Weinwissen: Das richtige Glas für den Wein

Die wichtigsten Fakten über die verschiedenen Weingläser und wann welches Glas das Richtige ist.

Wein, Sekt & Co. trinken wir alle gerne – mal mehr – mal weniger. Und das kennen sie wahrscheinlich auch: Sie trinken fröhlich in netter Runde Ihr Glas Wein und plötzlich kommen sie: die selbsternannten Weinexperten aus dem Bekanntenkreis! Doch wenn Begriffe wie “Rebsorte”, “Anbaugebiet” oder “Ausbau” fallen, werden einige von uns sicher ganz still. „Woher soll man das denn auch alles wissen?“, Genau das haben wir uns auch gedacht und diese Reihe für Sie entwickelt! Die Weinexperten von vinoa.de erzählen Ihnen in der Reihe „Weinwissen“ interessante, unterhaltsame Fakten und wissenswerte Dinge rund ums Thema Wein! Somit werden Sie zwar nicht zum wandelnden Weinlexikon, wissen aber in Zukunft das Wichtigste aus der großen Welt des Weins!

Heute widmen wir uns der Frage: Warum gibt es eigentlich so viele verschiedene Weingläser? Und was macht es für einen Unterschied, ob ich meinen Wein aus einem kleinen, flachen Glas trinke oder aus einem großen, bauchigen? Um diese Fragen zu beantworten, haben wir die wichtigsten Fakten für Sie zusammengestellt.

Verzierte Goldkelche oder filigrane Mundgeblasene?

So lange Wein getrunken wird, gibt es auch schon Trinkgefäße dafür. In der Geschichte wurden schon viele Materialien verwendet: Holz, Ton, Keramik, Glas, Silber, Gold und noch viele mehr. Die Gefäße waren reich verziert oder auch einfach ganz schlicht, je nachdem, ob der Weintrinker ein römischer Kaiser oder ein mittelalterlicher Schankhausbesucher war. So wirklich zuträglich sind die meisten der antiken Gefäße dem Genuss des Weines aber nicht.

Der erste, der auf die Idee kam, ein Weinglas so zu entwerfen, dass es zum speziellen Charakter eines Weines passt, war der Österreicher Claus Riedel. Er widerstand in den 50er Jahren der Mode der Zeit, schwere geschliffene Bleikristallgläser zu fertigen und begann, leichte und dünne Gläser herzustellen, die das Aroma und den Geschmack des Weins besonders hervorheben sollten. Der Wein selbst steht seitdem also im Mittelpunkt und nicht das reich verzierte Gefäß, aus dem er getrunken wird.

Die vier Disziplinen des Weinglases

Vier Dinge muss ein modernes Weinglas können: 

  • Sichtbarkeit. Das Farbenspiel des Weines sollte im Glas gut erkennbar sein.
  • Geruch. Das Aroma des Weines, das sogenannte Bukett sollte im Glas gut zur Geltung kommen.
  • Geschmack. Das Material und die Form des Glases müssen geeignet sein, die Merkmale des Weines gut zu präsentieren.
  • Nachhall. Damit ist sowohl der Klang des Glases beim Anstoßen, als auch der geschmackliche Nachhall und das Mundgefühl gemeint.

Um zu verstehen, wie diese vier Disziplinen in einem Weinglas zur Geltung kommen, sollte man sich die Elemente eines Weinglases ansehen. Moderne Weingläser bestehen immer aus drei Elementen: dem Kelch, dem Stiel und dem Fuß. Auf dem Fuß steht das Glas. Der Stiel dient dazu, die Hand vom Kelch fernzuhalten, um die Temperatur des Weines und damit die freigesetzten Aromen nicht zu verändern. Deshalb sollte das Weinglas immer am Stiel gehalten werden. Ein gutes Glas ist dabei so ausbalanciert, dass es sowohl leer als auch gefüllt stabil in der Hand liegt. Der Kelch wiederum erfüllt die Hauptaufgabe des Glases. Er hält den Wein fest, bringt seine Aromen zur Entfaltung und führt ihn bis zum Mund.

Welche Rebsorten passen in welche Glasform?

Die Grundformen der Weingläser kennt jeder: Rotweingläser sind groß, Weißweingläser kleiner und Sektgläser schmal. Die Variantenvielfalt ist aber trotzdem sehr groß. Wir erklären deshalb in welchen Gläsern spezielle Weine am besten zur Geltung kommen.

Rotweingläser

Die Standardgläser für Rotwein, die es überall und günstig zu kaufen gibt, eignen sich gut für leichte und mittelschwere Rotweine. Chianti und Dornfelder entfalten ihre fruchtigen Aromen in diesen kompakten Gläsern gut, ohne zu schnell zu verfliegen.

Bordeauxgläser sind deutlich bauchiger und größer als die Standardgläser. Dadurch entfalten sich kräftigere Aromen besser. Wie der Name schon sagt, kommt Bordeaux gut in diesen Gläsern zur Geltung. Aber auch Rioja, Brunello, Barolo, Cabernet Sauvignon, Syrah, Blauer Zweigelt und Merlot können hier ihr volles Potential entfalten.

Die Königsklasse der Rotweingläser macht das Burgunderglas aus. Es ist am besten für wirklich ausdrucksstarke Weine mit hohem Alkoholgehalt und vollmundigem Aroma geeignet. In den fast schon ballonförmigen Kelchen, bekommt der Wein viel Luftkontakt und die Aromen verteilen sich gleichmäßig im Glas. Neben BurgunderBarbera und Pinot Noir bieten diese Gläser auch für im Holzfass gereifte Weißweine eine gute Bühne.

Weißweingläser

Ganz normale Standardweißweingläser sind für fast alle Weißweine gut geeignet. Die schmale Öffnung verhindert, dass zu viel Luft an den Wein gelangt und sich die feineren Aromen der Weißweine verflüchtigen. Durch die geringere Füllmenge hat man immer gut gekühlten Weißwein im Glas. Für elegante, leichte bis mittelschwere Weißweine wie Sylvaner, Grauburgunder und Sauvignon Blanc sind diese Gläser ideal.

Rieslinggläser besitzen einen ausgestellten Rand, der dafür sorgt, dass das feine Säurespiel des Rieslings besser auf der Zunge wirken kann. Die schmalere Öffnung verdichtet die zarten Aromen an der Nase. Vor allem etwas kräftigere, gereifte Weißweine wie der Riesling passen gut in dieses Glas.

Sekt- und Champagnergläser

Sekttulpen und Champagnerflöten haben sich für Champagner, Cremant, Prosecco und Sekt berechtigterweise durchgesetzt. Der lange Stil verhindert ein Erwärmen des Schaumweins mit den Händen und die schmale, hohe Form hält die Kohlensäure länger fest. Die etwas antiquierten Sektschalen sind im Gegenzug nicht zu empfehlen. Hier verflüchtigen sich Aroma und Kohlensäure sehr schnell und man hat in kürzester Zeit ein warmes und schales Getränk in Händen.

Material, Preis und Pflege

Ob mundgeblasen oder maschinell hergestellt, aus Kristallglas oder aus Bleikristall, neben der Form gibt es noch so einiges zu entscheiden, bevor man endlich einschenken kann. Sind die Gläser von Hand hergestellt, sind sie natürlich ein wenig teurer, haben aber meist auch einen schöneren Klang, sind dünnwandiger und fühlen sich einfach schöner an. Am Weingenuss ändert das aber nicht unbedingt etwas.

Früher waren Bleikristallgläser das Maß der Dinge und auch heute sind sie noch sehr beliebt. Das Blei ist dabei natürlich fest in der Kristallstruktur verankert und stellt keinerlei Gefahr für die Gesundheit dar. Bleikristall ist sehr robust und die Gläser haben einen sehr schönen Glanz. Mittlerweile wird aber überwiegend Kristallglas verwendet, das deutlich hochwertiger als Bleikristall ist, einen schönen Klang hat und außergewöhnlich klar ist. Gläser aus diesem Material können noch dünnwandiger hergestellt werden, haben aber den Nachteil, dass sie am besten von Hand gewaschen werden sollten.

Für den Einstieg ins Weintrinken reicht es aus, sich eine kleine Auswahl der Standardgläser zu kaufen: Rot, Weiß und Sekt. Der Preis sollte in etwa dem einer Flasche Wein entsprechen, damit die Qualität stimmt. Das hängt aber auch vom persönlichen Anspruch ab. Natürlich lohnt es sich nicht, teure mundgeblasene Burgundergläser zu kaufen, wenn man doch lieber leichte Weißweine trinkt. Deshalb fangen Sie am besten mit passenden Gläsern für Ihren Lieblingswein an und probieren sich dann Glas für Glas durch die vielfältige Welt des Weines. Wir wünschen Ihnen höchsten Genuss!

 


Bildquellen:

Titelbild: ©Matthew - https://www.flickr.com/photos/mshipp/14962761856/

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