Sonnenschutz: Schützen wir uns zu sehr?

Wie viel Sonne wirklich gesund für uns ist

UV-Licht in Maßen kann vor Hautkrebs, Diabetes, Osteoporose und Herzerkrankungen schützen, ergaben neue Studien. Schützen wir uns mittlerweile also zu sehr vor der Sonne? 

 

Wenn wir ein Sonnenbad nehmen, haben wir ein total schlechtes Gewissen: Falten und Hautkrebs drohen. Und wir schmieren uns ein, Schutzfaktor 30 muss es mindestens sein. Das ist im Prinzip auch richtig, denn Sonnencreme schützt ja wirklich vor Hautkrebs. Aber: Ohne Sonnenlicht stirbt alles Leben auf der Erde. Pflanzen wachsen mit UV-Strahlen schneller, Hühner legen mehr Eier, und auch der Mensch gedeiht besser, wenn er Sonne bekommt. Das haben verschiedene Forschungen jetzt ergeben. 

Ohne Sonnenlicht droht eine Knochenerweichung

Im Zeitalter der Industrialisierung litten viele Menschen und vor allem Kinder an Rachitis – Knochenerweichung. Das passierte, weil sie nur in fensterlosen Fabriken arbeiteten und in düsteren Kellern wohnten. Die Sonne haben sie kaum gesehen. Aber Sonnenlicht produziert Vitamin D in der Haut – das brauchen wir, um Kalzium zu binden und im Knochen zu speichern. Ohne Vitamin D werden die Knochen spröde und verformen sich, Osteoporose droht. 

Das strikte Vermeiden von UV-Strahlen ist schädlich

Und das ist noch nicht alles. Eine schwedische Langszeitstudie mit 30.000 Frauen über 20 Jahre hat ergeben: Wer nicht in die Sonne geht, trägt ein ähnlich großes Krebsrisiko wie Raucher. 1.700 Teilnehmerinnen, also knapp sechs Prozent, gingen überhaupt nicht in die Sonne – diese Frauen starben bis zu zwei Jahre früher als die Frauen, die sich so oft wie möglich in die Sonne legten.

Es klingt paradox, aber: Sonne kann vor Hautkrebs schützen

Forscher aus Dresden und Ulm kamen zu folgendem Ergebnis: Ein bisschen Sonne kann sogar vor Hautkrebs schützen. In einer Studie verglichen sie 500 Hautkrebspatienten mit einer Kontrollgruppe. Gesunde Teilnehmer waren als Kinder und Erwachsene häufiger draußen in der Sonne. Die Wissenschaftler vermuten deshalb, dass die Haut bei zu geringer Sonnengewöhnung ihre Fähigkeit verliert, einen natürlichen Sonnenschutz aufzubauen. Denn wenn man sich der Sonne aussetzt, bildet sich neben der Bräune eine feine Verdickung der Hornhaut, die so genannte Lichtschwiele. Die kann vor Hautkrebs schützen.

20 Minuten direkte Strahlung senkt den Blutdruck

Außerdem mindert ein Sonnenbad das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen, ergab eine schottische Studie. Bei den Probanden, die sich am Tag 20 Minuten in die Sonne legten, sank der Blutdruck. Wie viel Sonne nötig ist, um langfristig den Blutdruck zu senken, ist noch unklar.

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