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Baby, lass uns spielen! Ohne Vorspiel kein Spaß!

Sexualwissenschaftlerin Anja Drews erklärt, wie wichtig das Vorspiel für guten Sex ist

07. März 2016

Ich weiß nicht, ob es nur mir so geht. Wenn sich die beiden Liebenden einander endlich hingeben, sehe ich im Film zumeist Folgendes: Sie küssen sich, liebkosen einander mehr oder weniger kurz und dann geht es schon zur Sache. Er dringt in sie ein, sie stöhnt vor Lust und innerhalb kürzester Zeit kommen beide gemeinsam in einem fulminanten Orgasmus zum Höhepunkt. Das Ganze natürlich im Schlafzimmer. Wir sehen kein langes Vorspiel und schon gar keine körperliche Annäherung im Vorfeld. Es entsteht der Eindruck, so sähe der Sex einer wahren Liebe aus. Sauber und unschuldig...

Ob da nicht vielleicht doch noch mehr passiert, wissen wir nicht. Da lobe ich mir doch Filme wie „Secretary“ mit Maggie Gyllenhaal und James Spader. Der ganze Film ist ein einziges Vorspiel. Jede Bewegung, jede Geste und im späteren Verlauf des Films auch jede Handlung ist sexuell gefärbt. Die beiden spielen miteinander und nähern sich auf diese Weise an. Hier wird deutlich, was jenseits des Geschlechtsakts alles möglich ist. Und genau darum geht es: Sich gegenseitig vor dem eigentlichen Liebesspiel antörnen, die Fantasie wecken, die Sinne beleben und mit der Lust spielen. Wir wollen ja gerade auch raus aus dem Alltagssex. Dafür müssen wir neue Wege gehen.

Raus aus den Federn!

Sex im Schlafzimmer? Ja, da ist es gemütlich, vertraut, kuschelig. Aber wie wäre es, den Ort des Geschehens zu wechseln? Sex auf dem Balkon, in der Küche, im Hausflur oder sogar ganz woanders? Sex an ungewöhnlichen Orten ist ein Abenteuer. Und Abenteuer schweißen zusammen, sorgen für Spannung. Da geht es nicht um das perfekte Liebesspiel und den tollsten Orgasmus, sondern vielmehr um den Kitzel. Der Gedanke erwischt zu werden, kann wie ein Aphrodisiakum wirken! Und erst die Planung! Falls Sie nicht erst auf die richtige Gelegenheit warten wollen. Und es gibt so viele ausgefallene Orte: Umkleidekabinen, nächtliche Parks, ein dunkler Hinterhof, ein einsamer Strand. Da fällt Ihnen sicherlich noch viel mehr ein. Später können Sie sich mit diesen erregenden Gedanken immer wieder auf Touren bringen. „Weißt Du noch, wie ich Dir an diesem Abend im Dunkeln die Hose aufgeknöpft und mit Deinem besten Stück gespielt habe?“ Lassen Sie sich nur nicht erwischen! Sex in der Öffentlichkeit gilt als Erregung öffentlichen Ärgernisses. Und dafür gibt es ein Bußgeld.

Teilen Sie Ihre geheimsten Fantasien!

Die richtigen Worte können unsere Fantasie ganz schön anregen. Ob durch das Telefon gehaucht, als heiße SMS geschickt oder auf die Mailbox gesprochen: „Was würde ich nicht alles mit Dir machen, wenn Du jetzt bei mir wärst.“ Wenn wir dem anderen dabei nicht in die Augen sehen müssen, können hierbei sogar Hemmungen fallen, die uns sonst davon abhalten, unsere Wünsche offen mitzuteilen. In einer selbstgeschriebenen erotischen Geschichte können wir unserer Fantasie freien Lauf lassen. Und haben wir diese erst einmal zu Papier gebracht, können wir sie dem anderen in einem erotischen Moment vielleicht sogar vorlesen. Dabei geht es gar nicht darum, alles haargenau so umzusetzen. Allein zu wissen, dass es so sein könnte und dass der andere geheime Fantasien hat, lässt den Puls steigen.

Sextoys to go

Sexspielzeug hält offiziell Einzug in die deutschen Schlafzimmer. In den Hollywoodschnulzen sehe ich davon allerdings noch nichts. Keine Vibratoren, Plugs, Handschellen oder Vibro-Eier. Dass die konkrete Anwendung nicht vor die Kamera gehört, verstehe ich. Aber es gibt auch kaum Andeutungen, wenn man einmal von „Sex and the City“ oder „Shades of Grey“ absieht. Dabei kann man auch mit Sextoys ganz hervorragend spielen. In der Vagina platzierte ferngesteuerte Vibro-Eier können im Restaurant zu ungeahnten Errötungen führen. Oder während einer Lesung oder eines Ausstellungsbesuchs. Allein die Vorstellung, unserem Liebsten ausgeliefert zu sein, versetzt in Hochstimmung. Und zu wissen, dass sich unter ihrer Kleidung heiße Dessous verbergen, lässt seine Sinne verrückt spielen. Ganz besonders, wenn sie ihm nach der Vorspeise ihren Slip zusteckt...

Erotik beginnt im Kopf

Wenn wir immer nach Schema F vorgehen, verlieren wir schnell die Lust. Und wenn wir uns nur auf die körperlichen Aktivitäten im partnerschaftlichen Bett beschränken, verlieren wir einen großen Teil unserer sexuellen Lebendigkeit. Wir sind mehr als unsere Körper, wir sind auch unsere Fantasie. Es geht beim Sex darum, Spaß zu haben, miteinander zu lachen, etwas Besonderes zu teilen und sich als sexuelles Wesen zu fühlen. Wir wollen begehrt sein und begehren. Dabei entsteht Erregung zuerst im Kopf. Der Orgasmus ist ein wunderbarer Abschluss dieses Spiels. Aber auf dem Weg dorthin gibt es so viel miteinander zu erleben, dass er zuweilen gar nicht mehr so wichtig ist.

Anja Drews – Sexualwissenschaftlerin für ORION