Frühes Mutterglück, spätes Mutterglück? Der richtige Zeitpunkt zum Kinderkriegen

Kinder kriegen? Ja! Aber wann?

Ein Baby mit 20: Marietta wurde bereits zu Beginn ihres Studiums mit der kleinen Frieda schwanger. Für sie noch immer genau der richtige Zeitpunkt.  Anita (33) hatte die Schwangerschaft nicht geplant. Dennoch ist Justus (3) das größte Geschenk für sie. Kristine (54) wäre gerne früher schwanger geworden. Doch mittlerweile sieht sie viele Vorteile im späten Mutterglück.

Kaum ein Thema wird unter Frauen und Paaren so heiß diskutiert, wie der einzig wahre Zeitpunkt für das Projekt Baby. Aber gibt es den eigentlich? Hier erzählen drei Frauen von ihrem Mutterglück mit 20, 30 und 40 plus.

Familienplanung ist ein großes Thema. Vergessen darf man dabei aber nicht: Vieles ist gar nicht so planbar, wie wir es gerne hätten. Und das ist auch gut so. Denn DER perfekte Zeitpunkt für ein Kind existiert nicht. Auf der einen Seite gibt es Paare, die recht früh Nachwuchs in die Welt setzen. Auf der anderen Seite sind die Frauen und Männer, die erst mal im Beruf durchstarten oder viel Zeit in Hobbys investieren möchten. Und manche Paare finden sich erst mit über 40. Glaubt man allerdings den Statistiken, sollte Frau mit 29 Jahren ein Kind in die Welt setzen, entspricht das doch dem deutschen Durchschnitt. Und die „magische Grenze“ liegt bei 35+, denn dann gilt Frau als „risiko-schwanger“. Letztlich sind diese Altersangaben aber nicht mehr als Zahlen. Sicher, was die Fruchtbarkeit angeht, unterliegt der Organismus im Alter gewissen Veränderungen. Die Möglichkeit, Kinder zu zeugen, ist aber sehr individuell. Genauso wie der Lebensweg eines jeden Menschen.

Marietta (22) & Frieda (2): „Das Studium ist der perfekte Zeitpunkt“

„‚Willst du nicht warten, bis du dein Studium beendet hast?‘ Ich kann gar nicht zählen, wie oft mir diese Frage gestellt wurde. Mein Mann Tim und ich waren uns sofort einig, dass wir früh Kinder bekommen wollen. Wir haben beide selber recht junge Eltern und finden das ganz cool. Warum also nicht schon im Studium mit der Familienplanung beginnen? Auch wenn Freunde und Familie skeptisch waren, wurde ich im ersten Semester schwanger, da war ich 19. Für uns ist das Studium einfach der ideale Zeitpunkt fürs Kinderkriegen. Als Studentin kann ich bestimmen, wann ich arbeite und wie lange. Zudem bekomme ich länger BAföG. Ebenfalls praktisch: Unsere Universität hat eine eigene Kita. Was ich auch ziemlich gut finde: Wenn ich mit dem Studium fertig bin und voll ins Arbeitsleben einsteige, ist Frieda schon recht selbstständig. Tim und ich würden uns auf jeden Fall wieder so entscheiden.“

Anita (33) & Justus (3): „Ich vergaß die Pille – da ist es eben passiert“

„Kinder fand ich immer laut, dreckig und anstrengend. Bei unserem Kennenlernen 2009 habe ich Bastian direkt gesagt, dass Babys in meiner Zukunftsplanung keine Rolle spielen. Ich liebte Reisen, meinen Job in der Buchhand- lung und meine Freiheit. Für ihn war das kein Problem. Vor ein paar Jahren machten wir Urlaub in Italien. Wir waren viel unterwegs, es war sehr aufregend. Bei all den Eindrücken passierte es: Ich vergaß eines Morgens, die Pille zu nehmen. Zurück in der Heimat war mir schwindelig, und meine Tage blieben aus. Die Frauenärztin bestätigte mir dann, was mir niemals in den Sinn bekommen wäre: Ich war schwanger. Bastian war total begeistert. Meine Freude hielt sich in Grenzen, eine Abtreibung kam aber nicht infrage. Also ließ ich mich auf diese ganze Familien-Sache ein. Ich dachte mir: wenn nicht jetzt, wann dann? Bastian und ich verdienen nicht schlecht und waren schon seit Jahren miteinander glücklich. Was soll ich sagen? Justus ist das größte Geschenk, das mir das Leben machen konnte. Ich glaube jetzt, dass manche Dinge aus gutem Grund nicht so planbar sind und einfach passieren.“

Kristine (54) & Arabella (11): „Ich habe mich nie aus der Ruhe bringen lassen“

„Ob ich es geplant habe, so spät Mutter zu werden? Ganz und gar nicht. Ich wollte schon kurz nach Ende meiner Ausbildung schwan- ger werden. Doch das Leben hatte andere Pläne für mich. Denn der Traumprinz ließ einfach ewig auf sich warten. Erst mit 36 lernte ich Uwe kennen. Der erste Mann, mit dem ich mir wirklich eine Familie vorstellen konnte. Wir fackelten natürlich nicht lange mit dem Babymachen. Aber es wollte nicht klappen. Irgendwann hatte ich mich damit abgefunden, keine Kinder zu bekommen. Und zwei Jahre später hielt ich völlig perplex den positiven Schwangerschaftstest in den Händen. Ich freute mich wahnsinnig. Auch wenn einige Freundinnen und Verwandte mich recht ungläubig oder skeptisch beäugten, als ich ihnen die Neuigkeit erzählte. Ich verstehe nicht, warum über „ältere Mütter“ getuschelt wird. Ich glaube, dass sie eine gewisse Ruhe mitbringen, die Kindern richtig guttut.“

Tipps und Infos zum Thema: Risiko – späte Schwangerschaft

Dr. Margarita Kiewski, ist Gynäkologin aus Berlin. Hier beantwortet sie die wichtigsten Fragen rund um das Thema „späte Schwangerschaft“.

Wann ist der perfekte Zeitpunkt für ein Kind?

Das muss jedes Paar für sich entscheiden. Wenn wir die Sache aus biologischer Sich betrachten, ist ein Alter zwischen 20 und 35 optimal für eine Schwangerschaft.

Werden Frauen heute eher im späteren Alter Mütter?

Ja. Viele Frauen möchten zuerst beruflich Karriere machen und gute finanzielle Verhältnisse schaffen. Da wird der Kinderwunsch erst mal hintangestellt. Das erste Kind bekommen Frauen heute oft zwischen dem 30. und 40. Lebensjahr. 

Ab wann sinkt die Chance, schwanger zu werden?

Mit 25 hat eine Frau pro Zyklus noch eine etwa 30-prozentige Chance, schwanger zu werden. Mit 35 ist diese auf 25 Prozent gesunken, und mit 40 liegt sie bei fünf Prozent.

Welche Risiken birgt eine späte Schwangerschaft?

Ab einem Alter von etwa 40 kann es häufiger zu Komplikationen wie Bluthochdruck oder Diabetes kommen. Zudem ist das Risiko für eine Fehlgeburt mit zunehmendem Alter größer. Eine 40-jährige Schwangere hat ein doppelt so hohes Risiko.

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