Hyperthermie: Den Krebs gezielt mit Hitze heilen

Ist die alternative Heilungsmethode riskant oder effektiv?

24. Juli 2019

Mit Hyperthermie Krebs behandeln – kann das wirklich funktionieren? Dahinter steckt ein medizinisches Wunder: Krebszellen bilden sich manchmal zurück, wenn der Körper eine andere Erkrankung durchmacht. Schon seit dem 19. Jahrhundert sind Spontanheilungen nach Infektionen belegt. Forscher fanden heraus, dass Fieber dabei eine entscheidende Rolle spielt. Doch kann man es auch künstlich erzeugen?

Wellen heizen begrenzte Bereiche des Gewebes auf

Fieber macht Eindringlinge unschädlich (s.u.). Auch Tumorzellen reagieren darauf. Mediziner suchen deshalb bereits seit mehr als einem Jahrhundert nach Möglichkeiten, Krebs mit Hitze zu behandeln. Diese Verfahren sind unter dem Sammelbegriff „Hyperthermie“ bekannt. Wird der ganze Körper in einen Fieberzustand versetzt, etwa durch eine gezielte Infektion mit Bakterien, kann der geschwächte Organismus Schaden nehmen. Um stattdessen nur das vom Krebs betroffene Gewebe zu erhitzen, wenden Ärzte heute Mikro-, Radiowellen oder Ultraschall an. Je nach Methode wird die Körpertemperatur auf 41 bis 43 Grad gesteigert. Die Wärme kann Tumorzellen zwar nicht zerstören, macht sie jedoch empfindlicher. So greifen begleitende Strahlen- oder Chemotherapien besser.

Risiken und Langzeitfolgen sind noch nicht bekannt

Erste Ergebnisse klingen vielversprechend, aber die Verfahren wurden noch zu wenig erprobt. Reproduzierbare Erfolge gibt es bislang vor allem bei Weichteilsarkomen (Bindegewebskrebs). Risiken und Langzeitfolgen müssen erforscht werden, bei Kombi-Therapien summieren sich die Nebenwirkungen. Aufgrund der schwachen Studienlage übernehmen die Krankenkassen die Behandlung nur selten, wenige Ärzte wenden sie bisher an. Meist ist sie Teil eines alternativen Therapiekonzepts. Dann sollte man sich genau über die Kosten informieren – und darüber, welche Risiken man als Patient selbst trägt.

Fieber als Reinigungsprogramm für die Abwehr

Kälteschauer und Hitzewellen jagen abwechselnd durch den Körper, Schüttelfrost lässt die Muskeln zittern. Diese Symptome kennt jeder, der schon mal eine echte Grippe hatte. Schwere Infekte bekämpft die Immunabwehr mit Fieber. Die Hitze tötet viele Krankheitserreger ab. Am besten funktioniert das bei Temperaturen um 38,5 Grad. dann sind die sogenannten Killerzellen des Immunsystems besonders aktiv. Höheres Fieber hingegen belastet den Kreislauf und sollte heruntergekühlt werden. 

Das könnte Sie auch interessieren:
Vitamin B12: Überdosierung kann Krebsrisiko erhöhen
Vorbeugen & heilen: Die Brustkrebs-Sprechstunde
Krebs vorbeugen – Was kann ich tun?
Sport bei Krebs: genauso wichtig wie Medizin
Krebsfrüherkennung: Diese Vorsorgeuntersuchungen zahlt die Kasse
Aktiv gegen Krebs: Welchen Einfluss haben Psyche und Immunsystem?
Lasst uns über Krebs sprechen! Drei Blogger teilen ihre Schmerzen, Ängste und Hoffnungen