Schlafstörung: Ursachen und Hilfe

Neue Behandlungsmethoden aus der Schlafforschung

Morgens voller Tatendrang aus dem Bett hüpfen? Für immer mehr Menschen bleibt das ein Traum. Bei vielen ist die innere Uhr aus dem Gleichgewicht geraten, die Folge sind u.a. Schlafstörungen. Dank neuester Forschung kann man aber dem gestörten Schlaf-Rythmus auf die Sprünge helfen.

Laut einer aktuellen Studie der DAK-Gesundheit sind etwa 80 Prozent aller Deutschen regelmäßig von Schlafproblemen betroffen. Frauen trifft es dabei leider doppelt so häufig wie Männer. Vor allem wenn man sich abends stundenlang in den Schlaf wälzt und nachts immer wieder wach wird, sollten man darüber nachdenken, seine Schlafstörungen zu behandeln. Immerhin fühlt man sich nach so unruhigen Nächten morgens nur „als halber Mensch“, schlecht gelaunt und unzufrieden. Kein Wunder, denn Schlaf ist nicht nur wohltuend, sondern auch wichtig für die Gesundheit.

Wichtiger Schlafrythmus

Ein gesunder Schlaf sollte bei einem Erwachsenen zwischen 6 und 8,5 Stunden liegen. Bekommt man davon zu wenig ist es für unser Gehirn eine Dauerbelastung: „Ist die natürliche Schlaf/Wach-Abfolge gestört, gerät der Wechsel zwischen Tiefschlaf- und Traumphasen aus dem Takt und damit die notwendige Erholung von Körper und Gehirn. Vor allem das psychische Wohlbefinden leidet, Aggressivität wechselt ab mit Selbstzweifeln, Depressionen kommen auf“, so der renommierte Experte für Schlafbiologie, Prof. Dr. Klaus Wahle.  Hinzu kommt, dass durch zu wenig Schlaf die Konzentrationsfähigkeit gemindert wird, die Leistungsfähigkeit eingeschränkt und die Arbeitsproduktivität um 39 Prozent sinkt. Gravierende Einschnitte im Alltag, die Behandlung benötigen!

Gute Nacht!

Gesteuert wird unser Schlafablauf vor allem durch das Schlafhormon Melatonin. Es wird kurz nach Anbruch der Dunkelheit aktiv. Etwa zwei Stunden nach Beginn der Melatonin-Produktion setzt dann im Normalfall eine gesunde Müdigkeit ein, die den Körper auf den kommenden Schlaf einstimmt. Das Maximum des Melatonin-Spiegels wird zwischen drei und vier Uhr nachts erreicht. Danach beginnt die zweite Nachthälfte, der Melatonin-Spiegel sinkt wieder und das Aufwachen beginnt.

Schlafstörungen behandeln

Natürlich kann man dem Schlaf-Hormon mithilfe von Tabletten auf die Sprünge helfen. Allerdings: „Um chronobiologische Prozesse zu harmonisieren, muss die natürliche, körpereigene Melatonin-Versorgung über einen Zeitraum von mehreren Stunden hinweg möglichst exakt imitiert werden. Wird das Hormon zu schnell oder in zu hoher Konzentration freigesetzt, hat dies eher eine schädigende Wirkung. Vor Melatonin aus dem Internet will ich aus diesem Grund ganz ausdrücklich warnen“, so Prof. Wahle.

Damit das zugefügte Melatonin genauso wirkt wie das Körpereigene, sollte man die von Ärzten speziell entwickelten, sogenannte Retard-Tabletten nehmen. Ihr Wirkstoff wird verzögert freigesetzt und stellt so das Schlafmuster auf natürliche Weise wieder her. Eine groß angelegte Studie mit mehr als 600 Patienten konnte die positive Wirkung nachweisen: Schon nach einer dreiwöchigen Behandlung war bei den Probanden eine deutliche Verbesserung der Schlafqualität zu beobachten, eine Verbesserung, die über den Behandlungszeitraum hinaus anhielt – ohne Gewöhnungseffekt oder Abhängigkeit.

Richtig trinken 

Auch unsere Ernährungsgewohnheiten können unseren Schlaf beeinflussen. „Um abends schnell einschlafen zu können, sollten wir darauf achten, was und wann wir trinken“, sagt Dr. Hans-Günter Weeß. Der Schlafforscher aus Landau empfiehlt, am Tag ausreichend zu trinken und abends zurückhaltender zu sein, damit man nachts nicht so oft zur Toilette muss. Zudem rät er zum geliebten Klassiker: heiße Milch mit Honig. Die in der Milch enthaltene Aminosäure Tryptophan wird mit den Kohlenhydraten des Honigs direkt ins Gehirn befördert, um dort den Schlafbotenstoff Melatonin zu bilden. Auf Kaffee, schwarzen oder grünen Tee und Alkohol sollte man dagegen verzichten.

Licht aus 

Für Dr. Weeß spielt auch die Beleuchtung eine wichtige Rolle: „Licht ist für Schlafen und Wachen ein wichtiger Zeitgeber. Melatonin wird nämlich nur bei Dunkelheit im Körper produziert. Setzen wir uns abends Lichtquellen aus, die der Sonne ähneln, glaubt unser Gehirn es wäre noch Tag und wir werden nicht müde.“ Darum Fernseher, Smartphone und Tablet aus dem Schlafzimmer verbannen und Glühbirnen gegen dimmbare Leuchtmittel tauschen. Tipp: ein paar Minuten vorm Zubettgehen mit dem Tag abschließen – Lesen, Meditieren, Musikhören, Tagebuchschreiben helfen beim Entspannen und Einschlafen.

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