. Er war für vier Tage bei mir und schlief auf dem Sofa. 

Eben dieser Hochzeitstag brachte uns dazu, über Beziehungen und Gefühle zu sprechen. Ich entdeckte Seiten an ihm, die ich nicht kannte. Er war einfühlsam, interessiert, intelligent und lustig. Was für ein toller Abend! Plötzlich spürte ich: Ich war verliebt. Jan ging es genauso. Dann geschah das Undenkbare: Wir hatten Sex. Von dem berauschenden Gefühl war am nächsten Morgen nichts mehr zu spüren. Es war die totale Ernüchterung. Was hatten wir da nur getan? Ich hatte ein absolutes Tabu gebrochen. Ich fühlte mich hundeelend. Jan ging es nicht besser. ,Das hat Karla nicht verdient‘, sagte er. ,Aber ich habe mich in dich verliebt.‘

Jan fuhr die 150 Kilometer heim zu Karla. Wir wollten keine Beziehung, keine Affäre, keinen Kontakt – wir wollten vernünftig sein. Ich vermisste ihn so unglaublich. Aber ich konnte doch nicht meine Schwester unglücklich machen, gleich doppelt: Mann weg, Schwester weg. Unmöglich. Einen Monat später stand Jan vor der Tür: ,Ich will nicht ohne dich.‘ Und jetzt? Das wissen wir bis heute nicht. Jan ist Handelsvertreter und kommt regelmäßig bei mir vorbei. Wir wissen beide, dass es nicht richtig ist. Wir fühlen uns manchmal ganz schlecht, aber genießen einfach die Zeit miteinander. Es ist so leicht mit ihm. Ich kann einfach nicht loslassen.“

Unglücklich verliebt: Warum passiert das? 

Paarberater, Single- und Parship-Coach und Autor des Buchs „Beziehungsweise“ Eric Hegmann weiß Rat.

Wie kann es passieren, dass man sich so absolut falsch verliebt?

„Auf den Satz ,Ich gerate immer an die Falschen‘ frage ich in der Beratung: ,Meinen Sie nicht, die wählen Sie vielleicht selbst aus?‘ Das kann zwar Pech sein – aber auch ein Muster. Dann lohnt ein Blick auf die Gründe und Ursprünge dieses Schemas.“

Reizen uns die unerreichbaren Männer vielleicht ganz besonders?

„Etwas Jagdtrieb kennen Frauen und Männer. Aber es ist am Ende eine Frage des Selbstwertgefühls: Haben Sie es wirklich nötig, sich darauf einzulassen? Dahinter kann eine unbewusste Angst vor Bindung stecken, denn die erfolgreichste Strategie, keine Beziehung eingehen zu müssen, ist, sich auf Unerreichbare einzulassen.“ 

Wie schafft man am besten den Absprung aus solchen unglücklichen Beziehungen?

„Am besten ist es, das Muster bereits bei der Partnerwahl zu durchbrechen. Sie winken auch nicht nach einem besetzten Taxi. Und wenn Sie an einen solchen Mann geraten, fragen Sie sich doch einfach mal, ob Sie sich nicht vielleicht unter Ihrem Wert verkaufen. Und dann gehen Sie.“

*Namen und Orte zum Schutz der beteiligten Personen verändert, Szenen nachgestellt

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