Wechselmodell: Eine Woche Mama, eine Woche Papa!

Neues BGH-Urteil stärkt das Wechselmodell

Ab sofort können Kinder wechselweise bei getrennt lebenden Elternteilen wohnen – auch wenn Mutter oder Vater das nicht wollen. Das Wohl des Kindes soll beim Wechselmodell im Mittelpunkt stehen, entschied der Bundesgerichtshof. 

Was bedeutet das Urteil grundsätzlich für die Eltern der Trennungskinder?

„Das Urteil ist vor allem ein Weg zur Gleichberechtigung“, sagt der Münchner Rechtsanwalt Andreas Vitti. Denn der Großteil der rund 130.000 Trennungskinder lebt nach wie vor bei der Mutter. Jetzt können die Eltern gleiche Anteile bei der Erziehung haben. 

Für wen eignet sich das neue Wohnmodell?

Wenn die Kinder jede Woche im Wechsel bei Mutter und Vater wohnen, sollten sich die Eltern sehr gut verstehen. Und gerade darin sieht etwa der Rechtsanwalt Hermann Messmer aus München das Problem: „Oft scheitern Beziehungen wegen Streitigkeiten über die Erziehung. Bei dem Wechselmodell müssen Eltern aber oft mehr als zuvor miteinander reden.“ Außerdem sollten die Kinder schon älter sein. Bis zum sechsten Lebensjahr ist die Bindung der Kinder zur Hauptbezugsperson, meist der Mutter, stärker. Danach kann das Modell sinnvoll sein, da beide Elternteile dem Kind zeigen können, wie wichtig es ihnen ist.

Ist es für Kinder gut, wenn sie zwei Zuhause haben?

Dazu gibt es zwei Ansichten. Die einen sagen, es sei egal, da ein Kind dort zu Hause ist, wo es sich geborgen fühlt – und auch mit unterschiedlichen Regeln gut klarkommt. Die anderen, wie etwa Erziehungsexperte Mathias Voelchert, meinen: „Das Modell geht fast immer zu Lasten der Kinder. Denn die müssen am Ende der Woche den Koffer packen.“

Wie muss so ein Modell dann praktisch aussehen?

Bei dem Wechselmodell müssen die Kinder wirklich auch genau zu 50 Prozent bei jedem Elternteil sein. Hat einer von beiden eine Nacht mehr mit dem Kind, gilt er als alleinerziehend und kann die vollen Unterhaltsbezüge einfordern. Ideal ist es außerdem, wenn die Eltern nicht allzu weit voneinander entfernt wohnen, damit das Kind die Schule problemlos besuchen kann. Außerdem sollten sich Mutter und Vater permanent auf dem Laufenden halten.