Wenn Männer Schmerzen beim Sex haben

Die Ursachen sind vielfältig

Schmerzen beim Sex? Das ist wahrlich nicht nur ein Frauenthema. Auch Männer sind davon betroffen. Rücken- oder Knieschmerzen zum Beispiel. Da müsste man über gelenkschonende Stellungen nachdenken. Oder Muskelkater hinterher. Dann wäre vielleicht insgesamt mehr Sport angesagt. Wenn wir uns jedoch den Penis und dessen nähere Umgebung betrachten, können noch ganz andere Ursachen dahinter stecken.

Manche Schmerzen treten hier unabhängig vom Sex auf, andere sind chronisch und die nächsten wiederum verspürt ein Mann womöglich nur beim Geschlechtsverkehr. Männer holen sich jedoch nicht so gern ärztlichen Rat. Oft steckt die Angst dahinter, es könne etwas wirklich Schlimmes dabei herauskommen. Dann auch noch über Sex sprechen zu müssen, ist vielen peinlich. Also halten sie lieber durch. Aber egal, um welche Art von Schmerzen es sich handelt, sollte doch ein Arzt oder eine Ärztin aufgesucht werden. In den meisten Fällen ist leicht Abhilfe zu schaffen. Zusätzlich gefährlich: Die Schmerzen wirken sich auf das sexuelle Erleben aus und können bis in die Depression führen. Dagegen ist ein ärztliches Gespräch doch fast harmlos.

Vorhautverengung (Phimose)

Beim Geschlechtsverkehr oder auch bei der Selbstbefriedigung wird die Vorhaut, sofern sie noch vorhanden ist, immer wieder über die Eichel vor- und zurückgezogen. Bei einer Vorhautverengung kann dies schmerzhaft bis unmöglich sein. 95 Prozent aller Jungen kommen mit einer natürlichen Phimose (primäre Phimose) zur Welt. Das ist also nichts Ungewöhnliches. Die Verengung hat sogar einen Sinn, denn sie schützt Eichel und Harnröhre vor Krankheitserregern. Mit drei Jahren hat sich die Haut bei vier Fünfteln aller Jungen von allein geweitet und lässt sich dann problemlos zurückziehen. Es ist wichtig, diesen Prozess abzuwarten und die Vorhaut nicht gewaltsam zu dehnen. Denn dies könnte zu Verletzungen und Vernarbungen führen. Genau das aber sowie Entzündungen können dazu führen, dass eine Vorhautverengung erst sehr viel später entsteht (sekundäre Phimose). Durch die Verengung und die erschwerte Hygiene kann sich die Eichel entzünden. Und das kann dann richtig schmerzhaft werden! Im schlimmsten Fall kann die Eichel sogar absterben. Viele scheuen sich vor dem Arztbesuch aus Angst, ihre Vorhaut zu verlieren. Eine Beschneidung ist aber gar nicht unbedingt nötig. Es gibt die Möglichkeit, die Vorhaut nur einzuschneiden oder sie mit cortisonhaltigen Salben zu behandeln.

Harnröhrenentzündung

Blasenentzündungen kennen wir vermutlich alle. Eine unangenehme Geschichte. Ursache können ein geschwächtes Immunsystem, Unterkühlung oder nasse Badesachen sein. Bei einer Harnröhrenentzündung ist jedoch, wie es der Name schon sagt, die Harnröhre entzündet. Genauer gesagt, die Schleimhaut der Harnröhre. Bemerkbar macht sich dies durch Brennen beim Wasserlassen und Ausfluss. Und das kann eine Folge von zu viel Sex sein. Oh nein! Oh ja! Ungeschützter Analverkehr liegt hierbei ganz weit vorn. Denn auf diese Weise gelangen Bakterien aus dem Darm des oder der Partner*in die besagte Harnröhre. Was hilft? Kondome! Außerdem kann die Entzündung Folge einer Ansteckung mit einer sexuell übertragbaren Infektion (STI) wie Gonorrhö (Tripper) oder Chlamydien sein. Aber auch ein länger liegender Katheter zur Blasenentleerung kann dahinter stecken. Apropos Katheter: Alle in die Harnröhre eingeführten Gegenstände können die Schleimhaut reizen.... Viel trinken, warme Füße und Fruchtsäfte sind als Hausmittel bekannt. Oder ein Antibiotikum bei einer Ansteckung mit einer STI.

Penisbruch (Penisfraktur, Penisraptur)

Der Horror eines jeden Mannes. Gerade richtig schön dabei und plötzlich knackt es und ein heftiger Schmerz durchfährt den Mann. Natürlich bricht da kein Knochen. Aber das Einreißen der Schwellkörper fühlt sich vermutlich ähnlich an. Ursache dafür sind ein Abknicken oder eine Stauchung beim Geschlechtsverkehr oder bei der Selbstbefriedigung. Die Erektion ist passé und der Penis verfärbt sich augenblicklich blaurot. Und muss ganz dringend behandelt werden, damit es keine Langzeitfolgen nach sich zieht. Ein Penisbruch passiert wirklich nicht oft, aber wenn, heißt es ab in die Notaufnahme!

Dauererektion (Priapismus)

Ähnlich sagenumwoben wie der Penisbruch ist die Dauererektion. PDE-5-Hemmer wie Cialis oder Viagra können so manchen Mann durch die Dauer ihrer Wirkung erstaunen. Aber zum einen ist in diesem Fall der Grund für eine länger andauernde Erektion bekannt und zum anderen vergeht diese ohne Erregung auch wieder. Anders bei einer Dauererektion, denn hier ist die Ursache unklar. Wessen Penis länger als zwei Stunden und dann auch noch ohne Erregung erigiert ist, sollte dringend einen Urologen oder eine Urologin aufsuchen. Egal, was dahinter steckt, kann diese Dauerbelastung das Gewebe schädigen. Und was steckt nun dahinter? Tumore, die erwähnten PDE-5-Hemmer, Blutgerinsel, Verletzungen des Beckens oder die Einnahme bestimmte Medikamente wie Blutdruckmittel oder Antidepressiva. Um das genau abzuklären, wird Blut aus dem Schwellkörper entnommen. Ja, die Vorstellung ist gruselig. Aber trotzdem immer noch viel besser als ein dauerhaftes Problem im Anschluss!

Penisverkrümmung (Penisdeviation)

Jeder Penis hat seine eigene Form und sein ganz individuelles Aussehen. Und so mancher Penis weist eine leichte natürliche angeborene Krümmung auf, die beim Sex von der Partnerin manchmal sogar als besonders freudenspendend erlebt wird. Schmerzen sind eher selten der Fall. Es ist vielmehr das Selbstwertgefühl, das hier leidet. Hinter einem als Penisverkrümmung bezeichneten Krankheitsbild steckt noch etwas anderes. Bei der angeborenen Krümmung scheint die Bindegewebshülle der Schwellkörper unterschiedlich zu wachsen. Zumeist weist der Penis dann eine Krümmung nach unten auf. In diesem Zusammenhang kommt es zuweilen zu weiteren Erkrankungen wie eines an der unteren Seite des Penis liegenden Harnröhrenausgangs. Ursache dafür scheint ein Androgenmangel während der embryonalen Entwicklung zu sein. Genau weiß man das noch nicht. Über die Ursachen der erworbenen Krümmung, die meist erst im mittleren Alter zwischen 45 und 65 Jahren einsetzt, tappt die Wissenschaft ebenfalls noch im Dunkeln. Fakt ist, dass sich an der Oberseite des Penisschaftes knotige Verhärtungen bilden. Diese können sich über Monate hinweg über das gesamte Gewebe ausbreiten und den Penis in eine gebogene Form zwingen. Als Ursache werden Unfälle beim Geschlechtsverkehr, Vererbung, Diabetis mellitus oder Stoffwechselstörungen diskutiert. Da man die Ursachen nicht genau kennt, gestaltet auch die Therapie als schwierig. Sobald sich Schmerzen, eine Verkrümmung oder Knötchen bemerkbar machen, sollte dringend ein Urologe oder eine Urologin aufgesucht werden. Dort können eine genaue Diagnose sowie Behandlungsmöglichkeiten erörtert werden.

Prostataentzündung (Prostatitis)

Puh, so eine Entzündung der Prostata kann richtig wehtun. Nicht nur beim Sex sondern auch beim Wasserlassen und im gesamten Damm-, Anal- und Beckenbereich. Dabei ist diese Erkrankung gar nicht so selten: Man geht davon aus, dass 15 Prozent alle Männer einmal in ihrem Leben darunter leiden. Und je älter ein Mann wird, desto anfälliger ist er dafür. Eine akute Prostataentzündung kann durch Bakterien verursacht werden und sich zusätzlich durch Fieber und Schüttelfrost bemerkbar machen. Auch die Ansteckung mit einer STI sollte abgeklärt werden. Wenn diese Entzündung über einen Zeitraum von mehr als drei Monaten besteht, kann sich daraus eine chronische Erkrankung entwickeln. Diese ist dann zwar nicht ganz so schmerzhaft, dafür aber dauerhaft. Sie äußert sich durch ein Druckgefühl im Dammbereich oder Unterbauch und womöglich dunkelgefärbten Urin, der Blut enthält. Je nach Ursache können Medikamente, Wärmflaschen oder Hausmittel wie eine Roggenkur oder das Essen weichschaliger Kürbiskerne helfen. Das entscheidet ein Patient natürlich nicht allein sondern immer im Gespräch mit seinem Arzt oder seiner Ärztin. Und dieses Gespräch sollte so schnell wie möglich gesucht werden. Die Angst vor den Schmerzen auch besonders im Zusammenhang mit der Ejakulation kann dazu führen, dass ein Mann gar keine Erektionen mehr bekommt. Körper und Psyche spielen hier auf mehreren Ebenen zusammen. Auch das sollte bei der Therapie berücksichtigt werden.

Anja Drews – Diplom-Sexualpädagogin für ORION

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