Hashimoto: Wenn der Körper die Schilddrüse angreift

Müdigkeit, Antriebslosigkeit, Haarausfall sind nur einige Symptome

Eine chronische Entzündung der Schilddrüse bleibt oft lange unentdeckt, vor allem bei Frauen im mittleren Alter. Als Monika in die Wechseljahre kam, ließ ihre Energie nach, sie war oft müde und depressiv. Besonders quälte sie, dass sie so stark an Gewicht zunahm. Bei Gelegenheit sprach sie ihrer Frauenärztin gegenüber von ihren Beschwerden. Die sagte, dass sei ganz typisch für die Hormonumstellungen in dieser Lebensphase. Also musste die 51-jährige Büroangestellte sich damit wohl abfinden müssen. Oder etwa doch nicht?

Monika horchte auf, als sie auf dem 75. Geburtstag ihrer Mutter ihre Cousine Heidi endlich einmal wiedertraf. Die erzählte von ganz ähnlichen Beschwerden, an denen bei ihr aber eine Erkrankung der Schilddrüse mit einem komischen Namen schuld war. Heidi nahm jetzt Tabletten dagegen ein, und es ging ihr wieder besser. Ein japanischer Arzt entdeckte die Krankheit Es war einen Versuch wert, noch einmal mit einem Arzt über ihre Probleme zu reden, dachte Monika, und wandte sich an ihren Hausarzt, dem sie auch von ihrer Cousine erzählte. Der Arzt veranlasste eine Blutuntersuchung. Und tatsächlich: Auch Monika hatte Probleme mit der Schilddrüse.

Sie litt wie ihre Cousine an einer Schilddrüsenentzündung namens Hashimoto-Thyreoiditis, benannt nach ihrem japanischen Entdecker Hakaru Hashimoto. Bei dieser Erkrankung, kurz auch Hashimoto genannt, handelt es sich um eine Autoimmunkrankheit. Das körpereigene Immunsystem stürzt sich dabei nicht auf Erreger, die von außen eindringen, oder auf eigene, entartete Zellen, wie es eigentlich seine Aufgabe wäre. Er bildet vielmehr Antikörper gegen das Schilddrüsengewebe. Die Folge ist eine chronische Entzündung, die auf Dauer das Schilddrüsengewebe zerstört. Aufgrund der zerstörten Zellen produziert die Schilddrüse zu wenig Hormone. Das macht sich in den typischen Anzeichen einer Schilddrüsenunterfunktion bemerkbar. Wenn zu Beginn der Krankheit die Hormonspeicher der Schilddrüse durch die Entzündung angegriffen werden, können vorübergehend große Hormonmengen ins Blut gelangen und Symptome einer Schilddrüsenüberfunktion auslösen. Am Ende steht aber immer die durch Hormonmangel verursachte Unterfunktion.

Frauen erkranken viel häufiger als Männer 

Die Hashimoto-Schilddrüsenentzündung verursacht normalerweise keine Schmerzen und bleibt oft lange unbemerkt. Was die Entzündung auslöst, weiß man nicht genau. Allerdings spielt Veranlagung eine Rolle, die Störung kommt familiär gehäuft vor. Meistens erkranken Menschen zwischen dem 30. und 50. Lebensjahr. Frauen sind wesentlich häufiger betroffen als Männer. Hashimoto kann mit anderen Autoimmunerkrankungen wie zum Beispiel der jugendlichen Zuckerkrankheit (Diabetes Typ 1) einhergehen. Bei Frauen um die 50 wird die Krankheit – wie bei Monika – besonders leicht übersehen. Denn die typischen Beschwerden, die sie hervorruft, ähneln so stark vielen typischen Wechseljahresbeschwerden.

Tabletten ersetzen die fehlenden Hormone 

Ist die Schilddrüsenerkrankung erkannt, ist dies der erste Schritt zur Besserung. Denn sie ist gut behandelbar. Damit das Organ wieder richtig arbeiten kann, muss über Tabletten das fehlende Schilddrüsenhormon L-Thyroxin eingenommen werden. „Empfohlen wird eine Einnahme auf nüchternen Magen, sonst kann das Hormon nicht richtig aufgenommen werden“, erklärt Dr. Ursula Marschall, leitende Medizinerin bei der Barmer GEK. Zu Beginn der Therapie sollten die Blutwerte regelmäßig kontrolliert werden. Das hat einen Grund: „Gerade am Anfang muss sich der Hormonspiegel im Körper einpendeln. Bis die richtige Dosierung gefunden ist, kann es paar Monate dauern“, so die Expertin.

Durch die Einnahme der Medikamente bessern sich die Beschwerden, trotzdem können Angespanntheit und Nervosität bleiben. „Hier kann das Erlernen von Entspannungsübungen hilfreich sein“, weiß die Medizinerin. Techniken wie die „Progressive Muskelentspannung nach Jacobsen“ könne man auch selbständig lernen und zu Hause durchführen. Lange Spaziergänge an der frischen Luft seien ebenfalls zu empfehlen. Sie hellen die Stimmung auf und aktivieren den Stoffwechsel.

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