Wie unsere Google Suchanfragen unsere intimsten Geheimnisse offenbaren

Die Suchmaschine kennt uns besser als jede Freundin

„Die Google-Suche ist die größte und ehrlichste Psycho-Studie aller Zeiten“, sagt Seth Stephens-Davidowitz – und er weiß, wovon er spricht. Er selbst hat früher für den Suchmaschinen-Giganten gearbeitet. Jetzt hat er in seinem Buch „Everybody lies“ Fakten zusammengestellt, die Google sammelt. Darin offenbart sich, was wir selbst alle wissen: Wir vertrauen der Suchmaschine unsere intimsten Fragen an. 

Solche, die man den besten Freunden nicht stellt. Die Fragen spiegeln sich in der Autovervollständigung wider. Den Test kann man selbst machen. Geben Sie doch mal ein: „Ist mein Mann“, dann sehen Sie in der Liste der Suchangebote ganz weit oben „Ist mein Mann schwul?“ Das wird also von Frauen besonders häufig gegoogelt. Aha!

  • Eltern googeln zweieinhalb Mal öfter „Sohn hochbegabt“ als dasselbe für die Tochter. 
  • Eltern wollen bei Mädchen doppelt so oft wissen wie bei Jungs, ob sie übergewichtig sind.
  • Es wird häufiger nach Pornos als nach dem Wetter gesucht.
  • Die gängigste Sex-Frage von Männern ist, wie sie im Bett länger durchhalten.
  • Während Männer oft nach Penisvergrößerung schauen, drehen sich 40 Prozent der Suchen von Frauen zum Thema Penisgröße darum, dass er eben zu groß ist.
  • Die häufigste Sorge der Frauen in Bezug auf den Orgasmus ihres Partners ist die Frage, warum er denn gar nicht kommt.

3 Fragen an den Experten

Wie anonym ist das Internet? Was weiß Google über uns? Wir haben Professor Chris Brzuska vom Institut für IT-Sicherheitsanalyse der Universität Hamburg gefragt. Wenn Sie wissen wollen, was Google über Sie gespeichert hat, brauchen Sie ein Google-Konto. Einzusehen sind die Daten unter www.google.com/dashboard

Herr Brzuska, was weiß Google alles über die Nutzer?

„Wenn wir Gmail für E-Mail, Google Maps für die Wegsuche und die Suchmaschine für die Beantwortung unserer Fragen benutzen, und das alles womöglich noch mit dem gleichen Smartphone, dann erhält Google ein genaues Bild von uns.“

Werden wirklich alle Daten und Sucheingaben gespeichert?

„Nahezu alle. Das Service-Modell von Google beruht darauf, umfassend Daten zu sammeln und auszuwerten, um Services für die Nutzer zu optimieren.“

Was geschieht denn zum Beispiel mit den Daten der Nutzer?

„Es ist so, dass die Daten der Nutzer zusammengeführt werden. So spiegelt Google auch gesellschaftliche Stereotypen wider, wie man in der Autovervollständigung sehen kann.“