Pflegefall in der Familie: Was jetzt zu tun und zu beachten ist

Darauf kommt es in der ersten Zeit an

Wenn ein Verwandter durch Krankheit oder eine Behinderung auf Hilfe angewiesen ist, gibt es für die Betroffenen viel zu regeln und zu beachten. Ein wichtiger Tipp für alle, die selber zu Hause pflegen: auch an die eigene Gesundheit denken! Weitere Infos gibt Expertin Anna Heins. 

Anna Heins
Pflege- und Gesundheitsmanagerin

 

Wo finde ich im Ernstfall schnell eine gute Beratung? 

„Das Portal www.pflege.de bietet eine unabhängige und kostenlose Telefonberatung für Familien und vermittelt auf Wunsch passende Institutionen und Anbieter. Zudem haben Familien Anspruch auf eine Beratung bei ihrer Pflegekasse.“

Wer gilt laut Gesetz als pflegebedürftig?

„Jeder, der wegen einer körperlichen, seelischen oder geistigen Krankheit oder Behinderung mindestens sechs Monate auf Hilfe angewiesen ist. Entscheidend sind dabei die vier Bereiche Ernährung, Mobilität, Körperpflege und hauswirtschaftliche Versorgung.“

Pflegebedürftigkeit – wie wird sie festgestellt?

„Betroffene oder deren Bevollmächtigte stellen einen Antrag auf Leistungen bei der Pflegekasse. Daraufhin kündigt sich der Medizinische Dienst der Krankenversicherung für eine Begutachtung vor Ort an. Dabei analysiert er den Hilfebedarf und erstellt ein Gutachten, auf dessen Basis die Pflegekasse über Anerkennung oder Ablehnung einer Pflegestufe entscheidet.“

Auf welche Leistungen haben Betroffene Anspruch?

„Das hängt von der Pflegestufe und von der jeweiligen Versorgungsform ab, also ob der Betroffene zu Hause von Angehörigen gepflegt wird oder von einem ambulanten Pflegedienst, ob er teilstationär oder ganz stationär betreut werden muss. Tabellen zur Übersicht gibt es beim Portal www.pflege.de

Mit welchen Kosten müssen Familien rechnen?

„Die Leistungen aus der Pflegekasse können bei häuslicher Pflege durch Familie und Freunde ausreichen. Doch je höher der Pflegebedarf, desto wahrscheinlicher wird eine private Zuzahlung. Für eine stationäre Versorgung sollten Familien mit einem Eigenanteil von rund 1.500 Euro pro Monat rechnen.“

Welche Vor- und Nachteile hat die Pflege zu Hause?

„Der größte Vorteil ist, dass es die Gesundheit von Betroffenen oft fördert, wenn sie in gewohnter Umgebung bleiben und die Familie um sich haben. Für Angehörige bedeutet diese Situation aber häufig eine enorme körperliche und psychische Belastung, weil viele ihr eigenes Familien- und Berufsleben der Pflege komplett unterordnen.“

Welche Rechte habe ich als Arbeitnehmer?

„Wird ein naher Angehöriger plötzlich pflegebedürftig, können Sie kurzzeitig eine bis zu zehntägige Auszeit nehmen. Zusätzlich können Sie sich für ein halbes bis ganzes Jahr von der Arbeit freistellen lassen oder für bis zu zwei Jahre auf Teilzeit reduzieren. Zur Vorbereitung auf häusliche Pflege bietet die Pflegekasse kostenlose Kurse an.“

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