Marlenes Geständnis: „Mein Mann hat mich total ruiniert!“

Freunde weg, Geld weg, Träume weg

Lange schien ihre Ehe das große Glück zu sein. Bis sich Jürgen völlig verändert - und seine Frau in einem Trümmerfeld zurücklässt. Wie Marlenes (42) große Liebe im Desaster endete.

„Wenn ich heute auf die vergangenen Jahre zurückblicke, bin ich immer noch fassungslos. Bis heute begreife ich einfach nicht, wie Jürgen sich so verändern konnte, wie er einfach unsere Ehe, unser Glück, unsere Zukunfts-Träume über den Haufen werfen konnte. Und dann frage ich mich: Hätte ich irgendwas ändern können? Aber ich lasse mich nicht mehr so oft durch solche Grübeleien runterziehen. Nein, ich habe genug damit zu tun, mein Leben wieder in die – für mich – richtigen Bahnen zu lenken. Das kostet viel Energie. Aber Gott sei Dank bin ich auf einem sehr guten Weg.

„Wir sparten dafür, irgendwann gemeinsam die Welt zu bereisen“

Ich habe Jürgen aus Liebe geheiratet. Wir waren uns in allen Dingen einig. Es schien perfekt. Wir waren gern zu Hause und hatten Freunde zu Besuch, ab und an gingen wir aus. Wir fanden im Tennis unser gemeinsames Hobby. Sobald wir am Wochenende Zeit hatten, reservierten wir einen Platz, wurden bald Vereinsmitglieder und fanden dort nette Menschen, mit denen wir viel Zeit verbracht haben. Ab und an sprachen wir auch darüber, Kinder zu bekommen. Doch das schoben wir erst einmal auf die lange Bank. Uns ging es einfach blendend, wir genossen unser Leben und unsere Zweisamkeit. Unser größter Traum: irgendwann eine Wohnung kaufen, keine Miete mehr zahlen müssen und dann kreuz und quer durch die Welt reisen. Dafür legten wir ein Sparkonto an und zahlten monatlich ein, was ich als Sekretärin in einer kleinen Firma und Jürgen als Berater in einem IT-Unternehmen erübrigen konnten. Alles war perfekt. Bis Jürgen sich in den Kopf setzte, sich selbstständig zu machen.

Im Job war er schon lange unzufrieden. Einem Kollegen von ihm war es ähnlich gegangen. Der hatte eine eigene Firma gegründet, fuhr ein dickes Auto und lud Jürgen zum Champagner ein, als er ihn zufällig traf. In meinen Ohren klang das alles großkotzig, aber Jürgen war plötzlich ganz besessen von der Idee, sich ebenfalls selbstständig zu machen. Abendelang arbeitete er an einem Konzept. Für mich klang es schlüssig. Und Jürgen war so unglaublich euphorisch – da wollte ich nicht irgendwelche Zweifel anmelden. Natürlich brauchte er Startkapital. Also checkten wir unsere Ersparnisse. Das waren immerhin schon 45.000 Euro. Gut, aber Jürgen würde ja auch verdienen. Er mietete ein Büro an, richtete es ein, kaufte einen teuren Computer und einen ziemlich großen Mercedes. Er müsse ja auch Eindruck bei den Kunden machen. Wer mit einem Golf vorgefahren käme, werde doch gar nicht ernst genommen, meinte er. Ich fand das etwas übertrieben, sagte aber wieder nichts. Vielleicht hatte er ja recht.

„Jürgen arbeitete viel, aber die Firma kam nicht recht in Gang“

Die Abende zu Hause wurden ziemlich einsam. Jürgen ging mit potenziellen Kunden essen, war auf Messen unterwegs. Auch am Wochenende war er oft in seinem Büro. Zum Tennis gingen wir überhaupt nicht mehr. Gut, dachte ich, so ist es halt, wenn man selbstständig ist. Und ich wollte ihm den Rücken frei halten. Er sollte sich seinen Traum erfüllen. Doch seine Firma kam nicht richtig in Fahrt. Schließlich pumpten wir meine Eltern an. Sie beliehen ihr Haus, das irgendwann meines sein sollte – 100.000 Euro bekam Jürgen von ihnen.

Unsere Abende mit Freunden wurden immer seltener. Bekamen wir doch mal Besuch, erzählte Jürgen ausschließlich davon, dass er kurz davor war, einen super Deal abzuschließen, dass er bald ganz dick im Geschäft sei und dass er sich einen Porsche bestellen werde. Innerlich sträubte sich alles in mir gegen diese Prahlerei. Aber ich wünschte ihm so sehr, dass er es schaffte. Die Freunde blieben bald ganz weg. Ich hinterfragte ihre Gründe nicht und dachte nur: Wir würden sie wieder einladen, wenn die Firma endlich lief und Jürgen entspannter wäre. 

„Meine Ersparnisse und mein Erbe waren weg“

Und dann kam unser Hochzeitstag. Ich wollte ihn überraschen und fuhr zu seinem Büro. Mit einem Picknickkorb voller Leckereien ging ich auf das Haus zu … da sah ich ihn Arm in Arm mit einer Frau herauskommen. Wie angewurzelt blieb ich stehen und beobachtete, wie er ihr galant die Tür seines Mercedes’ aufhielt. In diesem Moment brach meine Welt zusammen. Am nächsten Tag stellte ich ihn zur Rede. Und er sagte allen Ernstes: Er bewege sich jetzt in anderen Kreisen, und seine Freundin sei eine passend schöne Frau. Ich war so fassungslos, dass ich nichts sagen konnte. Bis heute weiß ich darauf keine Antwort, ohne ordinär zu werden.

Mir war völlig klar, dass die Trennung der einzig mögliche Weg für mich war. Als ich von ihm das Geld zurückforderte, lachte er nur und sagte: Das gäbe es schon lange nicht mehr. Und wenn ich es genau wissen wolle: Bei ihm sei überhaupt nichts zu holen. Und damit hatte er völlig recht: Im Scheidungsverfahren stellte sich heraus, dass er kurz vor der Insolvenz stand. Ob das wirklich stimmt oder er das so gedreht hat, weiß ich nicht. Ich stand nur plötzlich ziemlich mittellos da, meine Ersparnisse und mein Erbe waren weg. Und meine Eltern waren auch nicht allzu glücklich, wie man sich vorstellen kann. Natürlich hatten wir keinen Ehevertrag und auch keine Regelung getroffen, als er sich selbstständig machte. Das war einfach blöd von mir. Ich bin nur heilfroh, dass ich immer gearbeitet habe.

Fakt ist: Ich bin jetzt 42 und musste noch mal ganz von vorn anfangen. Eine Eigentumswohnung werde ich nie haben. Aber mein Traum vom Reisen ist geblieben. Jetzt heißt es also wieder sparen. Vor drei Monaten habe ich einen sehr netten Mann kennen gelernt. Mit ihm könnte ich mir eine Zukunft vorstellen – und versuche, Vertrauen zu ihm aufzubauen.“

Tipps und Infos zum Thema: Ein Vertrag ist sinnvoll

Edith Schwab, Rechtsanwältin für Familienrecht und Mediatorin, hat eine Kanzlei mit Kollegen in Speyer. Hier beantwortet Sie die wichtigsten Fragen zum Thema Ehevertrag. 

Wer hat meist finanzielle Nachteile: Frau oder Mann?

„Immer noch sind es meistens die Frauen, die nach einer Trennung mit finanziellen Problemen kämpfen müssen. Dies gilt vor allem für diejenigen, die in traditioneller Familienform leben, also der Ehemann der Hauptverdiener ist und die Frau zuständig ist für den Haushalt und die Kinder und vielleicht einem Minijob nachgeht. Doch nach der Unterhaltsrechtsreform 2008 kann sich die Ehefrau nicht mehr auf eine über die Scheidung hinausreichende finanzielle Versorgung durch den Ex-Mann verlassen.“

Gibt es oft Frauen, die wirklich alles verlieren?

„Es gibt immer wieder die sehr berührenden Fälle, vor allem nach langer oder sehr langer Ehe, in welchen sich die Frauen vollständig auf den Bestand der Ehe verlassen haben. Kommt die Trennung des Ehemanns im höheren Alter, haben die Frauen oft keinerlei reelle Chance auf dem Arbeitsmarkt. Diese Frauen verlieren nicht nur jegliches Vertrauen in eine gerechte Lösung durch das Gesetz, sie verlieren jegliches Vertrauen in die Zukunft. Da bricht dann der gesamte Lebensentwurf zusammen. Oft führt das zu tiefer Mutlosigkeit bis zur Depression.“

Geld oder Gefühle – Was ist Grund für eine Trennung?

„Geld ist in den seltensten Fällen der Trennungsgrund, es sind meist verletzte Gefühle durch Untreue des Partners, respektloses und beleidigendes Verhalten, übertriebenen Kontrollzwang und Eifersucht, die dem Partner keine Luft zum Atmen lassen.“

Ist ein Ehevertrag die ultimative Lösung?

„Ja. Ein Ehevertrag ist immer dringend zu empfehlen. Er kann zwar Gefühle nicht verordnen und eine Entfremdung der Eheleute nicht verhindern. Er kann jedoch vor allem finanzielle Risiken abfedern. Ein Ehevertrag gibt beiden Partnern Sicherheit und ist streitverhindernd.“

Was würden Sie Frauen vor einer Heirat raten?

„Ich rate ihnen, sich vor der Eheschließung rechtlich beraten zu lassen. Nur wenn ich über meine Rechte und auch Pflichten Bescheid weiß, kann ich rationale Entscheidungen treffen. Die rosarote Brille ist sehr schön – und wir lieben sie alle. Eine Ehe ist aber auch ein Vertrag, und da kann Vernunft nicht schaden.“