ADHS: Auch Erwachsene sind betroffen

Wenn im Kopf Chaos herrscht

Eine unerkannte ADHS kann treibende Kraft sein u.a. auch für depressive Belastungen, Angststörungen ADHS trifft nicht nur Kinder und Jugendliche. Auch Erwachsene können unter dieser Störung leiden Dr. med. Lothar Imhof, Facharzt für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie in Ahrensburg

Lange wurde die Aufmerksamkeitsdefizit/Hyperaktivitätsstörung lediglich als Krankheit bei Kindern und Jugendlichen eingestuft. Heute ist klar: von ADHS können auch Erwachsene betroffen sein. Doch es gibt Hilfe. Unser Experte Dr. med. Lothar Imhof aus Ahrensburg klärt, wie Sie erkennen, ob Sie betroffen sind, und was Sie tun können.

Woran erkennt man ADHS?

Rund zwei Millionen Erwachsene sind in Deutschland Schätzungen zufolge von ADHS betroffen. Es beeinflusst ihren Alltag, nimmt ihnen den Lebensmut und zieht oft andere psychische Erkrankungen nach sich. Doch viele von ihnen ahnen nicht einmal, dass sie von der Aufmerksamkeitsdefizit/Hyperaktivitätsstörung betroffen sind. 

Ständige Unkonzentriertheit, Chaos bei der Arbeit, vergessene Termine - das ist für viele Menschen stressiger Alltag. Die Aufmerksamkeit ist ebenso beeinträchtigt wie die Fähigkeit, sich über längere Zeiträume auf eine Sache zu konzentrieren und Reaktionen sind häufig unkontrolliert. 

Welche Folgen kann ADHS haben?

„Es geht nicht um ein bisschen Unruhe“, erklärt Dr. Imhof, „In der Praxis wir ADHS bei Erwachsenen nicht selten überlagert durch weitere psychische Leiden.“ So schätzt man, dass rund 40% der Betroffenen auch unter einer depressiven Belastung leiden, etwa 20% unter einer Angststörung. Bei ca. 35% ist ADHS nur schwer von anderen ernsthaften Persönlichkeitsstörungen abzugrenzen. Zudem sind diese Menschen weitaus suchtgefährdeter. 

Dass bis zu 80% der im Kindesalter Betroffenen auch als Erwachsene noch an der Erkrankung leiden, gilt in Fachkreisen heute als unbestritten. Bei ihnen ist in bestimmten Hirnregionen der Botenstoff Dopamin nicht ausreichend vorhanden, was zu Störungen bei der Weiterleitung von Nervenreizen führt.

Welche Therapiemöglichkeiten gibt es bei ADHS?

Ein strukturierter Alltag, gezieltes Verhaltenstraining sowie eine psychologische Betreuung können ADHS-Patienten helfen. Auch medikamentös ist die Krankheit therapierbar. Seit mehreren Jahren steht mit Methylphenidat (MPH) ein auch für erwachsene Patienten zugelassener und entsprechend gut untersuchter Wirkstoff zur Verfügung, der die gestörte Dopamin-Regulation gezielt normalisieren kann. 

„Konsequent diagnostiziert und entsprechend therapiert könnte das Leiden vieler Betroffener nachhaltig gelindert werden", so das Fazit von Dr. Imhof. Sein Rat: Wer sich in den beschriebenen Symptomen wiederfindet, sollte sich bei einem Arzt seines Vertrauens auf eventuelles ADHS untersuchen zu lassen. Dieser Gang könnte der Beginn eines völlig neuen Lebensgefühls sein.

Sind Sie von ADHS betroffen? 

Sie vermuten, Sie könnten ADHS haben? Dann machen Sie hier den Test.

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