Was hilft gegen Schnarchen?

Tabuthema, das keins sein muss

Jahrelang haben wir es ertragen, dass unsere bessere Hälfte nachts ganze Wälder platt macht und oft sind wir resigniert aufs Sofa umgezogen. Nun das: Leicht vorwurfsvoll kommt morgens von der anderen Betthälfte: „Liebling, du schnarchst!“ Ich doch nicht, denken wir. „Ja, auch Frauen schnarchen, geben es aber ungern zu“, sagt unser Experte. Aber irgendwann erwischt es auch uns. Also raus aus der Tabuzone damit und ran an die Lösungen. Dr. Michael Feld, Schlafmediziner aus Köln, erklärt, warum Frauen spätestens ab Mitte 40 mit Männern umd die Wette sägen.

Wenn’s im Rachen eng wird, steigt der Lärmpegel

Im Schlaf entspannt die gesamte Muskulatur und das betrifft auch den Rachen: Gaumen und Zunge erschlaffen und können den Rachen blockieren – vor allem, wenn wir auf dem Rücken schlafen. Lässt dann mit den Jahren die Muskelspannung insgesamt nach und kommen ein paar Fettpölsterchen hinzu, wird es eng im Rachenraum. Die Atemluft kann nicht mehr frei zirkulieren, Gaumensegel und -zäpfchen flattern geräuschvoll bei jedem Atemzug und wir röcheln, schnaufen oder schnappen nach Luft. „Bei Frauen spielen auch Hormone eine Rolle. So begünstigt die Anti-Baby-Pille das nächtliche Störkonzert. Hat sich der Körper aber an die Hormonumstellung gewöhnt, kehrt in aller Regel wieder Ruhe ein“, sagt Dr. Feld. Etwas anders verhält es sich ab Mitte 40, wenn die Wechseljahre beginnen. In dieser Phase bildet der Körper immer weniger Östrogen und auch dadurch erschlafft die Muskulatur. Die Folge: Ab 50 plus schnarchen Frauen fast genauso häufig wie Männer. Allerdings gibt es einen kleinen Unterschied: „Frauen machen in der Regel weniger Lärm “, so der Schlafmediziner.

Frauen schnarchen leiser und gehen später zum Arzt 

Dass wir im nächtlichen Sägekonzert oft nur die zweite Geige spielen, erscheint als Vorteil, erweist sich auf den zweiten Blick aber als Nachteil. Dr. Feld: „Da Frauen leiser schnarchen, fällt es später auf, sie gehen später zum Arzt und gesundheitlich riskante Atemaussetzer werden auch erst später entdeckt.“

Mini-Sensoren vibrieren uns in die richtige Lage 

„Da viele Frauen nur in Rückenlage schnarchen, ist es ratsam, sich an eine seitliche Schlafposition zu gewöhnen“, empfiehlt der Experte. Dabei können ein zarter Anstupser des Partners, im Rücken des Schlafanzugoberteils eingenähte Tennisbälle, ein Schlafrucksack oder auch ein Positionstrainer helfen. Ein Schlafrucksack besteht aus einem kantigen Kissen, das auf den Rücken geschnallt wird und verhindert, dass man sich auf den Rücken legt. Neu sind Mini-Sensoren, die z. B. auf die Stirn geklebt werden und die Schlafposition registrieren. Liegen wir auf dem Rücken, vibrieren sie leicht und wir wechseln automatisch die Lage. Was am besten wirkt, ist individuell verschieden.

Nase frei – und es kehrt wieder Ruhe ein

„In 20 Prozent der Schnarch-Fälle, liegt es daran, dass die Nasenatmung behindert ist“, erklärt Dr. Feld. Ursachen können eine Erkältung, allergischer Schnupfen und geschwollene Rachen- oder Gaumenmandeln sein. „Meistens helfen Nasensprays, die kurz vor dem Einschlafen genommen werden sollten“, rät der Schlafexperte. In einigen Fällen können auch Anti-Schnarch-Tools wie Nasenschmetterlinge – winzige Plastikbügel, die über Nacht eingesetzt werden und die Nase freihalten – sinnvoll sein. „Dauerhaft geschwollene Rachen- oder Gaumenmandeln sind jedoch ein Fall für den Hals-Nasen-Ohren- Arzt“, rät der Experte.

Ein paar Pfund weniger wirken oft Wunder

Zu den Hauptverdächtigen in Sachen Schnarchen gehören zudem Übergewicht, beispielsweise in der Schwangerschaft oder auch in den Wechseljahren. Nach der Geburt oder wenn es durch etwas mehr Bewegung und einer kalorienreduzierten Ernährung gelingt, ein paar Kilogramm abzuspecken, ist das Schnarchproblem meist gelöst. Vorsicht auch mit alkoholischen Schlummerdrinks und beruhigenden Medikamenten, wie z. B. Schlafmitteln. „Beides entspannt die Muskeln und erhöht so das Schnarch-Risiko“, warnt Dr. Feld.

Schnarchschienen halten die Atemwege offen

Kehrt dann immer noch keine Ruhe im Schlafzimmer ein, sollte man sich spätestens dann an einen Schlafmediziner wenden. „Schnarchen wird gefährlich, wenn es einem selbst oder dem Partner den Schlaf raubt und möglicherweise eine Apnoe vorliegt“, warnt Dr. Feld. Bei einer Apnoe kommt es zu Atemaussetzern und einem Sauerstoffmangel. Ob das wirklich der Fall ist, kann in einem Schlaflabor ermittelt werden (siehe Kasten links unten). Je nach Diagnose helfen dann eine Schnarchschiene, die den Unterkiefer fixiert und das Zurückfallen der Zunge verhindert, oder aber eine Operation. Ein Eingriff, bei dem Gewebe in den Atemwegen entfernt wird, ist aber nur die letzte Option und oftmals gar nicht erforderlich.

Risikofaktor Apnoe

Etwa ein Drittel der SchnarcherInnen hat beim Schlafen mehrere Atemaussetzer, die ein paar Sekunden oder Minuten dauern. Eine Apnoe bedeutet Stress für den Körper und erhöht langfristig das Risiko für Herzinfarkt, Depressionen und Schlaganfall. Dabei werden die Atemwege durch ein erschlafftes Gaumensegel verschlossen und es entsteht Sauerstoffmangel. Blutdruck und Puls steigen, Stresshormone werden ausgeschüttet, Betroffene schrecken auf und schnappen laut hörbar nach Luft.

Sekundenschlaf

Erste Anzeichen für eine Apnoe ist das Gefühl, trotz ausreichend langem Schlaf morgens wie gerädert aufzuwachen. Betroffene werden aber auch tagsüber schnell müde und nicken ein – dieser Sekundenschlaf kann zum Beispiel beim Autofahren gefährlich werden.

Atem-Maske

Die Diagnose erfolgt beim Hausarzt, Internisten oder Schlafmediziner. Bestätigen Schlaflabor, Blutuntersuchungen, EKG und Lungenfunktionstest eine Apnoe, erhalten Patienten eine Unterkieferschiene oder eine Schlafmaske. Die Schiene wird individuell angepasst, schiebt den Unterkiefer nach vorne und macht so den Rachenraum frei. Die Maske wird auf Mund und Nase platziert. Sie erzeugt einen Überdruck und hält damit die Atemwege offen. Ist allerdings gewöhnungsbedürftig.

App oder Schlaflabor? Die besten Diagnose-Methoden

Ob Schnarchen nur lästig oder mit Atemaussetzern verbunden ist, können der Partner oder wir selbst nicht zuverlässig feststellen. Mittlerweile gibt es Apps, die Geräusche aufzeichnen und auswerten. Eine sichere Diagnose bieten sie (noch) nicht und Experten raten zum Schlaflabor. Dafür muss man nicht mehr in der Klinik übernachten, sondern wird mit einem mobilen Gerät verkabelt, dass zu Hause Atmung, Geräusche, Sauerstoffversorgung und Puls misst. 

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