Leiden Sie auch an Herbstdepression?

Erhöhtes Schlafbedürfnis und Heißhunger sind typische Symptome

23. November 2016

Seit die Uhr Ende Oktober zurückgedreht wurde, verlässt Susanne ihren Arbeitsplatz erst im Dunkeln. Als Kassiererin in einem Einkaufszentrum sieht sie auch tagsüber selten die Sonne. Sie wird richtig trübsinnig davon, fühlt sich antriebslos und schafft es am Wochenende kaum, etwas zu unternehmen. Susanne durchleidet eine typische Herbstdepression

Viele sind niedergeschlagen

Susanne geht es wie vielen Bundesbürgern. Denn bis zu jedem dritten schlagen die lichtarmen Monate laut Umfragen aufs Gemüt. Wenn die Tage wieder länger werden und der Frühling naht, ist es mit dem Stimmungstief wieder vorbei. Die vorübergehende melancholische Stimmung, die sehr viele Menschen verspüren, wenn die ersten Blätter fallen und das Leben sich mehr in sich selbst zurückzieht, gehöre zum Leben dazu und habe nichts mit einer Depression im medizinischen Sinne zu tun, so Prof. Dr. Ulrich Hegerl, Vorstandsvorsitzender der Stiftung Deutsche Depressionshilfe (www.deutsche-depressionshilfe.de).

Herbstdepression durch zu wenig Tageslicht

Aber warum kippt bei so vielen im Herbst die Stimmung? Unser Wohlgefühl hängt vom Tageslicht ab. Dringt davon im Herbst weniger in unsere Augen, produziert unser Körper mehr Melatonin. Das ist das Hormon, das abends für die nötige Bettschwere sorgt. Bekommen wir zu wenig Tageslicht, werden wir darum müde und lustlos. Aber das ist noch keine Depression. 

Antriebslosigkeit, Freud- und Interesselosigkeit oder eine gedrückte Stimmung, aber auch körperliche Störungen, wie Rücken- oder Magenschmerzen, können tatsächlich auf eine depressive Erkrankung hinweisen.

Behandlungsbedürftig ist die jedoch erst, wenn diese Symptome über einen Zeitraum von mindestens zwei Wochen bestehen. Wer derlei Symptome mindestens zwei Jahre hintereinander und ausschließlich in der dunklen Jahreszeit entwickelt, leidet vielleicht an einer Saisonal Abhängigen Depression, einer eher seltenen Unterform der Depressionen. Eine Herbstdepression unterscheidet sich in zweierlei Weise von anderen Formen der Depression.

Herbstdepression: eigene Symptome 

Prof. Hegerl: „Im Gegensatz zur jahreszeitlich unabhängigen Depression leiden Betroffene nicht unter Ein- und Durchschlafstörungen, sondern haben eine erhöhte Schlafneigung. Ein weiteres Unterscheidungsmerkmal ist der Appetit. Depressive Menschen leiden unter Appetitmangel und nehmen häufig ab. Menschen, die an einer Saisonal Abhängigen Depression leiden, haben dagegen mehr Hunger, speziell auf kohlenhydratreiche Lebensmittel wie Süßigkeiten.“

Herbstdepression: Tipps für die dunkle Jahreszeit

Herbstdepression – was ist zu tun? Oft sei eine Lichttherapie hilfreich, erläutert der Experte. Spezielle Lichtlampen brauche man dafür nicht unbedingt. Ein täglicher ausgedehnter Spaziergang im Freien sei ausreichend. Denn selbst an trüben Tagen entspreche der Lichteinfall draußen in etwa dem einer Therapielampe. Licht sorgt dafür, dass unser Körper die Serotoninproduktion ankurbelt. Dieses Hormon macht uns wach und munter. Bei schweren Herbst-Winter-Depressionen reicht eine Lichttherapie aber in der Regel nicht aus. „Zusätzlich ist dann meist eine medikamentöse sowie eventuell eine psychotherapeutische Behandlung notwendig“, erklärt Prof. Hegerl.

Und wer keine richtige Herbstdepression hat, aber in dieser Jahreszeit oft niedergeschlagen ist – was kann der tun? Auch hier weiß Prof. Hegerl Rat: „Gut ist, auch in der dunklen Jahreszeit regelmäßig Sport zu treiben, idealerweise an der frischen Luft. Wichtig ist auch, soziale Kontakte zu pflegen und sich nicht zu sehr zurückzuziehen. Einfach ein bisschen auf sich achten, angenehme Dinge machen und sich bewusst Gutes tun sowie nicht zu lange zu schlafen, das ist sicher ein probates ‚Rezept‘, um gut gelaunt durch diese Monate zu kommen.“

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