Wilde Ehe – Sorgerecht, Vermögen, Vollmacht

Die wichtigsten Regeln für die „eheähnliche Lebensgemeinschaft"

26. Juli 2016

Ehe ohne Trauschein? Über 2,5 Millionen Paare in Deutschland haben sich aktuell für eine wilde Ehe entschieden – Tendenz steigend. Die „eheähnliche Lebensgemeinschaft“ steht für Ungebundenheit und Flexibilität. Doch sie hat auch ihre Tücken, denn das ungebundene Miteinander birgt einige rechtliche Nachteile. Das sind die wichtigsten Regeln!

Darf der Arzt dem Partner im Notfall Auskunft geben?

Nur dann, wenn eine entsprechende Verfügung beim Hausarzt hinterlegt wurde. Paare in wilder Ehe sollten sich daher dringend gegenseitige Vollmachten für den Krankheits-, Betreuungs- und Todesfall ausstellen. Sonst gibt es keine Auskunft über den Gesundheitszustand des Partners. Und: Wenn einer von ihnen einmal nicht mehr selbst entscheiden kann, bestimmt das Gericht einen Betreuer – schlimmstenfalls einen vollkommen Fremden.

Haben automatisch beide das Sorgerecht für ihr Kind?

Nein, Mutter und Vater des Kindes müssen – idealerweise schon vor der Geburt – beim Jugendamt erklären, dass sie das Sorgerecht gemeinsam ausüben wollen. Seit 2013 ist es auch möglich, dass der Vater es allein beantragt.

Besteht in einer wilden Ehe eine Unterhaltszahlungspflicht?

Nur wenn Kinder im Spiel sind: Ledige Mütter haben sechs Wochen vor und acht Wochen nach der Geburt gegenüber dem Vater einen Unterhaltsanspruch. Nach dieser Zeit können sie vom Vater noch drei Jahre lang Unterhaltszahlungen verlangen. Als Begründung genügt in diesem Fall, dass die Frau wegen der Betreuung des Kindes an der Ausübung einer Arbeit gehindert ist.

Braucht man einen gemeinsamen Mietvertrag?

Nein. Zieht ein Partner bei dem anderen ein, muss lediglich der Vermieter darüber informiert werden, da es durch einen zweiten Bewohner zu höheren Nebenkosten kommen kann. Großer Nachteil: Trennt sich das Paar, kann der Mieter den anderen einfach vor die Tür setzen. Experten empfehlen daher, einen Untermietervertrag abzuschließen. Zieht ein Paar in wilder Ehe gemeinsam in eine neue Wohnung und beide lassen sich im Mietvertrag aufnehmen, trägt nach einer Trennung nur derjenige die Kosten, der in der Wohnung bleibt.

Erbt der verbleibende Partner im Todesfall?

Nicht automatisch. Er erbt nur das, was ihm im Testament zugesprochen wurde. Paare in wilder Ehe sollten die Besitzansprüche also rechtzeitig und detailliert im Testament festhalten.

Gibt es Partner-Versicherungen für Unverheiratete?

Bei Haftpflicht- und Rechtsschutzpolicen gilt der Familientarif auch für Paare ohne Trauschein. Anders bei Familienversicherungen von gesetzlichen Krankenkassen: Nicht erwerbsfähige unverheiratete Lebensgefährten werden nicht aufgenommen.