Für ein Liebespaar braucht es nicht immer Sex!

Schöne Tipps für lustvolle Stunden zu zweit

Wie viel Zeit verbringen Sie täglich mit Ihrem Partner? Wahrscheinlich viel zu wenig! Denn schneller als wir es überhaupt bemerken, holt uns der Alltag ein. Der Job frisst viel Zeit und Energie, dazu kommen die jeweiligen Familien, Freunde und Lieblingsfreizeitbeschäftigungen. Besonders hart trifft das Eltern. Hier dreht sich alles oft nur noch um die Kinder und die Organisation des Haushalts. Das ist auch alles immens wichtig. Nur bleibt das Paar als Liebespaar dabei auf der Strecke. Hier ist es besonders wichtig, sich Freiräume zu schaffen und die Kinder nach Möglichkeit einmal abzugeben.

Je mehr Zeit Sie miteinander verbringt, desto mehr Zeit bleibt auch für Nähe und Intimität. Und natürlich auch für Sex! Das ist ebenfalls wichtig, denn Sex macht nicht nur Spaß, er steigert auch das Wohlbefinden und stärkt das Zusammengehörigkeitsgefühl. Frei nach dem Motto: „Wir gegen den Rest der Welt.“ Deshalb ist es so wichtig, dass Sie beide sich bewusst Zeit füreinander nehmen. Sie können gemeinsam auf Entdeckungsreise gehen und auch einmal etwas Neues ausprobieren! Aber dieses Neue braucht gar keine großen Inszenierungen.

Erotische Nähe fast ohne Sex

Wer jetzt gerade nur an Koitus und Orgasmus denkt, dem entgeht viel von der Lebendigkeit des Sexuellen. Denn es gibt noch so viel mehr, das Sie beide auf erotische Weise miteinander verbindet: 

  • Einfach nur Händchenhalten
  • Stundenlanges Schmusen
  • Fantasien austauschen
  • Sich ausgiebig streicheln und massieren
  • Erotische Nachrichten verschicken
  • Miteinander flirten
  • Sich für sich selbst und den anderen schön machen
  • Hautkontakt spüren

Das scheint auf der Hand zu liegen, wird aber dennoch oft vergessen. Wer neue Wege gehen möchte, braucht sich gar nicht gleich ins Schwesternkostüm zu werfen, Sex unter der Autobahnbrücke zu wagen oder sich durchs Kamasutra zu turnen. Nein, es geht auch viel weniger spektakulär und kann dennoch eine große Wirkung erzielen. 

Hautkontakt fördert die Verbundenheit

Wenn wir die Haut und die Wärme des Partners spüren, wird Oxytocin ausgeschüttet. Das wiederum sorgt dafür, dass unser Stresslevel herunterfährt und wir uns mit unserem Partner verbunden fühlen.

Wie lange ist es her, dass Sie beide sich das letzte Mal so richtig ausgiebig gestreichelt haben? Nackt im Bett liegend von oben bis ganz unten und wieder zurück? Nicht nur zwei Minuten, sondern sogar eine ganze Stunde lang. Und zwar absichtslos, nur das Streicheln an sich. Dabei können Sie mit den Händen ganz zart über die Haut fahren, mit den Fingerspitzen trommeln oder mit den leicht gekrümmten Handflächen klopfen. Sie können Federn verwenden, angewärmte Steine, Massageöl oder Eiswürfel. 

Achteten Sie aufmerksam auf Ihre Gefühle dabei:

  • Welche Berührungen fühlen sich an welchen Stellen gut an? 
  • Welche Berührungen nehmen Sie gern entgegen und welche sind vielleicht nicht so schön? 
  • Was gefällt Ihnen als Gebende oder Gebender am besten? 
  • Womit haben Sie beide vielleicht Schwierigkeiten? 
  • Schauen Sie Ihren Liebsten oder Ihre Liebste gern an? 
  • Lassen Sie sich gern anschauen? 
  • Oder haben Sie vielleicht Hemmungen? 

Sprechen Sie darüber, lassen Sie den oder die andere an Ihren Gedanken teilhaben. Lassen Sie beide daraus ein Gespräch zwischen Ihren Körpern, Ihren Emotionen und Ihren Gedanken werden. Seien Sie sich in jeder Hinsicht ganz nah.

Intime Berührungen und Massagen

Können Sie das Geschlecht des oder der anderen berühren, ohne gleich ein inneres Orgasmusprogramm abzuspulen? 

Schauen Sie sich ganz genau die Farben an, die kleinen Fältchen, fühlt die Weichheit der Haut und das anschwellende Gewebe bei Erregung. 
Beschreiben Sie sich gegenseitig in schönen Worten, was Sie sehen und wie sich das anfühlt. 

Das hört sich einfacher an als es ist. Denn es gehört schon einiges dazu, sich derart genau betrachten zu lassen. Manche können das gar nicht aushalten. Dann gehen Sie vorsichtig vor. Massieren Sie sich genüsslich, erkunden Sie das Geschlecht in allen Einzelheiten und denken Sie dabei eben nicht an ein Ziel. Lassen Sie sich treiben. 

  • Wie ist das Gefühl am Penisschaft, am Vorhautbändchen, an der Innenseite der Vorhaut, an der Eichel, am Harnröhrenausgang, an den Hoden?
  • Können Sie die Prostata fühlen?
  • Was ist mit dem Damm und dem Anus? 
  • Wie fühlen sich die äußeren und inneren Venuslippen an? 
  • Finden Sie die kleinen Drüsenausgänge dazwischen? 
  • Können Sie den kleinen Schaft der Klitoris spüren, die Klitoris unter der Vorhaut hervorlocken, den Harnröhrenausgang sehen und spüren? 
  • Wie empfindsam ist der Scheideneingang? 
  • Und was ist mit dem G-Punkt? Können Sie ihn ertasten und sogar sehen? 
  • Können Sie berühren und Berührungen zulassen?


Lassen Sie sich dabei ganz viel Zeit und bleiben Sie immer im Kontakt. Durch diese Berührungen und Betrachtungen können Sie beide eine ganz intensive Nähe zwischen sich herstellen.

Sex ist kein Leistungssport

Sex lässt unsere Herzen höher schlagen. Sex verursacht das berühmte Kribbeln im Bauch. Sex ist eine Lebensenergie. Sex lässt uns begehren und gibt uns das Gefühl, begehrenswert zu sein. Sex ist ein Spiel der Sinne. Sex lässt unsere Glückshormone in die Höhe schießen. Guter Sex sorgt dafür, dass wir die Welt zumindest eine Zeitlang mit anderen Augen sehen. Aber Sex bedeutet nicht, dass wir immer übereinander herfallen und uns die Kleider vom Leib reißen müssen. Sex bedeutet nicht, Leistung bringen zu müssen. Sex bedeutet nicht, immer mit einem Orgasmus triumphieren zu müssen. Sex bedeutet auch Nähe, Intimität und Vertrauen. Sich aufeinander einlassen und sich zeigen. In ganz kleinen Schritten. In diesem Sinne – viel Spaß!

Anja Drews – Diplom-Sexualpädagogin für ORION