Dem Krebs auf der Spur

Welche Vorsorge-Untersuchungen für mich wirklich sinnvoll sind

Mit dem Hautkrebs-Screening können Vorstufen und frühe Stadien von Hautkrebs erkannt werden Regelmäßige Vorsorge-Untersuchungen sind wichtig, um Krebs im Frühstadium erkennen zu können und dann entsprechend zu behandeln Das aktuelle Sonderheft „FUNK UHR gesund & fit“ können Sie HIER bestellen.

Bestimmt haben auch Sie von Ihrem Arzt schon Sätze gehört wie: „Gehen Sie zur Darmspiegelung!“, „Die Mammografie ist sinnvoll!“ oder „Ich empfehle Ihnen eine Ultraschall der Eierstöcke.“ So gut es auch ist, dass es diese und andere Früherkennungs-Untersuchungen für Krebs gibt – so schnell verliert man den Überblick. Was ist wirklich sinnvoll? Und wo will der Arzt einfach nur Geld verdienen? Denn zusätzlich zu den Untersuchungen, die die Krankenkassen zahlen, gibt es sogenannte Individuelle Gesundheitsleistungen (IGeL), deren Kosten der Patient selbst trägt und bei denen oft nicht klar ist, welcher Nutzen dahinter steckt. Wir geben Ihnen einen Leitfaden an die Hand, der zeigt, welche Methoden sich für Sie lohnen.

1 Gebärmutterhals

Das wird gemacht Der Gynäkologe untersucht äußerlich und innerlich die Geschlechtsorgane. Dann macht er einen Abstrich des Gebärmutterhalses (Pap-Test). Dafür entnimmt er mit einem speziellen Spatel Zellen vom Muttermund. Forscher testen gerade, ob zusätzlich zum Pap-Test der Test auf humane Papillomviren (HPV) zur Krebsfrüherkennung sinnvoll ist. Die HP-Viren sind Auslöser von Gebärmutterhalskrebs
Warum? Veränderungen von Zellen können auf Gebärmutterhalskrebs oder seine Vorstufen hinweisen. Wird er früh erkannt, kann er besser therapiert werden
Für wen? Für Frauen ab 20 Jahren
Wie oft? Einmal im Jahr
Kosten Übernimmt die gesetzliche Krankenkasse

2 Brust

Das wird gemacht Der Arzt tastet Brüste und die sie umgebenden Lymphknoten nach Veränderungen ab. Zusätzlich bekommt jeder Frau ab 50 in Deutschland eine Einladung zur Mammografie. Dabei wird die Brust mittels Röntgen untersucht
Warum? Mit beiden Untersuchungen können Mediziner Auffälligkeiten in der Brust feststellen. Studien zeigen, dass von 1.000 Frauen, die zehn Jahre lang regelmäßig zur Mammografie gehen, eine bis zwei vor dem Tod durch Brustkrebs bewahrt werden
Für wen? Abtastung der Brüste für Frauen ab 30 Jahren, Mammografie für Frauen zwischen 50 und 69
Wie oft? Abtastung jedes Jahr, Mammografie alle zwei Jahre
Kosten Übernimmt die gesetzliche Krankenkasse

3 Eierstöcke

Das wird gemacht Mittels Ultraschall werden die Eierstöcke nach Veränderungen abgesucht
Warum? Achtung: Viele Experten halten diese Methode nicht für sinnvoll. Studien zeigen, dass Frauen durch Fehl-Diagnosen oft unnötig beunruhigt werden und dass teilweise auch gesunde Eierstöcke aufgrund eines falschen Verdachts entfernt werden. Sogar ärztliche Fachgesellschaften raten inzwischen von der Methode ab. Infos unter www.igel-monitor.de
Für wen? Ärzte bieten den Ultraschall für alle Frauen als individuelle Gesundheitsleistung (IGeL) an.
Wie oft? Individuell
Kosten Zwischen 10 und 50 Euro. Bei Verdacht auf Eierstockkrebs zahlt die gesetzliche Krankenkasse

4 Darm

Das wird gemacht Für den immunologischen Stuhltest geben Sie eine Stuhlprobe in einem Röhrchen beim Arzt ab. Dieser schickt die Probe zur Analyse ins Labor. Bei der Darmspiegelung untersucht der Arzt mit Hilfe eines speziellen Geräts (Koloskop) den Dickdarm
Warum? Der Stuhltest kann verborgenes Blut im Stuhl aufzeigen. Dies ist ein Hinweis auf das Vorliegen einer Darmkrebserkrankung. Auch die Darmspiegelung kann Krebs oder seine Vorstufen sichtbar machen. Diese können schon bei der Untersuchung entfernt werden
Für wen? Stuhltest von 50-54, Darmspiegelung ab 55 Jahren
Wie oft? Stuhltest jährlich, Darmspiegelung alle 10 Jahre
Kosten Übernimmt die gesetzliche Krankenkasse

5 Prostata

Das wird gemacht Der Arzt tastet die Prostata ab. Zusätzlich können Mediziner die Konzentration des Prostata-spezifischen-Antigens im Blut nachweisen (PSA-Test)
Warum? Der Doc kann Unregelmäßigkeiten an der Prostata früh erkennen. Ein erhöhter PSA-Wert kann auf einen Tumor hinweisen. Der PSA-Test ist jedoch umstritten und kein Teil der gesetzlichen Früherkennung
Für wen? Tastuntersuchung für Männer ab 45 Jahren PSA-Test individuell
Wie oft? Tastuntersuchung jährlich, PSA-Test nach Bedarf
Kosten Kosten der Tastuntersuchung übernimmt die Kasse, den PSA-Test muss der Patient selbst zahlen (außer bei Krebsverdacht). Der Test kostet in der Regel etwa 10 bis 45 Euro

6 Haut

Das wird gemacht Beim Haut-Screening wird der gesamte Körper, inklusive Kopf und Schleimhäute nach Veränderungen abgesucht. Das Screening kann von einem Hautarzt oder einem Allgemeinmediziner mit entsprechender Zusatzqualifikation durchgeführt werden
Warum? Mit dem Screening können Vorstufen und frühe Stadien von Hautkrebs erkannt und durch einen anschließenden kleinen Eingriff entfernt werden
Für wen? ab 35 Jahren
Wie oft? Alle zwei Jahre
Kosten Übernimmt größtenteils die Krankenkasse. Wer ein besonders gründliches Verfahren mit einer beleuchteten Lupe möchte, muss das selbst zahlen. Die Kosten liegen dann bei etwa 15 bis 30 Euro

Die Vorsorge kann Leben retten

Die Idee hinter den Früherkennungs-Untersuchungen ist folgende: Wird Krebs rechtzeitig entdeckt, können Ärzte die Erkrankung besser behandeln, die Überlebenschancen steigen. Gerade beim Darmkrebs-Screening sind die Vorteile nicht von der Hand zu weisen: Laut Deutschem Krebsforschungszentrum wurden mit der Darmspiegelung zwischen 2003 und 2010 fast 10.000 Fälle von Darmkrebs verhindert. Auch die Mammografie für Frauen kann Leben retten: Experten gehen davon aus, dass pro 1.000 Frauen, die zehn Jahre lang regelmäßig zum Screening gehen, eine bis zwei vor dem Tod durch Brustkrebs gerettet werden. Weitere Untersuchung speziell für Frauen: der Gebärmutterhalsabstrich (Pap-Test). Seit Einführung dieses Tests Anfang der 1970er-Jahre ist die Zahl der Frauen, die an dieser Krebsart erkranken, um 75 Prozent gesunken. Auch die Untersuchung der Haut, die Abtastung der Brust (Frauen) und der Prostata (Männer) werden von den Kassen ab einem gewissen Alter bezahlt. Doch es gibt auch Früherkennungs-Methoden, die nicht empfehlenswert sind.

Eierstock-Ultraschall: Vorteil ist fraglich

„Beim Ultraschall, der häufig zur Früherkennung von Eierstockkrebs zum Einsatz kommt, ist die Zahl von falsch-positiven Befunden besonders hoch“, weiß Dr. Susanne Weg-Remers, Leiterin des Krebsinformationsdienstes, Heidelberg. Eine Studie mit 70.000 Frauen zeigt, dass es nicht weniger Todesfälle durch Eierstockkrebs trotz Ultraschall gibt, wohl aber mehr Eierstock-Entfernungen.

Gute Informationen sind das A und O

Allen Früherkennungs-Methoden ist eines gemeinsam: Sie bergen gewisse Risiken, die man kennen sollte. Da wäre zunächst das Problem von falsch-positiven Ergebnissen und daraus folgenden Übertherapien. Denn nicht jede Zell-Entartung, die bei der Früherkennung erkannt wird, entwickelt sich auch zu einem bösartigen Tumor. Das führt zu unnötigen Behandlungen. „Außerdem ist das immer eine große psychische Belastung für die Betroffenen“, so die Krebs-Expertin. Das Gegenteil von solchen Übertherapien sind falsch-negative Ergebnisse. Hierbei wird trotz Screening ein bestehender Tumor nicht erkannt. „Die Entscheidung für oder gegen die Untersuchungen ist daher sehr individuell. Informieren Sie sich gründlich, bevor Sie sich entscheiden“, so Dr. Weg-Remers. Bei Fragen steht Ihnen der Krebsinformationsdienst zur Verfügung (Tel. kostenlos, tägl. 8-20 Uhr: 0800-4203040; E-Mail: krebsinformationsdienst@dkfz.de; Web: www.krebsinformationsdienst.de). Und mit Hilfe des „IGeL-Monitor“, können Sie sich umfangreich über die individuellen Gesundheitsleistungen informieren (www.igelmonitor.de). Hier finden Sie eine Bewertung zu jeder Methode.

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