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So gelingt die perfekte Verführung

Sexualpädagogin Anja Drews über Romantik, Leidenschaft und Klischees

Champagner, Kerzen und Rosenblätter – ein Muss für die perfekte Verführung? Für viele Frauen gehört ein wenig Romantik schon dazu, um so richtig in Stimmung zu kommen. Und was denken Männer so darüber? Diplom-Sexualpädagogin Anja Drews klärt auf.

Sie hat sich schon so lange eine richtige Verführung gewünscht und auch eine ganz klare Vorstellung davon, wie er das machen soll: 

•    Er bezieht das Bett frisch, 
•    dekoriert den Weg ins Schlafzimmer mit Rosenblütenblättern, 
•    zündet überall Kerzen an, 
•    lässt romantische Musik erklingen,
•    stellt den Champagner kalt, 
•    lässt ein Schaumbad ein 
•    und wartet mit dem Glas in der Hand auf sie. 

Aber alles, was ihm dazu einfällt ist, sie nackt mit wehender Fahne und einem breiten Grinsen in der Tür zu empfangen. „Ne, also so nicht“, denkt sie enttäuscht, wirft die Arbeitstasche in die Ecke und setzt sich beleidigt vor den Fernseher. Er wiederum versteht die Welt nicht mehr. Sie wollte doch unbedingt verführt werden!? Was um alles in der Welt erwartet sie denn von ihm? Doch nicht etwa so einen Kitschkram wie aus ihren Liebesromanen? Rosen, Champus? Ernsthaft? Reicht er ihr denn nicht, so wie er ist? Und warum kommt sie nicht selber auf ihn zu, wenn sie Sex will? 

Ja, was läuft hier wohl schief? Und wie können Sie Ihren Partner oder Ihre Partnerin so verführen, dass es auch tatsächlich in einem heißen Liebesspiel endet?

Die richtigen Zeichen erkennen

Verführen bedeutet nicht, unseren Partner oder unsere Partnerin zu überreden, zu überrumpeln oder zu überfallen. Es bedeutet auch nicht, dass wir unseren Willen ums Verrecken umsetzen müssen. Verführen bedeutet vielmehr, den anderen für etwas zu gewinnen. In diesem Fall für ein wunderbares Bettvergnügen. Oder wo auch immer Sie sich vergnügen möchtet. Wir gewinnen wir unseren Partner aber nur für etwas, das er oder sie zumindest auch selber schon ein bisschen möchte. Dieses ein bisschen ist wichtig. Denn wenn gar keine Bereitschaft da ist, zum Beispiel nach einem heftigen Streit, einem stressigen Arbeitstag oder während einer Krankheit, stehen die Chancen schlecht. 

Manchmal nehmen wir den anderen mit seinen oder ihren Bedürfnissen gar nicht wahr. Wir denken nur daran, was wir gerade möchten und was uns gefallen würde. Wir selber haben uns vielleicht über Tage hinweg schon ein tolles Szenario ausgedacht. Der andere aber weiß davon nichts. Und dann legen wir los und laufen gegen eine Wand. 

Wie fühlt sich der Partner oder die Partnerin gerade?

Um herauszufinden, ob Ihre Bemühungen von Erfolg gekrönt sein könnten, sollten Sie darauf achten, in welcher Situation sich Ihr Partner gerade befindet und ihn oder sie dort abholen. Dazu brauchen Sie ein wenig Einfühlungsvermögen und Fingerspitzengefühl. 

Klagt sie gerade viel über zu viel Arbeit? Dann stürmen Sie nicht mit der prallen Erektion auf sie zu und fordern noch mehr Aufmerksamkeit von ihr. 

•    Geben Sie ihr Zeit, hören Sie ihr zu, nehmen Sie ihr etwas Arbeit ab. 
•    Wie wäre es mit einer unverbindlichen Massage
•    Einer Tasse Tee oder einem heißen Kakao? 

Stimmen Sie sie vorsichtig auf sich ein. 

Dasselbe gilt natürlich auch andersherum. Über Männer hält sich zwar hartnäckig das Vorurteil, sie seien immer in Sexlaune. Das stimmt natürlich nicht, lässt es aber umso unverständlicher erscheinen, wenn sie tatsächlich keine Lust haben. Statt ihn also nach einem langen Arbeitstag in herausfordernden Dessous zu empfangen, fragen Sie ihn vorher, ob Sie an diesem Abend gemeinsam etwas kochen oder bestellen wollen. Lassen Sie ihn erst einmal ankommen. Und machen Sie ihn dann neugierig. 

Was wollen Sie und warum wollen Sie Sex?

Wir sollten auch darüber sprechen, welche Vorstellungen von einer Verführung wir haben. Niemand verfügt über eine Glaskugel und kann erraten, was wir uns im Innersten wünschen. Wenn es ein Szenario wie in dem Beispiel oben sein soll, muss sie ihm das auch deutlich machen. Sie möchte Romantik, möchte erobert werden und sich geliebt fühlen. Da steckt also noch eine Menge mehr dahinter als nur das reines Sexvergnügen. 

Fragen Sie sich deshalb selber, warum Sie gerade Lust auf Sex haben. Geht es tatsächlich um Ihren Partner oder steckt etwas ganz anderes dahinter? 

•    Brauchen Sie vielleicht selber Aufmerksamkeit oder Ablenkung? 
•    Haben Sie selber Druck auf der Arbeit und brauchen die Bestätigung, dass Sie jemand liebt? 

Auch das ist wichtig zu erkennen. Denn wenn es um Sex geht, nehmen wir immer gleich alles persönlich. Stellen Sie sich vor, es ginge nicht um Sex, sondern um einen Kinobesuch. Wenn Ihr Partner dann ablehnt, ja, macht nichts, dann setzen Sie sich eben vor den Fernseher oder fragen einen Freund oder eine Freundin. Wenn wir hingegen bei unserem Wunsch nach Sex eine Abfuhr kassieren, kann das leicht in Frust umschlagen. Ganz besonders, weil wir uns etwas Bestimmtes erhofft haben. Und das geht oft ebenfalls über die reine Lust hinaus. Ihr Partner merkt jedoch sehr gut, ob er oder sie tatsächlich gemeint ist oder ob Sie ihn oder sie nur zur Befriedigung eigener Bedürfnisse benutzen. 

Auch an einer Verführung sind immer zwei beteiligt

Also, bevor Sie Ihren Partner oder Ihre Partnerin verführen, überlegen Sie, welche Motivation bei Ihnen dahintersteckt. Sie wollen ihr oder ihm einfach nur nah sein, etwas Gutes tun, Sex haben? Gut, dann schauen Sie sich an, wie es Ihrer Partnerin oder Ihrem Partner gerade geht und stimmen Sie ihn oder sie auf sich und einen schönen Abend oder ein gemeinsames Wochenende ein. Vielleicht kommen Sie tatsächlich mit der großen Überraschung an. Oder Sie gehen es eben langsam und behutsam an. ;-)

Anja Drews – Diplom-Sexualpädagogin für ORION