Was Männer wollen. Und Frauen eigentlich auch

Warum Beziehungen klappen – oder auch nicht

Lebensweisheiten sind ja manchmal die besten Weisheiten. Denn sie basieren auf den Erfahrungen, die wir im Laufe unseres Lebens gesammelt haben. Je mehr Leben desto mehr Erfahrungen. Klar. Warum hören wir dann nicht den Menschen viel mehr zu, die schon auf eine ganze Menge an Erfahrungen und Erlebnissen zurückblicken können? Gerade was das Thema Beziehungen betrifft, wartet hier womöglich so manche Weisheit. Ob man das dann für sich annimmt, kann jeder für sich entscheiden. Denn auch diese Erfahrungen sind ja höchst unterschiedlich.

Teil 1: Das macht Männer glücklich

Drei Beziehungsweisheiten

Neulich traf ich auf eine Frau, die mit Mitte 50 zum ersten Mal heiratet. Sie schmunzelte über sich selbst, scheint das doch ein stolzes Alter für dieses Ereignis zu sein. Immerhin haben zu diesem Zeitpunkt sehr viele Menschen bereits die ersten Scheidungen hinter sich. Diese Frau nun führte bisher ein bewegtes Leben mit vielen Männern und Beziehungen und dachte dabei immer, dass das Heiraten nichts für sie sei. Tja, wie man sich eben irren kann. Plötzlich war da dieser eine Mann, noch ein paar Jahre älter als sie, und es hat gefunkt. So gefunkt, dass sie ihre Bedenken über Bord warf und nun mitten in den Heiratsvorbereitungen steckt.

Wir unterhielten uns über die Wege und Umwege, die das Leben so nehmen kann. Und dabei erzählte sie mir von ihren Erkenntnissen darüber, was Männer in Beziehungen wollen und warum sie selber jetzt bereit für diese Ehe sei. Eigentlich ist das alles nichts Neues. Aber während wir in unseren Beziehungen stecken und uns zuweilen in unsere Idealvorstellungen hineinsteigern, vergessen wir das gern. Deshalb fasse ich es hier einmal zusammen:

Männer mögen nicht so viel reden

Nun, sie mögen schon reden, aber sie wollen nicht alles analysieren. Sie sind eher ergebnisorientiert in ihren Gesprächen. Was hat geklappt und was nicht. Sie wollen Lösungen finden. Frauen hingegen reden über das Wie und das Warum. Warum läuft etwas so oder so und warum nicht so oder so?

Da kann man sich nun auf die Hinterbeine stellen und den anderen unter Druck setzen. Und natürlich wäre es ganz wunderbar, wenn sich Ihr eigener Mann gleichzeitig als die beste Freundin entpuppt, mit der Sie über alles stundenlang reden können. Sie können es aber auch akzeptieren und versuchen, gemeinsam eine Lösung zu finden, wie Gespräche zu beiderseitigem Vergnügen stattfinden.

Männer haben es gern nett

Sie wünschen sich, dass das Leben schön ist. Das wünschen sich Frauen auch. Überhaupt, wer hat es denn nicht gern schön? Wir könnten das Leben und die Liebe auch in vollen Zügen genießen, stünden uns nicht immer unsere eigenen inneren Ansprüche im Weg. Das fängt ja schon bei der Partnersuche an. Wie einen Kuchen stellen wir uns unseren Traumpartner zusammen. So oder so soll er gefälligst sein, anders geben wir uns nicht zufrieden. Und die Beziehung soll dann auch genau unseren Vorstellungen entsprechen. Dafür arbeiten wir hart an uns und am Partner.

Aber Männer wollen keine harte Beziehungsarbeit leisten. Sie wollen es schön haben. Wie wir auch.

Machen wir doch aus der „harten Beziehungsarbeit“ lieber eine gemeinsame Weiterentwicklung an unseren Stärken und nehmen wir die Schwächen des anderen als gegeben hin. Wir können die anderen nicht verändern, nur uns selbst und unsere Einstellung.

Männer sind keine Hellseher

Ach nee, höre ich jetzt die Frauen sagen. Klar sind Männer keine Hellseher. Aber warum wird dann immer wieder von ihnen erwartet, die Gedanken und Wünsche ihrer Partnerin an den Augen abzulesen? Wenn ich frage: „Zeigst du ihm denn, wie du kommst?“ bekomme ich häufiger ein empörtes: „Das muss er doch von allein wissen!“ zu hören. Ja, aber woher denn???

Wie oft habe ich schon von völlig missglückten Geschenken gehört! Was Männer brauchen, sind klare Ansagen:

  • DAS da will ich haben.
  • Mach es SO.
  • ICH möchte heute Abend lieber zuhause bleiben.

Damit können sie etwas anfangen. Klare Ansagen bedeuten allerdings nicht zwangsläufig, dass Frauen dann auch bekommen, was sie wollen. Denn einen freien Willen haben Männer trotzdem. J Sie entscheiden, was sie selber wollen. Aber zumindest lassen wir sie nicht im Regen stehen, was unsere Wünsche betrifft.

Reife hat ihre Vorteile

Mit dem Alter wachsen die Ansprüche an unsere Beziehungen. Wir wissen besser, was wir wollen und was nicht. Nicht selten allerdings stehen wir uns dabei selber im Weg. Wir sortieren viel zu schnell aus, lassen dem anderen keine Chance, ihn oder sie besser kennenzulernen oder eine Beziehung zu führen, die nicht in allen Punkten unseren Vorstellungen entspricht. Aber wir werden auch reifer und haben die Möglichkeit, uns dies bewusst zu machen und dadurch gelassener zu werden. Ja, warum denn nicht? Das war der Satz, den die schmunzelnde und über sich selbst lachende Braut zuletzt immer mehrmals wiederholte. Und ja, warum denn nicht? Da hat sie doch recht!

Teil 2: Das macht Frauen glücklich

Geschafft. Er hat sich um sie bemüht, hat um sie gekämpft, hat seinen Charme spielen lassen und sie endlich davon überzeugt, dass er genau der Richtige für sie ist. Vielleicht musste er auch gar nicht so viel dafür tun, weil sie sich ganz einfach Hals über Kopf in ihn verliebt hat.

Egal, wie die beiden zueinander gefunden haben, stellt er sich vielleicht die Frage, was sie jetzt von ihm erwartet. Ihm ist schon bewusst, dass mit dieser Frau an seiner Seite alles anders werden wird. Sein Leben wird auf den Kopf gestellt, wenn er es zulässt. Auf einiges freut er sich. Denn es warten heiße Nächte mit tollem Sex, gemeinsame Interessen oder wunderbare Urlaube. Anderes fürchtet er vielleicht. Stellt sie seine Wohnung auf den Kopf? Was mag sie über seinen Kleiderschrank denken? Mag sie seine Freunde, seine Familie?

Und er stellt sich die Frage, wie er ihr seine Liebe zeigen kann. Dafür gibt es sicherlich viele Möglichkeiten und diese werde er ganz individuell und unbewusst einsetzen. Aber es gibt auch ein paar universelle Ideen, die sich vermutlich jede Frau von ihrem Partner wünscht.

1. Nicht immer nur das Eine wollen

Zuerst sind beide so heiß aufeinander, dass aus jedem Kuss und jeder Umarmung Sex werden kann oder sogar wird. Sie begehren sich mit Haut und Haaren. Irgendwann kommt aber der Moment, in dem sie es genießen wird, einfach nur in den Arm genommen zu werden. Auch ein heißer oder ein liebevoller, inniger Kuss kann für sich stehen bleiben. Das ist sogar ganz wichtig, damit kein Automatismus im Sinne von Küssen = Sex entsteht. Dieser nämlich ist für viele Frauen ein rotes Tuch. Sie haben dann das Gefühl, dass es weniger um sie selbst als nur um den Sex geht.

Halten Sie sich also gern einmal zurück. So kann Ihre Liebste auch viel besser von sich aus auf Sie zukommen, wenn sie in der richtigen Stimmung ist.

2. Aktiv zuhören und in den Arm nehmen

Mit dem Zeigen von Gefühlen kann nicht jeder so gut umgehen. Freude und Glück sind ok, aber Traurigkeit ist manchmal schwer auszuhalten. Nun können Sie Ihrer Partnerin die Probleme nicht abnehmen. Es sei denn, Sie sind die Ursache dafür. Dann sollten Sie Bereitschaft zeigen, mit ihr darüber zu sprechen und gemeinsam eine Lösung zu finden.

Wenn die Ursachen für die Gefühle jedoch außerhalb der Beziehung liegen, kann es auch schon sehr hilfreich sein, aktiv zuzuhören:

  • Das bedeutet, dass Sie ab und zu ein „mh, verstehe ich“ oder ein „ja, das ist ja wirklich ärgerlich“ oder ähnliches einwerfen.
  • Sie können auch Fragen zum Verständnis stellen. „Meinst Du damit, dass....“ oder „Was genau hat er/ sie dann gesagt?“

Dadurch bekommt Ihre Partnerin das Gefühl, dass Sie aufmerksam sind. Und Sie zeigen, dass Sie versuchen, sich einzufühlen. Dazu können Sie Ihre Liebste in den Arm nehmen und sie liebevoll halten.

3. Nicht die Welt erklären

Und verfallen Sie dabei bitte nicht in die männliche Unart des Mensplaining.

  • Sie: „Was für ein herrlicher Sonnenuntergang! Was für schöne Farben!“
  • Er: „Ja, das kommt daher, dass das Licht durch die Atmosphäre gebrochen wird. Blablabla...“

Kennen Sie das? Damit könnten Sie die romantischste Stimmung kippen. Ganz besonders schlimm wird es, wenn Sie Ihrer Liebsten etwas zu erklären versuchen, von dem sie eindeutig mehr Ahnung hat als Sie. Dann halten Sie einfach die Klappe und fragen Sie sie stattdessen um ihre Meinung und lassen Sie es sich von ihr erklären. Auch Frauen genießen es, wenn sie ihr Wissen teilen dürfen. Und Ihre Liebste ist mindestens genauso Expertin, wie Sie es sind. Und dann zollen Sie dafür die nötige Bewunderung. Genauso, wie Sie es sich auch von Ihr wünschen.

4. Kleine Aufmerksamkeiten zwischendurch

Achten Sie im Alltag auf alles, was Ihre Partnerin von sich verrät: 

Welche Vorlieben hat sie?

  • Welche Filme mag sie?
  • Welche Bücher liest sie?
  • Welche Musik hört sie gern?
  • Hat sie Lieblingsblumen?
  • Bevorzugt sie eine Kaffeesorte, welchen Aufschnitt oder Käse isst sie gern, wo kauft sie gern ein?

Und dann überraschen Sie sie mit kleinen Aufmerksamkeiten. Laden Sie sie zum neuen, passenden Film ins Kino ein, kaufen Sie die richtigen Zutaten fürs Frühstück, kochen Sie ihr Lieblingsessen, bringen Sie ihr einfach so eine Blume mit, legen Sie ihre Musik auf, schauen Sie einmal in ihre Lieblingslektüre und überraschen Sie sie mit einem Zitat. Es geht dabei nicht darum, dass Sie viel Geld ausgeben. Zeigen Sie, dass Sie sich für sie interessieren und ihre Wünsche berücksichtigen. Und natürlich sollte es andersherum genauso sein.

5. Unterstützung beim Nachwuchs

Wenn aus Liebespaaren Eltern werden, ändert sich noch einmal alles. Dann wird das Leben erst so richtig auf den Kopf gestellt. Für Frauen gilt das noch mehr als für Männer. Sie gebären die Kinder nicht nur, sie kümmern sich meistens auch trotz aller Elternzeitmöglichkeiten für Männer doch viel intensiver um das Kind. Viele bleiben erst einmal zuhause, verzichten auf ihren Job und die sozialen Kontakte.

Wie schön ist es dann, wenn Mann sich dessen bewusst ist und die Liebste dabei unterstützt. Sowohl mental als auch ganz praktisch. Dabei geht es meistens gar nicht einmal um die genau gleiche Aufteilung aller Pflichten, sondern einfach nur darum, da zu sein, ihr zuzuhören, ihr Aufgaben abzunehmen und ihr zu sagen, wie toll sie das macht und wie stolz er auf die neue Familie ist!

Anja Drews – Diplom-Sexualpädagogin für ORION