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Die verflixten Vaginafürze: Fünf vermeintliche Tipps

Was hilft bei „Flatus Vaginalis“?

Oh nein, nicht schon wieder! Alles ist so wunderbar, er liebt sie mit der ganzen Kraft seiner Lenden, stößt hinein, zieht sich zurück, stößt wieder - da entweicht unaufhaltsam mit lautem Geräusch die Luft aus der Vagina. Oder noch unangenehmer, bei analen Spielereien aus dem Anus! Das ist deswegen noch eine kleine Steigerung, weil man ja gar nicht mehr weiß, um welche Sorte Luft es sich da handelt: Durch das Liebesspiel hineingepumpte Luft oder doch eher die Winde aus dem Verdauungstrakt? Beide schweigen betreten. 

Nicht jeder weiß in dem Moment sofort, dass es sich bei dieser Art Furz, im Medizinermund auch „Flatus Vaginals“ genannt, um ein Nebenprodukt des Liebesaktes handelt. Denn was hinein gelangt, muss bekanntlich auch wieder heraus. Und das tut es in diesem Fall vornehmlich unter lauten Geräuschen. Erfahrene Liebhaber und Liebhaberinnen lächeln darüber und machen einfach weiter. Aber für Anfänger oder frischverliebte Paare ist das ein schwieriges Feld. Was tun?

Furzvermeidung führt zu vermindertem Spaß

Zum Glück gibt es ja für alles gute Ratschläge. So natürlich auch hier. Aber sind diese Tipps auch sinnvoll? Ich habe das einmal für Sie hinterfragt.

1.    Hilft es, wenn die Partnerin oben liegt?

Die Frau solle oben liegen und könne sich dadurch so bewegen, dass „keine Lücke entstehe“ und auf diese Weise auch keine Luft in sie hinein gestoßen werde. Das würde also bedeuten, dass die Reiterstellung für zarte Gemüter in Zukunft die einzige Position bliebe. Und auch in der Bewegungsfreiheit wären wir dann stark eingeschränkt. Den Hintern bloß nicht zu weit nach oben bewegen, damit der Penis ja nicht das Licht der Welt erblickt. Denn dann könnte ja doch Luft in die Vagina gelangen. 

Ich würde sagen, diese Gedanken führen zu verkrampften Bewegungen und verkrampfen ist nun wirklich nicht lustfördernd. Keine Fürze gegen keine Lust. Hm. Ich wüsste, wofür ich mich entscheiden würde.

2.    Hilft es, wenn er seinen Penis nicht zu weit heraus zieht?

Er dürfe seinen Penis natürlich umgekehrt auch nicht zu weit herausziehen, heißt es. Denn auch das fördert das Hineinpressen der Außenluft in die Vagina. Oder in den Anus. 

Ja, da ist schon etwas dran. Aber ist gerade diese Bewegung nicht auch etwas, das zum Sex dazu gehört? Ganz raus, ganz rein? Herrlich lange Bewegungen? Soll man sich wirklich zurücknehmen, nur um eventuelle Unannehmlichkeiten zu vermeiden?

3.    Hilft es, zwischendurch einen Finger in die Vagina zu stecken?

Der nächste Tipp ist auch nicht viel besser: Einer von beiden solle zwischendurch immer mal wieder einen Finger in die Vagina stecken. Dadurch könne angestaute Luft entweichen. Kontrollierter Druckausgleich sozusagen. 

Wow, das hört sich richtig erotisch an. „Warte kurz, ich muss Druck ablassen.“ Pffffffft. Wie bei einer schon fast leeren Luftmatratze entweicht nahezu lautlos die unerwünschte Luft. Oder wie bei einem Einmachglas. Das macht immerhin nur plopp. Wie weit muss denn der Finger eigentlich hinein? Und wann genau? Außerdem steckt ja auch schon der Penis drin. Beim Anus stelle ich mir das richtig lustig vor. Doppel-Penetration sozusagen.

4.    Hilft sanfter Sex?

Ok, zur Furz-Vermeidung brauche es sanften Sex, heißt es weiter. Denn durch wildes und aggressives Hineingestoße, tief und schnell, steige die Wahrscheinlichkeit der Luftentweichung. 

Stimmt zwar, aber schade, manchmal macht doch gerade diese Art von Sex so richtig viel Spaß! „Nimm mich, fick mich“ gehört somit der Vergangenheit an. Wieder Spaßvermeidung, um bloß jeder möglichen Peinlichkeit aus dem Weg zu gehen?

5.    Hilft es, das Gesicht nicht tiefer als den Po zu haben?

Für Frauen gibt es noch einen weiteren Tipp: Ja nicht das Gesicht tiefer als den Po haben. Dadurch komme mehr Luft in die Körperöffnung. 

Warum das so sein soll, kann ich mir physikalisch nicht erklären. Küssen in der Reiterstellung ist also nicht, denn da könnte tatsächlich der Po höher sein. Anderseits darf sie sich mit der Hüfte ja ohnehin nicht zu weit nach oben bewegen, denn dann könnte der Penis zu weit herauskommen, was wiederum zur Luftvermehrung führt (s. Tipp 1). Und Achtung: Auch wenn sie sich bei der Hündchenstellung auf den Unterarmen abstützt, geht der Po nach oben und das Gesicht nach unten. Aber das ist auch egal, denn diese Stellung ist ja ohnehin nicht mehr möglich. 

Lasset die Luft entweichen und habet Spaß!

Was lernen wir also daraus? Vaginafurz-Vermeidung ist gut fürs Ohr, aber schlecht für die Lust. Das lenkt ab und lässt Sex zum kontrollierten Spaß werden. Und kontrollierter Spaß ist niemals lustig. Ja, ich weiß, so ein Furz kann wirklich peinlich sein und man möchte das möglichst vermeiden. 

Aber das, was hier vorgeschlagen wird, sind keine ernsthaften Lösungen! Denn es macht überhaupt keinen Sinn, dass wir bei aller Leidenschaft auch noch genau darauf achten, ja keine Geräusche von uns zu geben. Das gehört zum Sex dazu! Sex ist nun einmal keine klinisch saubere Angelegenheit. Dann dürften wir auch nicht schwitzen, intime Körperflüssigkeiten produzieren, im Analbereich herumexperimentieren oder wie ein Hirsch röhren. Und je wilder es zugeht, desto lauter werden wir in jeder Hinsicht. Und es ist ja auch nicht so, dass unsere Vagina ganz von allein Geräusche macht. Offensichtlich sind daran zwei Menschen ziemlich aktiv beteiligt. 

Wichtig ist deshalb vor allem, dass wir uns dieser körperlichen Vorgänge bewusst sind. Nur dann können wir selbstbewusst damit umgehen und über die kleinen körperlichen Unannehmlichkeiten gemeinsam lachen.

Anja Drews – Diplom-Sexualpädagogin für ORION
 

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Sex