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„Alles Gute zum Hochzeitstag!“

von Kristel Kane aus „Das Verlangen nach Rache“

Hart prasselte der Regen gegen die Windschutzscheibe. Die Scheibenwischer arbeiteten auf Hochtouren, um Bernd eine gute Sicht zu gewährleisten. Eine nervöse Spannung hielt den Abteilungsleiter gefangen. Widerwillig hatte er sich auf diese Fahrt eingelassen und fragte sich angestrengt, was sich hinter der mysteriösen SMS seiner Frau verbergen mochte...

Heute war ihr zehnter Hochzeitstag und Bernd hatte eigentlich damit gerechnet, dass sie das übliche Programm durchexerzieren würden. Einen Tisch bei Rossario bestellen und danach den obligatorischen, leidenschaftslosen Sex. Bernd war es egal. Er hatte sich damit abgefunden, dass das erotische Knistern aus seiner Ehe verschwunden war.

Seitdem der Nachwuchs auf der Welt war, lief es sowieso nicht mehr so recht im ehelichen Schlafzimmer. Der Abteilungsleiter hatte andere Mittel und Wege gefunden, seinen sexuellen Hunger zu stillen. Die Firma war groß genug, ihm ein ausreichendes Jagdrevier zu bieten. Immer wieder fand er willige Damen, die sich auf ein freiwilliges und fragwürdiges Abenteuer mit ihm einließen. Bernd hielt nichts von langwierigen und komplizierten Affären. Für ihn war die Ex- und Hopp-Nummer das Nonplusultra. Bisher hatte Sabine nichts von seinen kleinen amourösen Ausschweifungen mitbekommen. Oder möglicherweise doch?

Nachdenklich und leicht alarmiert bemerkte Bernd, wohin ihn sein Navigationsgerät brachte. Er näherte sich einem heruntergekommenen Industriegebiet und steuerte den Benz auf das Gelände einer verlassenen Fabrik. Argwöhnisch und vorsichtig folgte er den Markierungen, die seine Frau für ihn angebracht hatte. Offensichtlich lotste sie ihn in eine alte Produktionshalle.

Bernd fühlte sich mit einem Mal nicht mehr wohl in seiner Haut. Der anfänglichen Neugierde war Furcht gewichen. Er rechnete mittlerweile damit, dass seine Frau hinter seine zahlreichen One-Night-Stands gekommen war und ihn nun zur Rede stellen wollte. Dass das ausgerechnet auf einem leerstehenden und verlassenen Fabrikgelände stattfinden sollte, ließen seine Hoffnungen auf eine friedliche Aussprache im Keim ersticken.

Für einen kurzen, schockierenden Moment kam ihm der Gedanke, dass Sabine ihn hierher gelockt hatte, um ihn zu erschießen. Schweißperlen bildeten sich auf seiner Stirn. Er fühlte sich überhaupt nicht mehr wohl in seiner Haut. Angst schien ihn mit eiskalter Klaue zu umklammern und sein Herz zusammenzudrücken. Es fiel ihm schwer zu atmen. Der Stress, unter den er sich setzte, zeigte deutlich seine Auswirkungen.

Wie unter einem elektrischen Schock zuckte Bernd zusammen, als der Signalton seines Handys ertönte. Obwohl der Wagen nur Schrittgeschwindigkeit fuhr, brachte eine Vollbremsung das Fahrzeug abrupt zum Stillstand. Nervös fingerte Bernd nach seinem Telefon. Die innere Anspannung sorgte dafür, dass er mit dem kleinen technischen Gerät kämpfte. Es schien ihm unmöglich, es zu öffnen und die erhaltene Nachricht zu lesen. Rasch wischte er sich über die Augen, um wieder einen klaren Blick zu bekommen.

„Steig aus und komm auf die obere Etage. Beeil dich.“

Bernd war einem Herzanfall nahe, als er die SMS las. Für ihn bestand kein Zweifel mehr daran, dass Sabine alles wusste. Er meinte zu wissen, dass der Tag der Abrechnung gekommen war und er zur Rechenschaft gezogen wurde. Doch musste dies unbedingt an ihrem Hochzeitstag geschehen? Bernd zuckte mit den Schultern. Im Grunde genommen war dieser Tag wie geschaffen dafür. Schließlich hatte er ihr vor zehn Jahren die ewige Treue geschworen. Welcher Moment konnte noch passender sein als dieser?
Bernd musste sich entscheiden. Sollte er sich als Mann beweisen und es wagen, dem Ungeheuer gegenüberzutreten, oder sollte er lieber Bleifuß geben und einfach davonstürmen? Obwohl ihm seine innere Stimme geradezu entgegenschrie, sich für die zweite Möglichkeit zu entscheiden, öffnete Bernd die Autotür und stieg aus.

Tief atmete er durch und versuchte sich innerlich Mut zu machen. Es konnte keineswegs so schlimm werden, wie er es sich in seinen furchtbarsten Träumen ausgemalt hatte. Was sollte Sabine ihm gegenüber schon ausrichten? Sie war ihm körperlich unterlegen. Alles, was er zu befürchten hatte, war eine alberne Szene und die hysterische Forderung nach einer Scheidung. Keinesfalls würde es zu handgreiflichen Ausschreitungen kommen. Das wäre geradezu lächerlich.
Bernd hatte zu seiner bewerten Form zurückgefunden und amüsierte sich mittlerweile über den Gedanken, dass seine Frau ihm eventuell den Hintern versohlen würde. Das süffisante Grinsen auf seinem Gesicht zeigte deutlich, dass ihm dieser Gedanke nicht unangenehm war. Endlich mal was anderes. Leichten Schrittes fand er seinen Weg über die alten, dreckigen Treppen nach oben.

Ein nahezu leerer Raum empfing ihn. Vermutlich waren hier früher einmal die Büros gewesen. Doch davon war nichts mehr zu erkennen. Die Wände waren herausgetrennt worden und zurückgeblieben war eine offene Etage.
Es stimmte nicht ganz, dass der Raum vollkommen leer war. Ziemlich mittig befand sich ein einzelner alter Schreibtisch, auf dem eine brennende Lampe stand und ihr trübes Licht abgab. Dahinter befand sich ein Bürostuhl und in einigem Abstand ein Besucherstuhl. Zu seiner Verwunderung konnte Bernd keine Spur von seiner Sabine entdecken. Erneut zuckte er zusammen, als er den Signalton seines Handys vernahm. In diesem kargen Gebäude hallte das Geräusch unverhältnismäßig laut wider. Rasch öffnete Bernd das Gerät.

„Setz dich auf den Besucherstuhl und warte.“

Bernd spürte erneut Angst in sich aufsteigen. Er sträubte sich gegen die Aufforderung.
„Sabine, das ist lächerlich. Was willst du von mir? Komm und zeig dich.“
Er hatte sich bemüht, seiner Stimme einen festen Ton zu verleihen, doch die schlechte Akustik im Gebäude vernichtete den erhofften Effekt. Suchend drehte sich Bernd um in der Hoffnung, seine Frau zu entdecken.
Erneut ertönte sein Handy.
„SETZ DICH!“
Bernd gab nach. Er setzte sich mit Widerwillen auf den Besucherstuhl und hatte das unbestimmte Gefühl, sich ausgeliefert zu haben.
Laut hallten die Schritte von Stöckelschuhen wider. Bernds Unruhe wuchs, doch er wollte sich nichts anmerken lassen und blieb starr sitzen. Obwohl es ihm schwerfiel, drehte er sich nicht in die Richtung, aus der die Schritte zu vernehmen waren. Sabine näherte sich ihm von hinten. Bernd atmete tief aus, als sie sich zu ihm hinunterbeugte und ihm mit verführerischer Stimme ins Ohr hauchte.
Noch bevor Bernd begriff, was Sabine gemeint haben konnte, spürte er, wie die Handschellen um seine Handgelenke zuschnappten. Bernd wollte sich beschweren. Doch bevor auch nur ein Wort über seine Lippen kommen konnte, hatte sich Sabine vor ihn gestellt und legte ihm einen Finger auf den Mund. Verwundert blickte Bernd sie an und schwieg. Er wartete ab. Er wollte sehen, was sie im Schilde führte.
Langsam bewegte sich Sabine rückwärts von ihrem Bernd fort. In ihrem Blick lag etwas, das er seit langer Zeit vermisste: Leidenschaft!
Sabine erreichte den Schreibtisch und setzte sich auf dessen Kante. Abwartend schaute sie Bernd in die Augen, so als suche sie nach der letzten Bestätigung, ihren Plan in die Tat umzusetzen. Langsam ließ sie ihre Hand in der Tasche des Trenchcoats verschwinden. Erst jetzt fiel Bernd auf, dass sie diesen Mantel trug, und stellte automatisch die Verbindung zu den klassischen Kriminalfilmen aus den 50er-Jahren her. Allerdings rechnete er nicht mehr damit, dass sie eine Pistole in ihrer Tasche verborgen hielt und diese nun auf ihn richten würde. Nein, Sabine hatte offensichtlich ganz andere Absichten.
Es amüsierte die Frau, als sie die erschrockene Reaktion ihres Gatten bemerkte. Bernd zuckte augenblicklich zusammen. Die ersten Töne aus der Stereoanlage erklangen. Relativ laut dröhnte die Musik aus den Lautsprechern.
Allerdings wurde das zur Nebensache. Bernds ungeteilte Aufmerksamkeit galt Sabine. Sie hatte sich elegant von der Schreibtischkante abgestoßen und begann aufreizend zu tanzen. In einer einstudierten Tanzszene öffnete sie langsam den Mantel und gab den Blick auf ihren nackten Körper frei.
Sabine verzichtete darauf, den Mantel abzulegen. Stattdessen benutzte sie ihn als Spielzeug. Nie war ihr gesamter nackter Leib entblößt. Bernd konnte immer nur Details erhaschen und Sabine war die Regisseurin seines wachsenden Verlangens. Geschickt wedelte sie mit dem Mantel herum. Ihre Provokationen nahmen zu. Mit spielerisch anmutender Leichtigkeit legte sie sich auf die Schreibtischplatte und warf die Beine in die Höhe. Für einen kurzen, aber unvergesslichen Moment ruhte Bernds Blick auf der Scham seiner Frau. Der glänzende Film verriet ihm ihre eigene Erregung.
Wenn er ehrlich war, hatte er sich die Mitte seiner Frau seit einer unverzeihlich langen Zeit nicht mehr angesehen. Doch dieser kurze Augenblick reichte aus, um ihn wieder an all die wilden und verrückten Sexspiele der Vergangenheit zu erinnern. Schmerzhaft musste Bernd feststellen, dass sein Verlangen vorerst nicht gestillt werden würde. Die Erektion, die sich in seiner Anzughose aufzurichten versuchte, wurde durch den eng anliegenden Slip davon abgehalten. Sabine schien von seiner Verzweiflung nichts zu bemerken oder sie überging sie. Aufreizend stöckelte sie auf Bernd zu und stellte sich provokativ vor ihn. Der geöffnete Mantel gestattete ihm einen winzigen Blick auf ihre vollen Brüste und eine erregend-kurze Sicht auf Sabines Dreieck.
Zu gern hätte er sie um die Hüften gegriffen und sie zu sich herangezogen. Bernds Verlangen befand sich auf dem Höhepunkt. Er wollte seine Frau. Hier und jetzt …
Sabine drehte sich um und präsentierte ihm ihre Rückseite. Sie beugte sich nach vorn und gab so den Blick auf ihren nackten Po und ihren Venusmund frei.
Ihr Mann atmete scharf aus. Der Anblick gab ihm den Rest.
Sabines liebesbereite Vagina vor sich zu sehen, machte ihn wild.
Unbeherrscht zerrte er an seinen Fesseln und bemerkte zunächst nicht, dass er sie dadurch nur enger machte. Bernds Aufmerksamkeit konzentrierte sich einzig und allein auf die rote Verführung vor ihm. Er musste seine Frau einfach haben!
Sabine schien seine Gedanken zu erraten. Langsam streifte sie den Mantel ab und stand vollkommen nackt vor ihm. Bernds Blick glühte. Wie streichelnde Hände glitten seine Augen über jeden Zentimeter des nackten Leibes. Was würde er darum geben, dass sie endlich seinen Penis aus der Anzughose befreite und sich langsam auf ihn setzte! Es war ihm, als könnte er bereits die warme Höhle ihrer Weiblichkeit spüren.
Bernd seufzte auf, als sich Sabine langsam zu ihm schob und tatsächlich auf seinem bekleideten Schoß Platz nahm. Sie war so dicht vor ihm, dass er ihren Duft wahrnehmen konnte. Es war der Geruch einer Frau, die vor Verlangen bebte.
Verzweifelt bemühte sich Bernd, seine Lippen um die harten Brustwarzen zu legen, die sich so nahe vor ihm befanden. Doch so sehr er sich auch anstrengte – es gelang ihm nicht.
Bernds sexuelle Aufregung verlangte nach Befriedigung. Es fiel ihm schwer, seine Erregung zu zügeln, und er bedrängte Sabine, ihn zu befreien. Sie sollte seine Handschellen aufschließen, damit sie sich endlich vereinigen konnten. Er versprach ihr ein ebenso unvergessliches Erlebnis, wie sie es ihm bereits beschert hatte.
Bernd brüstete sich damit, dass er für einen Höhepunkt sorgen würde, der sie zum Schreien brachte. Er nahm kein Blatt vor den Mund und versuchte immer wieder, ihre Brüste mit seinen Lippen zu berühren.
Zärtlich presste sich die nackte Sabine gegen ihn und hauchte ihm sinnlich ins Ohr.
„Ich denke nicht, dass du dieses Versprechen erfüllen kannst. Von deinen anderen Geliebten weiß ich, dass du eine große Enttäuschung im Bett bist.“
Rasch schwang sie ihren Oberkörper zurück und erwiderte seinen ungläubigen Blick. Er begriff immer noch nicht ganz, was eben passiert war. Er glaubte weiterhin daran, seine Frau mit billigen Sprüchen herumzubekommen.
Plötzlich und unvorbereitet für Bernd drückte sie sein Gesicht zwischen ihre Brüste. Schnell zog sie sich wieder zurück und blickte ihren Mann ernst an.
Das, mein Lieber, ist das Einzige, was du heute Nacht von mir bekommst.“
Irritiert starrte er sie an.
„Meinst du im Ernst, dass ich es nicht bemerkt hätte, wie du mich all die Jahre betrogen hast? Ich wollte dir heute an unserem zehnten Hochzeitstag nur einmal vor Augen führen, was du all die Zeit verschmäht hast. Sei ehrlich, du hast mich für langweilig gehalten und dennoch hast du dich vorhin nach mir verzehrt.“
Bernd nickte nur. Er war nicht fähig zu sprechen.
„Lass dir das heutige Erlebnis eine Lehre sein.“
Sie funkelte ihn finster an.
„Ich kann auch anders.“
Langsam kletterte sie von seinem Schoß, bückte sich provokant vor ihm und hob den Trenchcoat auf. Dann hängte sie den Mantel lässig über einen Finger und ließ das Kleidungsstück auf ihren Rücken fallen.
Erneut drehte sie sich zu ihm herum und gewährte ihm einen ungehinderten Blick auf ihren wohlgeformten Körper.
„Übrigens bist du nicht der Einzige, der sich einen Seitensprung erlaubt hat.“
Bernd versuchte seinen Kopf in die Richtung zu drehen, aus der er neue Schritte auf sich zukommen hörte. Doch es war ihm unmöglich. Er musste abwarten.
Aber lange wurde er nicht auf die Folter gespannt. Die mysteriöse Gestalt stellte sich nicht nur neben Sabine, sondern nahm sie liebevoll in den Arm und schmiegte sich verliebt an sie.
Bernds Augen wurden groß.
„Claudia?“
Ungläubig hauchte er den Namen seiner Sekretärin. Noch begriff Bernd nicht recht, was sie hier machte. Doch als sich die beiden Frauen vor seinen Augen küssten, fiel auch bei ihm der Groschen.
Seine Frau und seine Ex-Exgeliebte hatten sich nicht nur gegen ihn verschworen, sondern offensichtlich noch eine Affäre miteinander.

Doch der schlimmste Teil der Rache sollte für Bernd noch folgen. Die beiden Frauen kehrten ihm den Rücken zu und ließen den gefesselten und verzweifelten Mann allein zurück.

Alles Gute zum Hochzeitstag!“ von Kristel Kane aus „Das Verlangen nach Rache“ verlegt durch: ORION / Carl Stephenson Verlag