Tantra – was wirklich dahintersteckt!

Indiens missverstandene Liebeslehre

Tantra wird oft nur als langsamer Sex abgestempelt. Dabei gehört viel mehr dazu. Wird Tantra richtig verstanden und praktiziert, belebt es nicht nur Körper, Geist und Seele, sondern führt zu mehr Nähe und Verbundenheit zwischen den beiden Partnern. Wir erklären Ihnen, was es damit auf sich hat.

Was ist Tantra?

Tantra ist eine Lebensweise, die sich im 1. Jahrtausend n. Chr. aus den indischen Religionen des Hinduismus und später des Buddhismus entwickelt hat. Das Wort kommt aus dem Sanskrit (alt-indische Sprache) und bedeutet so viel wie „neutrum, Gewebe, Kontinuum, Zusammenhang“. Damit soll die Verbindung zwischen den Polaritäten, männlich und weiblich, weltlicher sowie spiritueller Aspekte, verdeutlicht werden. Es ist ein Weg der Selbstliebe, der Sie dadurch zur Echtheit, mehr Intimität und wahren Herzensbegegnungen mit anderen Menschen führt.

Im Gegensatz zu anderen Traditionen, die den Körper und sinnliche Erfahrungen als sündig betrachten, sieht Tantra den Körper und das reine Vergnügen, das er erzeugen kann, als Kanal zum Göttlichen und nicht als Hindernis. Im Tantra geht es um innere mystische Erfahrungen, spirituelles Wachstum und persönliche Bestärkung. Dabei beschäftigt sich diese indische Liebeslehre mit den Fragen des Lebens und fördert die bewusste Wahrnehmung dessen. Sie lehrt Sie die Wertschätzung des eigenen Körpers, wobei Sexualität eine wichtige Rolle spielt. Es geht hier weniger um ausgefallene Sexpraktiken, sondern um eine innere Geisteshaltung. Generell werden im Tantra Stellungen bevorzugt, in denen das Paar lange verharren kann, ohne einen Orgasmus zu provozieren. 

Rituale des Tantra

Durch bestimmte Rituale erlernen Sie, unter anderem:

•    einen natürlichen Zugang zur Sinnlichkeit und Sexualität zu entfalten.
•    mehr Energie zu erfahren.
•    sexuelle Blockaden und Probleme in der Partnerschaft zu lösen.
•    Bedürfnisse zu spüren und zu kommunizieren und dabei die eigenen Grenzen zu wahren.
•    die Körperwahrnehmung zu sensibilisieren und dessen Ressourcen zu stärken. 

Der Weg zum Ziel führt über die Beherrschung einfacher Techniken, die als transformative Werkzeuge dienen, womit Sie Ihr sexuelles Selbstvertrauen und Ihre Beziehungen verbessern können.

Besondere Aufmerksamkeit wird auf die Vorbereitung der sexuellen Vereinigung gelegt. Oft werden dazu erotische Massagen eingesetzt. In der indischen Vorstellung besteht der Körper aus 7 Energiezentren, den sogenannten Chakren. Durch gezielte Berührungen wird deren energetische Aktivität angeregt und gesteigert, was bis hin zu ekstatischem Erleben führen kann. Barbara Carellas, Autorin von „Urban Tantra“ schlägt fünf tantrische Techniken vor, die perfekt für Anfänger sind. Zwei davon stellen wir Ihnen hier kurz vor:

1. Tief atmen

Das Atmen bietet ein unerschöpfliches Potential an Energie. Doch atmen die meisten von uns gerade genug, um am Leben zu bleiben. Einfache Atemtechniken verbinden alle fünf Sinne und helfen dabei zentriert, entspannt und geerdet zu werden. Beginnen Sie damit, einen großen Atemzug zu nehmen. Achten Sie auf das Einatmen und dann auf das langsame Ausatmen. Nehmen Sie wahr, wie sich Ihr Körper anfühlt und wie sich Ihr Geruchs-, Tast- und Hörsinn am Ende des Atemzuges unterscheidet. Sie fühlen sich vielleicht glücklicher, leichter und haben das Gefühl, mehr Platz im Raum zu beanspruchen.

Als nächstes nehmen Sie einen kleinen Atemzug, gefolgt von einem anderen. Beachten Sie, wie klein Sie sich fühlen, wenn Sie flach atmen. Sind Sie gebückt, mit engen Schultern? Das bloße Beobachten des Atems, sogar in alltäglichen Momenten, kann uns viel darüber lehren, wie es unserem emotionalen Zustand geht. Dies können Sie testen, wo auch immer Sie sind.

Empfohlen ist ebenfalls, den eigenen Atem an eine Person anzupassen, mit der Sie sich verbinden möchten. Dies muss nicht in einem sexuellen Kontext sein, aber es kann eine sexuelle Verbindung stark verbessern und vertiefen.

2. Sich in die Augen schauen

Diese Praxis vertieft die Eigenliebe, beseitigt Scham und öffnet das Herz. Schauen Sie sich selbst in die Augen. Nehmen Sie sich zunächst einen Moment Zeit zum Atmen. Versuchen dann, einen Dialog mit sich selbst zu führen: laut, oder leise, wie Sie sich wohl fühlen.

Carellas schlägt vor, diese "Konversationsstarter" als Richtlinien zu verwenden:

„Ich liebe dich für ...“

„Ich vergebe dir dafür ...“

„Wenn ich dich wirklich liebte, würde ich folgendes tun ...“

„Weil ich dich wirklich liebe, werde ich folgendes tun ...“

Es mag sich zunächst komisch anfühlen, ist jedoch eine transformative, intime Praxis: eine Art von Selbsttherapie oder Beziehungstherapie, je nachdem, ob Sie es alleine oder mit einem Partner tun.

Wie und können Sie Tantra erlernen?

Wer Tantra lernen möchte, kann Kurse belegen oder sich eine App auf das Smartphone herunterladen. Schulen und Lehrer finden Sie über das Internet oder esoterische Zeitschriften. Sie können aber auch online autodidaktisch lernen oder aus Büchern. Spüren Sie in sich hinein, um den besten Weg zu finden. Wir wünschen viel Freude bei der Bereicherung Ihres (Liebes-)Lebens!

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