Liebe am Arbeitsplatz: Zwei Paare erzählen ihre Geschichten

Wenn aus Arbeit Liebe wird

Etwa ein Drittel aller Beziehungen beginnt tatsächlich am Arbeitsplatz - doch nicht allen glückt der Spagat zwischen Job und Privatem. Hier erzählen zwei Paare von ihrer Liebe am Arbeitsplatz.

Daniela (36) und Martin (38): „Wir harmonieren sowohl zu Hause als auch im Lokal perfekt“

„Wenn man in der Gastronomie arbeitet, ist das mit Beziehungen so eine Sache: Die unregelmäßigen Arbeitszeiten, Abend- und Wochenendschichten sowie Feiertagsdienste machen es einem nicht leicht, nebenbei eine Beziehung zu führen“, erzählt Daniela aus Köln. „Bis vor ein paar Jahren waren all meine Beziehungen früher oder später daran zerbrochen. Doch dann lernte ich Martin kennen.“

Der damals 31-Jährige ist zu dieser Zeit auch schon länger Junggeselle. „Ich hatte zwar immer wieder mal kurze Beziehungen oder Affären, aber die meisten Frauen waren wegen meines Jobs als Barchef so eifersüchtig, dass es irgendwann nicht mehr ging“, so Martin. „Und klar, ich lernte bei der Arbeit immer wieder andere Frauen kennen, zu denen ich auch nett war – aber das gehört ja auch dazu. Doch wer nicht aus der Gastronomie kommt, versteht das nicht.“

Als Martin in der Bar anfängt, in der auch Daniela arbeitet, ist es Liebe auf den ersten Blick. „Wie sie sich bewegte, wie charmant und aufmerksam sie Gästen gegenüber war – und was für ein umwerfendes Lächeln sie immer für mich übrig hatte – all das zog mich sofort in ihren Bann“, erzählt Martin grinsend. Daniela: „Ich hatte zu dieser Zeit eigentlich gar nicht im Sinn, mich zu verlieben, doch dann war es doch geschehen. Wir wurden schnell ein Paar – und es lief super. Ich hatte nun plötzlich einen tollen Mann an meiner Seite, der dieselben unmöglichen Arbeitszeiten hatte und das ganze Gastronomieleben verstand und mit mir teilte. Es gab keine Konflikte und Erklärungsnöte mehr.“

Die Kollegen freuen sich mit ihnen. „Sogar unser Chef fand es toll, er meinte, wir wären einfach ein Dream-Team – sowohl privat als auch im Lokal“, so Martin. Und die beiden verbindet noch etwas: „Schon immer wollte ich ein Restaurant eröffnen – und auch Martin träumte von einem eigenen Laden“, so Daniela. „Tja, und vor zwei Jahren haben wir gemeinsam den Sprung in die Selbstständigkeit gewagt – und unser eigenes kleines Bistro eröffnet. Obwohl es die erste Zeit wirklich hart war, haben wir es gemeistert – und es hat uns noch mehr zusammengeschweißt.“

Jasmin (41) und Uwe (54): „Als unsere Beziehung öffentlich wurde, war ich bei allen unten durch“

„Die Geschichte von Uwe und mir bedient sämtliche Klischees“, sagt Jasmin aus Darmstadt. „Er, verheirateter Familienvater und Regionalchef eines Energielieferanten, und ich, alleinstehend und eine seiner fünf engsten Mitarbeiterinnen.“ Fast jeden Abend sitzen beide noch länger im Büro. „Anfangs beschränkten sich unsere Gespräche aufs Berufliche, doch mit der Zeit wurden sie immer privater“, so Jasmin.

Sie beginnt, Gefühle für Uwe zu entwickeln. „Ich wusste, dass das nicht geht, denn er hatte eine Frau und zwei Kinder – ich konnte und wollte keine Familie zerstören“, so die 41-Jährige. Uwe: „Auch ich fühlte mich schon lange vor unserem ersten Kuss zu Jasmin hingezogen. Das lag nicht nur daran, dass ich sie häufiger sah als meine Frau, sondern vielmehr faszinierte mich ihre Leidenschaft für den Job – die ich genauso teilte. Zudem fand ich sie unglaublich witzig und bildschön.“

Nach einem halben Jahr können Jasmin und Uwe nicht mehr vor ihren Gefühlen davonlaufen. Sie beginnen eine Affäre. „Es war aufregend und furchtbar zugleich“, so Jasmin. „Und ich wusste die ganze Zeit: Es muss ein Ende haben – egal wie.“

Zu ihrer Überraschung trennt sich Uwe nach wenigen Wochen von seiner Frau – und macht die Beziehung zu Jasmin im Büro öffentlich. „Ich wollte kein Versteckspiel mehr. Und Jasmin sah das genauso. Also sprach ich mit den Kollegen.“ Doch für Jasmin wird der Büro-Alltag danach zum Spießrutenlauf: „Es wurde immer getuschelt, sobald ich den Flur entlangkam, zu Treffen nach Feierabend wurde ich nicht mehr eingeladen – sie behandelten mich wie eine Aussätzige.“ Als die Gespräche mit ihren Kollegen zu nichts führen, zieht sie vier Monate später den Schlussstrich: „Ich bewarb mich in einer anderen Firma – und bin sehr froh über diese Entscheidung. Uwe und ich sind weiterhin glücklich, doch die Situation im Büro hätte unsere Liebe auf Dauer zu sehr belastet.“