Anzeige

Frisch verheiratet: Die schönste Nacht des Lebens

So wird die Hochzeitsnacht zum wunderschönen Erlebnis

Heiraten ist wieder in! 386.000 Paare haben sich laut dem Statistischen Bundesamt im Jahr 2014 das Ja-Wort gegeben. Gegenüber dem Vorjahr ist das eine Steigerung um 3,3 %. So ausgedrückt hört sich gar nicht so gewaltig an. So ausgedrückt hingegen schon: Das sind 12.000 Trauungen, 12.000 Hochzeitsfeiern, 12.000 Hochzeitskleider und Hochzeitsanzüge sowie 12.000 gebuchte Hochzeitsfotografen und DJs und vor allem 12.000 Hochzeitnächte mehr als im Vorjahr!!! Und das hört sich gewaltig an, oder?!

Herrlich, so viele Menschen, die sich wieder zu diesem romantischen Schritt entscheiden. Dabei werden die Paare allerdings auch immer älter: Männer heiraten im Durchschnitt mit 33,7 Jahren und Frauen mit 31 Jahren. Die Chance auf eine traditionelle Hochzeitsnacht mit blutigem Laken als Beweis für die jungfräuliche Braut tendiert damit gegen Null. Allerdings ist das hier ja auch nicht das, woran wir bei dem Wort „Hochzeitsnacht“ denken. Nein, da sind wir doch eher romantisch unterwegs. Zumindest, wenn wir an dieser Stelle einmal alle die vernachlässigen, die aus einem anderen Kulturkreis kommen und die Sache anders sehen. Aber was passiert stattdessen in der Hochzeitsnacht? Die ganz großen Gefühle oder doch eher die schnelle Nummer? Ich habe mich dazu einmal umgehört.

Hochzeiten sind kein Kindergeburtstag

Bevor es nachts in die Hochzeitssuite geht und das Paar sich der Liebe hingeben kann, gilt es einiges zu überstehen. Ausschlafen? Fehlanzeige. Der schönste Tag im Leben eines Liebespaares beginnt früh am Morgen. Jaja, ich weiß, ich bin hier etwas pathetisch, schließlich gibt es genügend Paare, die nur aus Steuergründen oder ähnlich sachlichen Erwägungen heiraten, und natürlich sehen auch nicht alle Hochzeitstage so aus, wie hier beschrieben. Aber Übertreibung macht anschaulich. Und vielleicht erkennt sich hier der eine oder die andere auch wieder. Und im Übrigen habe ich es auch schon ganz genau so erlebt. Also, weiter geht es. Die Braut vor allem wird herausgeputzt. Kunstvoll wird das Haar aufgesteckt, ein besonderes Make-up aufgelegt, Hände und Füße manikürt und pedikürt, der ganze Körper gewachst und auf Zack gebracht. Keine Zeit zum Ausruhen. Das Kleid wird angelegt. Dessous, halterlose Strümpfe und das obligatorische Strumpfband vervollständigen das Bild. Ach ja, nicht zu vergessen die Schuhe passend zum Kleid. Nicht immer bequem, dafür aber immer schön anzusehen. Aus einer ganz normalen Frau ist im Verlauf dieses Vormittags eine wunderschöne Braut geworden. Was macht in dieser Zeit eigentlich der Bräutigam? Keine Ahnung. Aber faul herum liegen wird er mit Sicherheit nicht.

So, dann geht es ganz offiziell los. Ab zum Standesamt oder in die Kirche. Was für eine Aufregung! Juhu! Beide haben Ja gesagt!!! Umarmungen, Hände werden geschüttelt, Glückwünsche entgegen genommen, ab zum Fotoshooting. Volle Konzentration und keine Zeit zum Ausruhen. Der Empfang, ein erstes Gläschen Sekt, wieder Glückwünsche von allen Seiten, das Essen ruft, ein Gläschen Wein und weiterhin keine Pause. So manches Brautpaar bekommt vor lauter Aufregung keinen Bissen herunter. Reden werden geschwungen, das Brautpaar hat so einige vorbereitete Abenteuer der Gäste zu überstehen. Und immer noch keine Zeit zum Ausruhen. Und schon wird die Musik aufgedreht, die Party beginnt mit dem Hochzeitstanz und ab jetzt wird das Tanzbein geschwungen. Ausruhen? Pustekuchen! Feiern ist angesagt! Der Alkohol fließt in Strömen und auch das Brautpaar darf jetzt loslassen. Es wird immer später. Im Sommer ist es nicht selten schon längst die Sonne aufgegangen, wenn die letzten Gäste aus dem Saal wanken. Das Brautpaar darf jetzt auch endlich ins Bett. Uaaaah gääääähn.... Und jetzt wird es interessant.

Romantik sieht anders aus

Obwohl wir hier nicht davon ausgehen, dass der Bräutigam seine Liebste nun erstmalig in die Freuden der Liebe einführt, sind die Erwartungen groß. Trägt er sie über die Schwelle? Oder schwankt er nach etlichen Gläsern Gin Tonic nicht doch ein wenig? Keiner will ja, dass die Braut mit dem Kopf gegen den Türrahmen stößt. Sie bugsieren sich also hinein und taumeln aufs Hochzeitsbett zu. Schaffen sie es jetzt noch, sich elegant aus den Gewändern zu befreien? Oder fallen sie einfach auf die Laken? Nein, sie schaffen es noch gerade so. Aber elegant sieht anders aus. Nun gibt es verschiedene Szenarien: Beide fallen vor Erschöpfung nach dem langen Tag in den sofortigen Tiefschlaf. Oder er fällt über sie her und schläft dabei ein. Oder sie. Es gibt auch frischgebackene Eheleute, die diese Nacht mit dem Gesicht über der Kloschüssel beenden. Eine Trauzeugin erzählte mir, sie sei auf der vergeblichen Suche nach ihrem Hotelzimmer schließlich sturzbetrunken beim Brautpaar in der Hochzeitssuite gelandet. Hm. Ein bekannter Anblick hier in Hamburg sind in Weiß gekleidete Bräue frühmorgens auf dem Fischmarkt. Tradition ist Tradition. Aber ich weiß auch von einem Paar, das in dieser Nacht ein Kind gezeugt hat. Geht doch.

Machen wir aus der Hochzeitsnacht doch ein wiederkehrendes Ritual!

Was macht das schon, wenn die Nacht nach einem so langen Tag einfach zu Ende ist? So ein Hochzeitstag ist anstrengend, keine Frage. Aber er ist auch wunderbar und unvergesslich. Es gibt so viel zu erleben, dass es noch Tage dauern wird, bis alle Ereignisse aus dem Gedächtnis wieder hervorgerufen worden sind. Warum kann das nicht reichen? Wie wäre es denn, wenn wir die romantische, tolle und liebvolle Hochzeitsnacht einfach auf einen anderen Zeitpunkt verschieben? Als Ritual vielleicht sogar auf jeden der kommenden Hochzeitstage? Dann können wir uns Zeit lassen, in Ruhe planen und die Vorfreude genießen. Und das Kleid, die Dessous und das Strumpfband holen wir dann einfach wieder heraus.

Anja Drews, Sexualwissenschaftlerin für ORION