Ständige Ohrgeräusche: Was hilft bei Tinnitus?

Es fiept, rauscht oder klingelt im Ohr

Fast drei Millionen Menschen in Deutschland hören Geräusche, deren Quelle nicht die Außenwelt ist. Bei den Geräuschen, die außer den Betroffenen niemand hört, handelt es sich oft um hohe Pfeif- oder Piepstöne, die entweder ständig im Ohr klingen oder in bestimmten Abständen immer wieder auftreten. Manche Patienten plagt auch ein Rattern, Zischen oder Rauschen. Was hilft bei Tinnitus und wodurch wird er verursacht.

Geräusche nach 72 Stunden noch da? Zum Arzt gehen 

Ohrgeräusche, die kurz auftauchen und dann gleich wieder verschwinden, kennt fast jeder. Bei manchen Menschen bleiben sie aber über Stunden oder Tage in Ohr und Kopf und bereiten erhebliches Unbehagen. Liegt der Beginn der Erscheinung weniger als drei Monate zurück, sprechen Ärzte von akutem Tinnitus (von lateinisch tinnire = klingeln, klimpern, schellen). Dieser kann aber in einen länger andauernden, chronisch genannten Tinnitus übergehen. 

Das Surren, Brummen oder Pfeifen im Ohr treibt die Betroffenen in den Wahnsinn. Tinnitus ist inzwischen eine Volkskrankheit, und die Zahlen steigen weiter: Jeder sechste Deutsche hat irgendwann in seinem Leben Ohrgeräusche. Oft verschwindet das Piepen wieder von selbst, aber bei manchen Menschen wird es zu einem lebenslangen Begleiter. Rund 15 bis 20 Prozent der Geplagten leiden unter einer chronischen Form. Besonders besorgniserregend: 60 bis 80 Prozent der Jugendlichen haben auch schon Erfahrungen mit dem „kleinen Mann im Ohr“.

Ohrgeräusche: Ursachen und Hilfe

Was genau den Tinnitus auslöst, ist immer noch nicht vollständig geklärt. Aber die Wissenschaftler haben eine neue Vermutung: Die Geräusche werden demnach nicht im Ohr erzeugt, sondern vielmehr im Gehirn. Ist es also eine reine Kopfsache? Als sicher gilt, dass es verschiedene Tinnitus-Typen gibt – wie es auch verschiedene Kopfweh-Typen gibt. Ursache der Ohrgeräusche können aber auch Erkrankungen oder Störungen am Ohr selbst sein (u. a. Ohrschmalzpropf, Nasennebenhöhlenerkrankung, Hörsturz), aber auch andere Erkrankungen, wie etwa Bluthochdruck, Herzrhythmusstörungen oder Halswirbelsäulenprobleme. Auch manche Medikamente können die Geräusche hervorrufen. Nehmen Sie erstmals auftretende Ohrgeräusche immer ernst und fragen Sie sich, was sie Ihnen sagen wollen. Meist hilft es, sich aus dem aktuellen Geschehen zurückzuziehen und zu entspannen. Ist das Geräusch aber nach 72 Stunden nicht verschwunden, sollten Sie einen HNO-Arzt aufsuchen. Bei einem akuten Tinnitus gibt er eine Infusion mit durchblutungsfördernden Medikamenten. Besteht der Verdacht auf eine Entzündung, wird Kortison verordnet. Manchmal sind Verspannungen die Ursache, dann hilft Krankengymnastik. 

Was hilft bei Tinnitus?

Ein Spezialextrakt aus Ginkgo-Blättern (in „Tebonin 120 mg bei Ohrgeräuschen“, Apotheke) laut klinischen Studien positive Effekte zeigen. Bleibt der Tinnitus, sollten Sie sich nicht entmutigen lassen. Sie können bei speziell ausgebildeten HNO-Ärzten oder Psychotherapeuten lernen, das Geräusch im Ohr zu akzeptieren und mit ihm besser umzugehen. Auch gibt es spezielle Hörgeräte oder Rauscher, die die Wahrnehmung umlenken, so dass das Ohrgeräusch in den Hintergrund tritt.  Ein weiterer Ansatz ist die Behandlung mit Oxytocin. Dieses Entspannungshormon wird per Nasenspray verabreicht. Auch eine Magnetfeld-Therapie beruhigt die überaktiven Nerven im Ohr. Ist der Leidensdruck sehr hoch, erweist sich häufig eine kognitive Verhaltenstherapie mit fünf bis 15 Sitzungen als sinnvoll. Hilfreich kann auch der Kontakt zu Selbsthilfegruppen (zu finden über www.tinnitusliga.de) sein, eventuell auch ein Aufenthalt in einer Klinik, die sich auf die Behandlung von Tinnitus spezialisiert hat.

Eine Entspannungstechnik erlernen

Viele Betroffene berichten, dass der Tinnitus lauter und störender wird, wenn sie unter Stress stehen. Um mit der Belastung besser umgehen zu können, kann es darum sinnvoll sein, eine Entspannungsmethode zu lernen, wie etwa autogenes Training, die progressive Muskelentspannung nach Jacobson, Yoga, Qigong oder Tai Chi. Auch weiß man: Man sollte versuchen, den Geräuschen möglichst wenig Aufmerksamkeit zu schenken. Das macht sie oft leiser und darum viel erträglicher. Auch mit Musik kann man das Piepen loswerden: Ein bis zwei Stunden Lieblingsmusik am Tag sollen den kleinen Mann im Ohr zum Schweigen bringen. Spezielle Tinnitus-Apps gibt’s im App-Store und bei Google Play. Digitale Hilfe bietet zum Beispiel die „Tinnitracks Basis-Therapie“. Sie besteht aus einem umfangreichen Online-Programm. Patienten lernen per Handy-App speziell auf sie zugeschnittene Bewältigungsstrategien – Schritt für Schritt in Tageszielen. Ihr Arzt, der die Therapie auch verordnet, begleitet Sie dabei, bei Bedarf auch mit Videosprechstunden. Entwickelt hat die App die Techniker Krankenkasse, unter anderem mit dem Deutschen Verband der HNO-Ärzte. Das Angebot startete als Pilotprojekt in Baden-Württemberg, Bayern, Hamburg, Hessen und NRW. Infos: www.tk.de

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