Vorbeugen & heilen: Die Brustkrebs-Sprechstunde

Expertin über neue Therapieformen und Heilungschancen

Die gute Nachricht zuerst: Brustkrebs heilen, ist heute keine Seltenheit mehr. Dr. Susanne Weg-Remers klärt wichtige Fragen.

Er ist die häufigste Erkrankung bei Frauen – jedes Jahr bekommen rund 75.000 Frauen Brustkrebs. Heilen lässt sich die Krankheit nicht immer, aber schon sehr viel öfter als noch vor einigen Jahren. Dr. Susanne Weg-Remers, Leiterin des Krebsinformationsdienstes des Deutschen Krebsforschungszentrums in Heidelberg, gibt Auskunft über neue Therapieformen und Medikamente.

Was ist Brustkrebs eigentlich ganz genau?
Wie immer bei Krebs ist der erste Schritt ein Fehler in der Erbinformation einer Zelle. Nur wenn es diese erste Krebszelle durch die körpereigenen Kontrollen schafft, kann sie sich weiterteilen. Brustkrebs entwickelt sich im Gewebe der Brustdrüse: in den Milchgängen oder Drüsenläppchen. Wächst ein solcher Tumor weiter, dringt er irgendwann in das umliegende Gewebe ein. Dann spricht man von invasivem Brustkrebs.

In welchem Alter tritt er am häufigsten auf?
Gut zwei Drittel der Frauen sind älter als 50; die meisten haben die Wechseljahre schon hinter sich. Brustkrebs in jüngeren Jahren ist selten, aber nicht ausgeschlossen.

Welche Risikofaktoren gibt es für die Entwicklung?
Man weiß heute, dass Übergewicht und Bewegungsmangel eine Rolle spielen können. Wer viel Alkohol trinkt, steigert sein Risiko ebenfalls. Die weiblichen Hormone spielen eine wichtige Rolle: Wer sehr früh in die Pubertät kommt und spät in die Wechseljahre, und wer dann womöglich noch Hormone gegen Hitzewallungen und ähnliche Beschwerden einnimmt, erkrankt mit etwas höherer Wahrscheinlichkeit. Frauen, die Kinder geboren und länger gestillt haben, haben dagegen ein geringeres Risiko. Heute weiß man, dass bei fünf bis zehn von hundert Brustkrebspatientinnen auch vererbbare Risikogene eine Rolle spielen.

Ab wann sollte man eine Mammografie machen?
Ab 50 zahlt die Kasse die Mammografie: Dazu wird man bis zum 70. Geburtstag alle zwei Jahre in ein spezialisiertes Mammografie-Zentrum eingeladen. Was natürlich wichtig ist: Tastet man einen Knoten? Hat sich die Brust verändert? Dann raten wir vom Krebsinformationsdienst allen Frauen, nicht bis zum nächsten Früherkennungstermin zu warten. Anders sieht es aus, wenn man enge Verwandte mit Brustkrebs oder Eierstockkrebs hat. Dann sollte man sich beim Frauenarzt informieren, in welchem Alter man am besten mit der Früherkennung anfängt.

Wie hoch sind heute die Heilungschancen?
Viel höher als noch vor einigen Jahrzehnten. Wenn Brustkrebs früh entdeckt wird, können fast alle Patientinnen mit einer Heilung rechnen. Einzelschicksale lassen sich aus der Statistik allerdings nur bedingt ablesen: Nach wie vor gibt es Frauen, bei denen die Ärzte die Erkrankung aufhalten, aber nicht vollständig heilen können.

Wie sieht die Therapie aus? Gibt es neue Medikamente?
Ganz wichtig ist nach wie vor die OP. Eine Bestrahlung kann vor Rückfällen schützen, vor allem, wenn die Brust erhalten bleibt. Wenn der Tumor abhängig von weiblichen Hormonen wächst, schützen antihormonelle Medikamente in den ersten Jahren nach der Diagnose vor einem Rückfall. Je nach Situation verstärkt auch eine Chemotherapie diesen Schutz. Eine zunehmend wichtigere Rolle spielen Arzneimittel, die sich gezielt gegen besondere Eigenschaften des Krebsgewebes richten: Das können Antikörper sein, die nach der OP ebenfalls vor einem Rückfall schützen. Das können auch zielgerichtete Medikamente sein, die das Tumorwachstum bremsen, wenn die Erkrankung zurückkehrt.

Wovon hängt es ab, ob der Krebs geheilt wird?
Was man selbst tun kann: auf ein normales Gewicht achten und sich viel bewegen. Man weiß allerdings, dass die Heilungschancen sinken, wenn sich Krebszellen vom eigentlichen Tumor ablösen und an anderer Stelle im Körper wieder ansiedeln. Dieses Krebsgewebe nennt man Metastasen. Doch auch für Frauen in dieser Situation gibt es heute gute Therapien, die die Erkrankung zumindest bremsen können, oft über Jahre!

Ist die Krankheit Krebs ansteckend?
Diese Frage hören wir beim Krebsinformationsdienst leider immer noch recht häufig. Nein, Krebs ist nicht ansteckend! Für Betroffene kann es ganz furchtbar sein, wenn sie von Familie, Freunden oder Arbeitskollegen aus falscher Scheu gemieden werden.

Stimmt es, dass Krebs sich von Zucker ernährt?
Nein, auch wenn das immer wieder behauptet wird. Eine normale, ausgewogene Ernährung reicht völlig aus. Manche angebliche Krebsdiäten können sogar schaden, weil sie viel zu einseitig sind. Krebs lässt sich nicht aushungern, auch nicht durch den Verzicht auf Zucker, Kohlenhydrate oder Fett.