Chronische Bronchitis: Bewegungsmangel erhöht die Gefahr

So wichtig ist Bewegung für unsere Lunge

Der Durchschnittsdeutsche sitzt 7,5 Stunden am Tag. Das tut auch der Lunge nicht besonders gut. Nicht nur Muskeln und Gelenke wollen bewegt werden, auch die Lunge leidet unter körperlicher Inaktivität, wie uns Privatdozent Dr. Kai-Michael Beeh, Internist und Pneumologe aus Wiesbaden, im Interview erläutert: 

Unterfordern wir unsere Lunge? 

„Ganz eindeutig. Wer extrem viel sitzt und liegt, kann langfristig der Lunge Schaden zufügen, da gerade die Lungenperipherie nicht ausreichend durchlüftet wird. Tiefe Atmung bei körperlicher Aktivität belüftet Bereiche der Lunge, die bei flacher Atmung in Ruhe kaum genutzt werden – das Organ wird dann richtig durchgeatmet. Wenn das durch Inaktivität oder starkes Übergewicht fehlt, drohen Funktionsstörungen der Lunge. Es kann zu einer Überempfindlichkeit der Bronchien kommen, die Selbstreinigungsmechanismen werden gestört. Auf Dauer werden so Infektionen und Erkrankungen wie Asthma, chronische Bronchitis oder die chronisch obstruktive Lungenerkrankung COPD begünstigt.“

Wieviel Aktivität wünscht sie sich?

„Das kann man pauschal nicht sagen. Klar ist aber: Wenig ist besser als nichts – auch wenn es nur ein paar Minuten am Tag sind. Wichtig ist dabei, dass die Atmung intensiviert wird. Ein bisschen schneller atmen reicht schon, damit auch die entlegenen Bronchien mit Sauerstoff versorgt werden.“

Kranke bewegen sich lieber nicht …

„Wir wissen heute, dass wenig Aktivität Atemwegserkrankungen eher verschlechtert. Jedoch wird ein Mensch mit COPD oder chronischer Bronchitis Bewegung als unangenehm oder vielleicht sogar bedrohlich erleben, da er schlecht Luft bekommt. Deshalb ist es sehr wichtig, dass man den Patienten
Wege aufzeigt, wie Bewegung möglich ist.“

Wie ist das bei einem akuten Infekt?

„Bei einer Atemwegsinfektion macht vorübergehende Schonung absolut Sinn. Wir brauchen aber trotzdem eine gute Belüftung der Lunge. Daher soll man sich zwar während eines Infektes nicht sportlich betätigen, aber durchaus aufstehen und mit einfachen Übungen tief durchatmen. Die Selbstreinigung des Körpers wird durch Inhalationen und gut verträgliche, pflanzliche Präparate unterstützt.“

Entzündlicher Dauerhusten COPD verhindern

Bei chronischen Lungenpatienten sind die Atemwege dauerhaft entzündet. Die Folge: verschleimte Bronchien und Husten. Die Erkrankung kann in eine chronisch obstruktive Lungenerkrankung (COPD) übergehen, die Atemwege verengen sich zusätzlich. Betroffene scheuen körperliche Aktivität. Aber
Studien haben gezeigt: Bereits zwei Stunden Spazierengehen pro Woche haben deutlich positive Auswirkungen auf die Lunge.

Der 4-Punkte-Plan: Tief Luft holen!

1 Frische Luft: Ein Waldspaziergang belebt Körper und Geist, die staubarme Luft tut der Lunge gut. Oder: Fenster auf und tief durchatmen.

2 Ausreichend Flüssigkeit: Wir verlieren rund 2,5 Liter Flüssigkeit pro Tag. Deshalb mindestens 1,5 Liter Wasser oder Tee pro Tag trinken.

3 Selbstreinigung der Atemwege: Das schützt die Bronchien vor Staub und anderen kleinen Partikeln in der Luft. Mittel aus der Apotheke unterstützen das (z. B. GeloMyrtol forte).

4 Bewusste Ich-Zeit: Für sich selbst sollte man ganz gezielt Zeit einplanen - für etwas, das einem Freude macht. Das wird zu einer Ruheinsel im Tag. 

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